Das Beispiel Contador macht deutlich: Doping im Radsport ist allen Beteuerungen zum Trotz nicht Vergangenheit sondern Gegenwart.

"Dopingfälle sind Vergangenheit."

Von wem stammt dieser Satz?

Der Satz ist vom dreimaligen Tour-de-France-Gewinner Alberto Contador. So wurde der spanische Radprofi in einem Interview zitiert - nur einen Tag, bevor er durch positive A- und B-Probe des Dopings mit einem Asthma- und Kälbermastmittel überführt wurde.

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Nun werden unverbesserliche Gutgläubige sagen: Wer so spricht, der hat nicht gedopt.

Der Rest - nach den zahllosen Dopingfällen der Sportart in den vergangenen Jahren längst die erdrückende Mehrheit - wird Contadors Aussage wohl eher als Beleg für den Zynismus des verseuchten Sports sehen.

Reden und Handeln, das bleiben im Profi-(Rad-)Sport immer noch zwei Paar Stiefel.

Natürlich bleibt auch im Dopingfall Contadors die Rest-Wahrscheinlichkeit, dass sich der Profi aus Madrid die Substanz tatsächlich in verseuchtem Fleisch eingefangen hat - dasselbe behauptet interessanterweise ja auch Tischtennis-Profi Dimitrij Ovtcharov.

Doch wer mag das wirklich glauben? Dagegen sprechen die ohnehin schwer lädierte Glaubwürdigkeit des Protagonisten eines zutiefst unglaubwürdigen Sports. Als A.C. tauchte Contador einst mutmaßlich in der Dopingliste des spanischen Blutmischers Eufemiano Fuentes auf.

Auch die Sprintduelle bergauf bei seinem ersten Toursieg gegen den später gesperrten Dänen Michael Rasmussen riefen seinerzeit mehr Skepsis denn Begeisterung hervor.

Am Ende bleibt der Eindruck: In dem Interview hat Contador die Öffentlichkeit dreist angelogen. Doping im Radsport ist allen Beteuerungen zum Trotz nicht die Vergangenheit, es ist präsent wie eh und je.

Und die Sportart und ihre Stars - auch das steht fest - haben aus der Vergangenheit nichts gelernt.

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