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Stefan Schumacher gewann bei der Tour de France 2008 zwei Etappen © getty

Vor seinem Comeback sorgt der frühere Doping-Sünder mit einem schnell dementierten Schuldeingeständnis für Verwirrung.

Berlin - Fast zwei Jahre stritt Stefan Schumacher Doping konsequent ab, kurz vor seinem Comeback sorgt der geläuterte Radprofi nun doch noch einmal für Verwirrung.

"Womöglich, doch ich weiß ja, dass ich Mist gebaut habe. Die letzten zwei Jahre waren die härtesten meines Lebens", wurde der 29-Jährige in einem "kicker"-Interview auf die Frage zitiert, ob er als ehemaliger Dopingsünder jetzt anders gesehen werde.

Schumacher distanzierte sich am Donnerstag von dieser Aussage, die durchaus Raum für Spekulationen gelassen hatte.

"Aus dem Zusammenhang gerissen"

"Den Satz habe ich so nicht gesagt. Zudem ist das Statement aus dem Zusammenhang gerissen. Im übrigen bleibt es dabei: Ich werde zu diesem Thema keine Stellungnahmen mehr abgeben", sagte der Schwabe.

Schumacher soll am Samstag beim Giro del Veneto erstmals für sein neues Team Miche in die Pedale treten.

Seine halbwegs offenen Worte zum Thema Doping kommen überraschend, denn vor gut einem Monat blockte der Nürtinger entsprechende Fragen noch ab. "Zu diesem Thema werde ich keine Stellungnahmen mehr abgeben", sagte Schumacher damals.

CAS verkürzt Doping-Sperre

In Nachtests der Tour de France sowie durch Proben von den Olympischen Spielen in Peking wurde Schumacher das Blutdopingmittel Cera nachgewiesen.

Es folgte ein Rechtsstreit bis vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS, der Schumachers Sperre immerhin um ein gutes halbes Jahr kürzte.

Nun als gläserner Athlet

Dem allgemeinen Misstrauen will der Rad-Schumi als gläserner Athlet entgegentreten.

Auf seiner Internetseite veröffentlicht der WM-Dritte von 2007 Kontrollwerte und Trainingspläne. So ist dort zu lesen, dass er am 20. Juli und 17. August von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) getestet worden ist.

Die Ergebnisse liegen noch nicht vor.

"Bekomme eine Gänsehaut"

Dass Schumacher in den Radsport zurückkehrt, so sagt er auch selbst, hat nicht nur positive Reaktionen hervorgerufen.

Wohl auch deshalb ist der routinierte Profi vor dem Eintagesrennen im Nordosten Italiens nervös. "Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke. Es erscheint mir fast unwirklich, dass dieser Albtraum jetzt endet", sagte der Schwabe.

Studiums-Pläne verschoben

Der Streit um die ordnungsgemäße Analyse seiner Proben hätte seine Karriere fast beendet.

Schumacher war bereits fest entschlossen, ein Psychologiestudium zu beginnen: "Aber ich spürte, dass für mich dieses Thema noch nicht durch ist. Immerhin hatte ich 16 Jahre für den Radsport gelebt. Ein anderes Leben hätte ich gar nicht hingekriegt."

Trainingslager in Sölden

Seit Monaten arbeitet der Amstel-Sieger von 2008 akribisch auf sein Comeback hin.

Zuletzt war er zwei Wochen im Höhentrainingslager in Sölden. Jetzt wolle er den Motor freilassen, auch wenn er wisse, dass er nichts erzwingen könne.

Zehn Rennen der ersten Kategorie will Schumacher bis zum Saisonende Mitte Oktober bestreiten.

Team durch Rasmussen in Misskredit

Sein Team Miche ist durch einen anderen prominenten Fahrer dafür bekannt geworden, Dopingsündern eine zweite Chance zu geben. Bis Mitte des Jahres fuhr Michael Rasmussen für Miche.

Der Däne war 2007 als Gesamtführender aus der Tour de France genommen worden, weil er falsche Angaben über seinen Aufenthaltsort während der Vorbereitung gemacht hatte.

Rasmussen zu Saxo Bank?

Schumacher distanziert sich klar von Rasmussen und betont, dass er mit ihm nicht in einem Team fahre. Allerdings sollte ihm der Werdegang des einstigen Tour-Bergkönigs auch Hoffnung geben.

Dem Vernehmen nach wird Rasmussen im kommenden Jahr beim Team Saxo Bank als Edelhelfer des dreimaligen Tour-Siegers Alberto Contador fahren.

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