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Vincenzo Nibali (M.) wurde beim Giro d'Italia Gesamtdritter © imago

Der Sizilianer lässt sich auf der letzten Etappe den Gesamtsieg nicht nehmen und gewinnt als erst fünfter Italiener die Vuelta.

München/Madrid - Ein Sizilianer erobert das stolze Spanien: Vincenzo Nibali hat als erster Italiener seit 20 Jahren die Vuelta gewonnen und den Spaniern die Fiesta zum 75. Geburtstag ihrer Landesrundfahrt verdorben.

Der 25-Jährige wehrte auf der Königsetappe am Samstag alle Attacken des zweitplatzierten Spaniers Ezequiel Mosquera erfolgreich ab und feierte am Sonntag in Madrid den größten Erfolg seiner Karriere.

Die nur 85 km lange Schlussetappe in die spanische Hauptstadt entschied der US-Amerikaner Tyler Farrar (Gramin) im Massensprint für sich.

Das Grüne Trikot des Punktbesten sicherte sich jedoch der am Sonntag zweitplatzierte Brite Mark Cavendish, der drei Teilstücke für sich entschieden hatte.

Gesamtsieger Nibali blieb damit ohne einen einzigen Tagessieg.

Kindheitstraum wird wahr

"Ich kann gar nicht glauben, dass ich die Vuelta gewonnen habe. Für mich wird ein Kindheitstraum war", sagte Nibali. Als bisher letzter Italiener hatte Marco Giovannetti die Rundfahrt 1990 gewonnen.

Nur 41 Sekunden lag der streng gläubige Nibali am Ende vor dem zehn Jahre älteren Mosquera. Peter Velits hatte als Dritter des Gesamtklassements bereits über drei Minuten Rückstand, fuhr

aber als erster Slowake auf das Vuelta-Podium.

Erstmals als Kapitän

Trotz einiger Schwächen an den steilsten Rampen der iberischen Halbinsel überzeugte Nibali bei seiner ersten großen Rundfahrt als alleiniger Kapitän.

Der in der Vergangenheit oft ungestüm agierende Liquigas-Profi kalkulierte kühl und ließ sich in den Bergen auch von den zahlreichen Attacken der spanischen Armada um Mosquera und den Gesamtvierten Joaquim Rodriguez nicht aus der Reserve locken (Alle Radsport-News).

Alle Angriffe abgewehrt

Auf der Königsetappe zur 2247 m hoch gelegenen Bola del Mundo (Weltkugel) setzte Oldie Mosquera noch einmal alles auf eine Karte. In den bis zu 20 Prozent steilen Rampen setzte sich der Xacobeo-Profi von Nibali ab.

Der Italiener kämpfte jedoch aufopferungsvoll und schloss kurz vor dem Ziel zu Mosquera auf.

Den Etappensieg überließ Nibali dann ganz im Stil eines großen Champions seinem Konkurrenten.

Tipps von Basso

Nach dem Parforceritt suchte Nibali Kontakt zu seinem Mentor Ivan Basso, den er noch im Mai zum Sieg beim Giro d'Italia verholfen hatte.

"Wir haben uns SMS geschrieben. Er hat mir schon vor der Etappe gesagt, dass ich ruhig bleiben soll und das ich stark fahre", sagte Nibali.

Der kommende Champion

Für den fast acht Jahre ältere Basso, der nach seiner Dopingsperre wieder so stark fährt wie zuvor, ist Nibali das Juwel des italienischen Radsports.

"Er ist der kommende Champion", sagte Basso und Teamchef Roberto Amadio meinte: "Er ist der Champion, auf den Italien gewartet hat. Mit nur 25 Jahren eine große Rundfahrt zu gewinnen, ist einfach unglaublich."

Giro und Vuelta statt Tour

Dabei war Nibalis Saisonplanung durch die Suspendierung seines Teamkollegen Franco Pellizotti wegen auffälliger Blutwerte völlig umgekrempelt worden. Statt der Tour de France fuhr er den Giro als Bassos Edelhelfer und nahm dann - ebenfall nicht geplant - an der Vuelta teil.

"Bevor ich in Sevilla an den Start ging, wusste ich nichts über die Strecke der Vuelta", sagte Nibali.

Fünfter Italiener

Trotz mangelnder Ortskenntnis findet sich der Rundfahrt-Spezialist nun in dem kleinen Kreis der italienischen Vuelta-Sieger.

Lediglich vier seiner Landsleute hatten vor Nibali die drittgrößte Rundfahrt der Welt gewonnen. Neben Giovannetti waren es Giovanni Battaglin (1981), Felice Gimondi (1968) und Angelo Conterno (1956).

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