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Tony Martin wechselte 2008 zum Team Highroad, nun Columbia © getty

Tony Martin muss beim WM-Zeitfahren in Australien nach einem Defekt nicht nur dem überragenden Cancellara den Vortritt lassen.

Geelong - Trotz eines technischen Defekts hat sich Tony Martin mit einer Energieleistung noch zur Bronzemedaille gekämpft, den Rekordsieg des Schweizer Weltmeisters Fabian Cancellara konnte er aber nicht mehr verhindern.

Ein Plattfuß bei Kilometer 18 kostete Martin im Einzelzeitfahren der Straßenrad-Weltmeisterschaften im australischen Geelong wertvolle Sekunden und wohl auch die sichere Silbermedaille, die schließlich der Brite David Millar holte.

Der vierte WM-Titel von Cancellara, der damit Radsport-Geschichte schrieb, war aber so oder so zu keiner Zeit in Gefahr.

"Ich dachte, alles ist aus. Nach einem Platten ist es schwer, die Motivation hochzuhalten, vor allem wenn man um den Sieg mitfahren wollte", sagte Martin, der unter diesen Umständen mit dem dritten Platz als Trostpreis zufrieden war: "Am Ende freue ich mich über die Medaille. Nächstes Jahr ist ein neuer Versuch."

Bereits im vergangenen Jahr hatte er den dritten Platz belegt.

Cancellara weit vorn

Lediglich zehn Sekunden lag Martin nach 45,6 km im Ziel hinter Millar, der Abstand zu Cancellara betrug aber beachtliche 1:12 Minuten. Auch ohne Defekt hätte er den Paris-Roubaix-Gewinner damit kaum entthronen können.

So fuhr Cancellara mit einem Lächeln im Gesicht und vier erhobenen Fingern über den Zielstrich. "Ich wollte hier Geschichte schreiben. Jetzt ist die Saison perfekt gelaufen", sagte der Olympiasieger, der nun mit vier Erfolgen alleiniger Rekordhalter ist. Bislang hatte er sich diese Ehre mit dem Australier Michael Rogers teilen müssen.

Kein Funk: Martin fischt im Trüben

Nach der zweiten Zwischenzeit bei km 14,7 hatte Martin noch gut zehn Sekunden hinter Cancellara gelegen, ehe das Malheur passierte.

"Ich wusste nicht, ob ich noch um das Podium oder Platz zehn kämpfe. Ich bin dann nur noch mein eigenes Rennen gefahren", sagte der Deutsche Meister und beklagte den fehlenden Funkverkehr, der bei der WM nicht erlaubt ist.

Drei Rennen, drei Medaillen

So stand für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) unter dem Strich die dritte Medaille im dritten Rennen zu Buche.

Zuvor hatten Judith Arndt Silber im Einzelzeitfahren der Frauen und Marcel Kittel Bronze bei den U23-Männern geholt.

Damit wurde die Ausbeute vom Vorjahr mit zweimal Bronze bereits zur Halbzeit übertroffen. Der frühere Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch (Wittenberg) war dagegen 3:06 Minuten zurück als Elfter chancenlos.

Cancellara noch nicht satt

Dass Cancellara nach eigener Aussage nicht bei 100 Prozent war, dürfte seine Rivalen umso mehr deprimieren.

So sei der vierte WM-Titel der härteste gewesen, berichtete der Ausnahmefahrer, der nun am Sonntag einen neuen Anlauf unternehmen will, Doppel-Weltmeister zu werden.

"Ich habe aber nach diesem Rennen keinen großen Druck mehr. Den WM-Titel kann mir keiner mehr nehmen. Das genieße ich jetzt", sagte Cancellara, der bereits bei der Tour de France im Zeitfahren zweimal die Oberhand behalten hatte.

Degenkolb als Mitfavorit

Der deutschen Mannschaft bietet sich am Freitag die nächste Chance auf Edelmetall, wenn John Degenkolb als Mitfavorit in das U-23-Straßenrennen geht.

Am Samstag und Sonntag stehen dann die Rennen der Männer und Frauen auf dem Programm.

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