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Alberto Contador gewann 2007, 2009 und 2010 die Tour de France © getty

Unter Dopingverdacht stand Alberto Contador schon lange. Jetzt könnte der Toursieger über eine Winzigkeit ins Stolpern geraten.

Geelong/Madrid - In der Kundenliste des Dopingarztes Eufemiano Fuentes sind seine Initialen AC einst wie von Geisterhand gelöscht worden, nun droht Alberto Contador wegen der Winzigkeit von 50 Pikogramm Clenbuterol doch noch als Betrüger überführt zu werden. (Doping! Contador gesperrt)

Schon seit Jahren ist der Verdacht treuer Begleiter des Spaniers. Mit Leistungen, die laut wissenschaftlicher Analysen im unmenschlichen Bereich liegen, hat der kleine Madrilene 2007, 2009 und 2010 die Tour de France gewonnen. Auf die Schliche gekommen ist dem Kletterkönig, dem keine Rampe zu steil, kein Berg zu hoch ist, bislang keiner. (Kommentar: Doping ist Gegenwart)

Genauer gesagt, bis zum 21. Juli. Das WADA-Labor in Köln stellte bei einer Dopingkontrolle Contadors vom zweiten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt in Pau einen kaum messbaren Wert des Kälbermastmittels fest. Ein Mittel, das auch schon in verunreinigten Lebensmitteln festgestellt worden ist. Ein Mittel, dass aber auch eine anabole Wirkung haben und die Gewichtsreduzierung fördern kann.

Einstudierte Phrasen

Fragen zum Thema Doping hatte Contador immer mit einstudierten Phrasen zurückgewiesen und dabei ein Lächeln aufgesetzt, mit dem er die Hauptrolle im Film "Catch me if you can" hätte spielen können. Seit Mittwoch ist dem Spanier das Lachen gründlich vergangen.

So wie seinen Rivalen in den Alpen und Pyrenäen regelmäßig das Lachen vergeht. 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle).

Unerreichter Wert

Bei der Tour 2009 ermittelte der anerkannte Leistungsdiagnostiker Prof. Antoine Vayer, dass Contador für die Leistung bei seinem Etappensieg im Schweizer Skiort Verbier einen VO2max-Wert (misst die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes) von 99,5 Milliliter pro Minute pro Kilogramm gehabt haben musste.

Ein Wert, der noch bei keinem Menschen ermittelt worden ist. Und 2007 flog der Spanier den Schlussanstieg zum Plateau de Beille in 44:08 Minuten hinauf - mehr als eine Minute schneller als die Referenzzeiten des siebenmaligen Toursiegers Lance Armstrong aus den Jahren 2002 (45:43) und 2004 (45:30).

"Größter Schwindel der Sportgeschichte"

Kein Wunder, dass der Verdacht der unerlaubten Leistungssteigerung da naheliegt. In Spanien will das freilich keiner hören, genauso wie die spanische Justiz kein Interesse daran hat, die Operacion Puerto aufzuklären. Namen von Sportlern seien strafrechtlich nicht relevant, nach Ende des Verfahrens sei es wahrscheinlich, dass die Blutbeutel vernichtet werden, hieß es jüngst.

Eine mögliche Verbindung Contadors zu Fuentes könnte so endgültig nicht mehr rekonstruiert werden.

Chefankläger Werner Franke ist da offenbar schlauer. Nach Contadors Toursieg 2007 hatte er vom "größten Schwindel der Sportgeschichte" gesprochen. Er sei im Besitz eines Protokolls von der Hausdurchsuchung beim Madrider Arzt Eufemiano Fuentes, hatte der Molekularbiologe damals schon behauptet. Wie Franke ausführte, habe Contador nach den Ermittlungen der Polizei Insulinpräparate genommen, dazu HMG Lepori zum Erhöhen der körpereigenen Testosteronsynthese sowie das Asthmamittel Trigon.

Keine Antworten

Auf solche Fragen verweigert Contador freilich Antworten.

Und in seiner Heimat bekommt er sie ohnehin nicht gestellt. Dort bewundern sie den Jungen aus Pinto, einem Vorort von Madrid, bei dem nach einem schweren Sturz bei der Asturien-Rundfahrt 2004 eine lebensgefährliche Gefäßerweiterung im Gehirn festgestellt worden war. Das Ende der Karriere drohte, doch er kämpfte sich zurück und saß sechs Monate nach der Operation wieder auf dem Rad.

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