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Gerald Ciolek (r.) und Linus Gerdemann fuhren schon bei T-Mobile zusammen © imago

Nach Linus Gerdemann wechselt auch Sprinter Gerald Ciolek zum Rennstall Milram. Gerdemann versteht die TV-Sender, Armstrong dagegen nicht.

Dortmund - Als Radprofi Linus Gerdemann mit strahlendem Lächeln sein neues Milram-Trikot präsentierte, hatte er große Pläne für die Zukunft des gebeutelten Sports im Gepäck.

"Ich bin zu Milram gewechselt, um etwas für den deutschen Radsport zu tun. Gerade in der schwierigen Zeit will ich für mehr Glaubwürdigkeit kämpfen. Wir können etwas bewegen", sagte der Sieger der Deutschland-Tour bei seiner Vorstellung in der Dortmunder Zentrale des Rennstalls.

Teamchef Gerry van Gerwen bestätigte zudem offiziell, was eigentlich schon längst beschlossen war: Neben Gerdemann wechselt auch Sprinthoffnung Gerald Ciolek vom Columbia-Rennstall zum einzig verbliebenen deutschen ProTour-Team.

Beide unterschrieben für zwei Jahre. "Linus und Gerald sind unsere Star-Fahrer. Linus ist der Kapitän, für ihn wird die ganze Mannschaft fahren. Jetzt können wir gewinnen", sagte der Niederländer.

Tour-Sieg noch kein Thema

An Siege denkt der für einen sechsstelligen Betrag von Columbia losgeeiste Gerdemann auch, doch die Tour soll es zumindest im kommenden Jahr noch nicht sein.

"Ich will einfach besser sein, als beim letzten Mal. Die ersten zehn der Gesamtwertung sind so eng zusammen, wie nie zuvor", meinte der smarte Münsteraner.

Schon vor der Tour wolle er ein paar gute Ergebnisse einfahren, um die Große Schleife mit dem nötigen Selbstvertrauen anzugehen.

Gerdemann versteht TV-Ausstieg

Über Ergebnisse sprach der wie immer locker aufgelegte Gerdemann ohnehin ungern.

Vielmehr ging es ihm um den Radsport und dessen Zukunft in Deutschland. Den Ausstieg von ARD und ZDF von der Live-Berichterstattung über die Tour de France, kommentierte er mit gemischten Gefühlen: "Ich verstehe den Rückzug. Aber es ist schade, dass das Anti-Doping-Programm des Radsports nicht honoriert wird."

Kritik an Armstrong

Harte Worte fand Gerdemann auch für den siebenmaligen Tour-Sieger Lance Armstrong: "Das ist nicht positiv für die Glaubwürdigkeit des Radsports."

Auch die nach abgelaufener Dopingsperre im nächsten Jahr zurückkehreden Fahrer bekamen ihr Fett weg.

Sie hätten ihre Sperre eben abgesessen, dagegen könne man nichts machen. Gerdemann selbst sind alle Mittel im Kampf gegen die Dopingseuche recht: "Von mir aus können sie meine Proben 50 Jahre einfrieren und dann nochmal kontrollieren."

Tückische Vertragssituation

Um seiner Rolle als Retter des deutschen Radsports gerecht zu werden, drängte Gerdemann offenbar mit aller Macht auf einen Wechsel nach Deutschland.

Bereits vor der Tour habe es Verhandlungen zwischen van Gerwen und ihm gegeben. Dabei erwies sich wohl die Vertragssituation des Wahl-Schweizers als besonders tückisch.

Ganze vier Kontrakte mussten aufgelöst werden, damit der Weg zur Milch-Mannschaft frei wurde.

Ricken überreicht BVB-Trikot

Der Philosophie des Rennstalls, die Fahrer ständig in oder in der Nähe der Zentrale in Dortmund zu haben, will sich Gerdemann allerdings nicht unterordnen.

"Ich bleibe aus Trainingsgründen weiter in der Schweiz", sagte Gerdemann. Dabei hatte Milram einiges geboten, um dem Star die neue Heimat schmackhaft zu machen.

Bei der Präsentation schenkte ihm der Ex-Fußballprofi Lars Ricken zur Begrüßung ein BVB-Trikot mit persönlicher Beflockung.

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