Jan Ullrich hatte viele Chancen, um reinen Tisch zu machen. Er hat sie alle ausgelassen. Heute ist er ein kranker Mann.

Die Gelegenheiten, die Jan Ullrich ausgelassen hat, einen anderen Weg einzuschlagen, sind beinahe ungezählt.

Ullrich hätte zwischen 2006, als er einen Tag vor dem Start der Tour de France nach Doping-Anschuldigungen überhastet aus Frankreich floh, und dem heutigen Datum, an dem er als Kunde des Dopingarztes Fuentes und - schlimmer noch - als kranker Mann dasteht, täglich reinen Tisch machen können.

Abgesehen davon, dass der Tour-de-France-Sieger von 1997 sich womöglich eine für ihn übermächtige Last von der Seele geredet hätte, wäre auch die Wirkung einer Doping-Beichte Ullrichs auf den schlecht beleumundeten Profi-Sport interessant gewesen, in dem Doping offenbar weiterhin Systemzwang ist.

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Jan Ullrich hat alle Chancen verstreichen lassen. Stattdessen hat er geleugnet, gelogen und vor Gericht gestritten - selbst als seine Kontakte zum spanischen Blutmischer längst erwiesen waren.

Der Weg zur Wahrheit war für Ullrich offenbar steiler als der steilste Alpenpass - warum das so war, weiß vermutlich nur er selbst.

War der kleine Sieg niemals offiziell des Dopings überführt worden zu sein, all die Qualen wert, die dem früher Hochbegabten mittlerweile womöglich aufs Gemüt geschlagen sind?

Auch Ullrichs Berater sollten sich diese Frage einmal stellen? Ihr Klient steht nicht erst seit heute als gebrochener, Mitleid erregender Mann da.

War es das wirklich wert?

Wer jetzt über das harte Los des ehemaligen Spitzensportlers lamentiert, sollte sich erinnern, wie oft Jan Ullrich die Abzweigung von der Straße ins Verderben ignorierte.

Und vielleicht liest sich auch Lance Armstrong, an dessen Seite Ullrich einst die Berge hochhetzte und gegen den ehemalige Weggefährten immer neue Dopingvorwürfe erheben, die Meldungen über das bedauerliche Schicksal seines einstigen Herausforderers dieser Tage einmal etwas genauer durch.

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