vergrößernverkleinern
Andre Greipel wurde von Columbia nicht für die Tour de France 2010 nominiert © getty

Der Serienmeister soll bei der WM in Australien die deutsche Durststrecke beenden. Auf Cavendish ist er nicht gut zu sprechen.

Geelong - Er ist der Australien-Experte im Team, er ist der erfolgreichste Radprofi der Saison und am Sonntag soll er nach 44 Jahren als erster Deutscher wieder ins Regenbogentrikot fahren.

Seriensieger Andre Greipel ist der große deutsche Hoffnungsträger im Straßenrennen der Rad-WM im australischen Geelong.

"Wir haben Fahrer für alle Situationen am Start und werden ein großes Wort bei der Medaillenvergabe mitreden", sagt Greipel.

Der gebürtige Rostocker hofft natürlich auf eine Sprintankunft auf der ansteigenden Moorabool Street. "Tempohärte und Bergfestigkeit" seien auf dem 259,9 km langen und laut Greipel "sehr selektiven Kurs" gefragt. Daran habe er in den letzten Wochen gearbeitet.

Duell mit Cavendish?

Sollte es tatsächlich zum Duell der schnellen Männer kommen, könnte es sogar zum pikanten Aufeinandertreffen mit seinem ungeliebten Teamkollegen Mark Cavendish kommen.

"Das spielt für mich keine Rolle", sagt Greipel. Über den Briten will er sich nicht mehr groß äußern, nachdem es im Frühjahr im Zuge der Nichtberücksichtigung von Greipel bei Mailand-San Remo heftig zwischen den Beiden geknallt hatte.

Greipel könne nur "beschissene kleine Rennen" gewinnen, hatte Großmaul Cavendish damals getönt, bei der Tour aber durchaus mit fünf Etappensiegen Taten folgen lassen.

"Gewisse Verbundenheit"

Sollte der in dieser Saison 21-mal erfolgreiche Greipel der Erfolg gelingen, wäre er der erste deutsche Straßenweltmeister seit Rudi Altig, der 1966 auf dem Nürburgring gewann.

Ein Sieg in Australien würde jedenfalls gut ins Bild passen, schließlich holte der 28-Jährige bei der Tour Down Under schon reihenweise Erfolge und streitet eine "gewisse Verbundenheit" zum 5. Kontinent auch gar nicht ab.

Bettini glaubt nicht an Massensprint

Geht es nach dem italienischen Nationaltrainer Paolo Bettini, der 2006 und 2007 selbst Weltmeister war, können sich die Sprinter ein Massensprint-Szenario abschmicken.

Eine kleine Gruppe mit Klassikerspezialisten werde ankommen, so der Italiener, der die Nachfolge des im Frühjahr bei einem Rallye-Unfall tödlich verunglückten Franco Ballerini angetreten hatte.

Dem würde die italienische Mannschaft gerne den Sieg widmen, einer der selbsternannten Favoriten ist dabei Filippo Pozzato.

Übliche Favoriten

Ansonsten umfasst die Liste der Titelkandidaten die üblichen Verdächtigten: Der dreimalige Champion Oscar Freire (Spanien), Titelverteidiger Cadel Evans (Australien), Amstel-Sieger Philippe Gilbert (Belgien), Thor Hushovd (Norwegen) und natürlich Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara (Schweiz). Der Eidgenosse unternimmt einen neuen Anlauf, Doppel-Weltmeister zu werden.

Aus deutscher Sicht käme im Falle von möglichen Ausreißergruppen der Zeitfahr-Dritte Tony Martin oder Fabian Wegmann in Betracht.

"Andre ist unser Kapitän. Ich bin bereit, alles für ihn zu geben", sagt Youngster Martin. Es sei aber auch schon oft vorgekommen, dass er als Helfer ins Rennen gegangen sei und plötzlich Kapitän war.

Fehlender Funkverkehr

Eine entscheidende Rolle kann neben dem Wind - auf den ersten 80 Kilometer von Melbourne bis zum Rundkurs in Geelong ist mit Seitenwind zu rechnen - auch der fehlende Funkverkehr spielen.

So dürfte das Rennen für die Mannschaften weniger überschaubar sein. Wortführer Cancellara übt daher große Kritik an der UCI:

"Wir leben nicht in den 60er Jahren. Das hat auch Sicherheitsgründe. Gerade bei der Vuelta hat man bei den vielen Gefahren gesehen, wie wichtig der Funk ist."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel