vergrößernverkleinern
Tony Martin gewann im letzten Jahr WM-Bronze im Zeitfahren © getty

Erstmals findet eine Straßen-WM in Australien statt. Vor allem Andre Greipel und Tony Martin sind deutsche Medaillenhoffnungen.

Geelong - Wenn am Mittwoch im australischen Geelong die Straßen-Weltmeisterschaften beginnen, haben die beiden deutschen Hoffnungsträger Tony Martin und Andre Greipel eine Medaille fest im Visier.

Aber auch im U 23-Bereich der Männer sowie bei den zuletzt starken Frauen darf sich der BDR bei der ersten WM auf dem Fünften Kontinent das ein oder andere Edelmetall ausrechnen.

"Medaille ist Pflicht"

"Mein Ziel ist das Podium", sagt Martin, der insgeheim sogar von der Goldmedaille im Einzelzeitfahren träumt. Dafür müsste er aber den alles überragenden Schweizer Titelverteidiger Fabian Cancellara schlagen.

Bei der Tour hatte Martin gegen den Olympiasieger im Kampf gegen die Uhr zweimal das Nachsehen, doch mit Spezialtraining und Windkanaltests in Silverstone hofft der 25-Jährige auf eine weitere Steigung.

Martin, der sich jüngst bei seinem Gesamtsieg der ENECO-Tour in starker Form präsentiert hatte, ist wohl aus deutscher Sicht der heißeste Kandidat auf eine Podiumsplatzierung, was BDR-Vizepräsident Udo Sprenger auch klar formuliert: "Eine Medaille ist hier Pflicht."

Greipel gegen Cavendish?

Anders sieht es da im Straßenrennen der Männer aus. Der BDR hat sein Team ganz auf Sprintstar Greipel ausgerichtet und hofft deshalb auf eine Massenankunft. Der Seriensieger vom Team Columbia ist da vorsichtiger.

"Der BDR hat gesagt, es ist ein Sprinterkurs. Ich sage, es ist kein Sprinterkurs. Ich sehe mich nicht als Kapitän Nummer eins. Es ist aber auch nicht unmöglich", sagt der mit 21 Saisonsiegen erfolgreichste Radprofi des Jahres.

Auf Greipel kommt im Falle einer Sprintentscheidung womöglich das pikante Duell mit seinem unbeliebten Teamkollegen Mark Cavendish (Großbritannien) zu.

Evans freut sich auf Heimspiel

Vom Profil her ist der Kurs in Geelong, das rund 70 Kilometer von Melbourne entfernt liegt, flacher als die Strecken bei den letzten beiden Titelkämpfen in Varese und Mendrisio.

Eine ein Kilometer lange Steigung auf dem 15,8-km-Rundkurs hat es aber durchaus in sich, sodass sich die Klassikerspezialisten etwas ausrechnen dürfen.

Allen voran der dreimalige Weltmeister Oscar Freire aus Spanien, der Italiener Filippo Pozzato, der Norweger Thor Hushovd, Amstel-Gewinner Philippe Gilbert aus Belgien und auch Cancellara werden hoch eingeschätzt.

Nicht zu vergessen ist Titelverteidiger Cadel Evans, der bei seinem Heimspiel hochmotiviert ist.Gäbe es eine Ausreißergruppe, wäre von der deutschen Mannschaft insbesondere Fabian Wegmann gefragt.

Frauen setzen auf Arndt

2008 in Stuttgart hatte Stefan Schumacher mit Bronze die letzte deutsche Medaille im Männerstraßenrennen geholt, der letzte Sieg liegt schon 44 Jahre zurück. Rudi Altig gewann 1966 auf dem Nürburgring.

Da waren die Frauen in der Vergangenheit durchaus erfolgreicher. Zwei WM-Titel in den vergangenen sechs Weltmeisterschaften sprangen heraus. Einen davon holte Judith Arndt, die auch diesmal im BDR-Aufgebot steht und zu den Mitfavoritinnen gehört.

Hinzu kommen in Ina-Yoko Teutenberg, Charlotte Becker und Trixi Worrack weitere Top-Fahrerinnen mit Ambitionen. Worrack gewann am Wochenende auch gleich die Generalprobe in Buninyong.

Bei den U 23-Männern übernimmt der zukünftige Columbia-Profi John Degenkolb aus Gera die Kapitänsrolle.

WM erstmals Down Under

Mit der WM in Australien betritt die UCI Neuland. Noch nie hatte in Down Under eine WM stattgefunden. Ohnehin werden die seit 1927 veranstalteten Titelkämpfe erst zum sechsten Mal außerhalb Europas ausgetragen, was sich aber im Zuge der Expansionsgedanken der UCI zukünftig ändern soll.

In Australien kommt es zugleich zu einer weiteren WM-Premiere. Die Rennen werden ohne Funk ausgetragen. Eine ähnliche Aktion hatte es bereits letztes Jahr bei der Tour de France gegeben, was zu heftigen Protesten von Teams und Fahrer geführt hatte.

Los geht es aber zunächst am Mittwoch und Donnerstag mit den Einzelzeitfahren.

Das BDR-Aufgebot im Überblick:

Männer: Bert Grabsch (Wittenberg), Andre Greipel (Hürth/beide Columbia), Danilo Hondo (Guben/Lampre), Dominic Klemme (Bielefeld), Christian Knees (Euskirchen/Milram), Paul Martens (Rostock/Rabobank), Tony Martin (Cottbus), Marcel Sieberg (Hürth/beide Columbia), Fabian Wegmann (Freiburg/Milram).

Frauen: Judith Arndt (Leipzig), Luise Keller (Cottbus), Ina-Yoko Teutenberg (Mettmann), Charlotte Becker (Waltrop), Sarah Düster (Niederwangen/Feld), Trixi Worrack (Dissen).

U23-Männer: John Degenkolb (Gera), David Hesselbarth (Altötting), Marcel Kittel (Arnstadt), Michel Koch (Wuppertal), Maximilian May (Arnstadt), Philipp Ries (Ettenheim)

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel