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Radprofi Tony Martin steht seit 2008 beim Team HTC-Columbia unter Vertrag © getty

Der Cottbuser will im Einzelzeitfahren Weltmeister Cancellara entthronen. In der Vorbereitung schöpft er alle Mittel aus.

Geelong/Australien - Erst nach einer 36-stündigen Odyssee hatte er australischen Boden unter den Füßen, doch inzwischen ist bei Tony Martin der Ärger längst der Faszination gewichen.

Hotelzimmer mit Meerblick, dazu Trainingsfahrten auf der Great Ocean Road, eine der legendärsten Küstenstraßen der Welt - selten hat die deutsche Medaillenhoffnung die Vorbereitung auf ein WM-Rennen derart genossen.

"Das ist ein tolles Naturereignis. Man fährt kilometerweit am Meer und den Klippen entlang, einfach superschön", schwärmt Martin.

Am Donnerstag will der 25-Jährige bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Geelong im Einzelzeitfahren Titelverteidiger und Olympiasieger Fabian Cancellara aus der Schweiz vom Thron stoßen.

Optimale Vorbereitung

Offiziell spricht Martin nur von einer Medaille als Ziel, doch in den letzten Wochen hat Martin keine Kosten und Mühen gescheut, um optimal in das Rennen gehen zu können.

Spezialtraining in den Bergen, Windkanaltests in Silverstone und die frühestmögliche Anreise nach Australien.

"Ich habe die Möglichkeit genutzt, mich um ein paar Prozent zu verbessern. Ich bin optimistisch", ergänzt der gebürtige Cottbuser.

Turbulente Anreise

Dabei hätte der erste Australien-Trip für Martin nicht schlechter beginnen können. Der Abflug am Frankfurter Flughafen verzögerte sich zunächst um 90 Minuten, da einige Passagiere nicht eingecheckt hatten.

Als das Flugzeug losrollen wollte, verlor ein Reservetank Benzin, was weitere zweieinhalb Stunden Pause im Flieger bedeutete - und das alles in der Economy Class.

In Singapur verpassten Martin und Kollegen dann auch noch den Anschlussflug und mussten dort eine Nacht verbringen.

Tiefpunkt Tour

Trotzdem sieht sich Martin gerüstet. Gerade im Zeitfahren hat sich der deutsche Meister stark verbessert.

So hatte er bei der ansonsten enttäuschend verlaufenen Tour de France im Kampf gegen die Uhr zweimal nur ganz knapp gegen Cancellara den Kürzeren gezogen.

"Die Tour ist nicht so gelaufen, weil ich Fehler in der Vorbereitung gemacht. Aber ansonsten war die Saison ganz erfolgreich", sagt Martin und verweist auf den Gesamtsieg der ENECO-Tour oder den Etappensiegen bei der Tour de Suisse und der Kalifornien-Rundfahrt.

WM-Titel als Krönung

Das i-Tüpfelchen wäre aber der WM-Titel. Bereits im vergangenen Jahr hatte er als Dritter erstmals auf dem Podium gestanden.

"Ich bin routinierter und mental stärker geworden. Bei der ersten WM steht man noch zittrig am Start. Das ist jetzt anders", sagt Martin.

Als zweiter deutscher Fahrer geht Bert Grabsch, immerhin Weltmeister von 2008 an den Start. Eine Medaille wäre für den Columbia-Profi aber diesmal wohl eine Überraschung.

Strecke "nicht optimal"

Ein Selbstläufer sei der Kurs aber nicht.

"Die Strecke ist für mich nicht optimal. Die Berge sind schon steil. Das kann einen aus dem Rhythmus bringen", erklärt der Youngster, der deshalb davor warnt, dass auch der ein oder andere Fahrer für eine Überraschung sorgte.

Für das Duell mit Cancellara mache dies aber keinen Unterschied. Dafür seien beide zu ähnlich.

Edelhelfet für Greipel

Sollte es mit einer Medaille oder gar dem Sieg am Donnerstag nicht klappen, bliebe Martin noch das Straßenrennen am Sonntag.

"Im Vordergrund steht da Andre Greipel. Ich werde alles für ihn geben. Aber ich bin schon häufig als Helfer ins Rennen gegangen und war dann Kapitän", ergänzt Martin.

So wie bei der Tour 2009, als sein Stern im Columbia-Team aufgegangen war. Über eine Woche hatte er das Weiße Trikot getragen und am vorletzten Tag auch noch als Zweiter den Mont Ventoux erstürmt.

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