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Alberto Contador steht für 2011 bei Saxo Bank-Sungard unter Vertrag © getty

Sportrechtler Fröhlich hält für möglich, dass das Urteil auch dem Tour-Sieger helfen kann - glaubt aber eher an eine Sperre.

Berlin - Der Sportrechtler Siegfried Fröhlich erwartet im Dopingfall Alberto Contador eine längere Sperre als die vom Radsport-Weltverband UCI angedachten drei Monate - hält aber auch einen Freispruch für möglich.

"Ganz gleich, was UCI und der spanische Verband beschließen: Die WADA wird die Sache vor den CAS bringen, und dort dürfte es auf eine Sperre nicht unter einem Jahr hinauslaufen", sagte der Jurist im Gespräch mit "Radsport News".

Es dürfte entscheidend sein, inwieweit man ein Verschulden Contadors einschränke - zum Beispiel durch kontaminiertes Fleisch.

Der dreimalige Toursieger hatte den Verzehr von verseuchtem Fleisch als Erklärung für seine positiven Proben auf das auch illegal in der Kälbermast verwendete Mittel Clenbuterol angeführt.

"Dann hat er wohl Glück gehabt"

Mehrere Experten, darunter die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), hatten Contadors Theorie aber als unwahrscheinlich bezeichnet.

Fröhlich sieht in dem Freispruch für Dimitrij Ovtcharov - der Tischtennisspieler wurde auf dasselbe Mittel positiv getestet - allerdings eine Chance für Contador.

"Dass sich ein Tischtennisspieler erfolgreich auf verunreinigtes Fleisch aus China berufen konnte", könne dem Spanier zugute kommen.

Nach Fröhlichs Ansicht sollten alle eingefrorenen Proben von Teamkollegen des Spaniers noch einmal intensiv auf Clenbuterol untersucht werden.

"Und wenn seine Kollegen nicht kontrolliert wurden oder die Proben verloren gingen, dann hat er wohl Glück gehabt - denn so wurde ihm die Möglichkeit des Beweises der Unschuld genommen", sagte Fröhlich.

Mehr Indizien als bei Ovtcharov

Ovtcharov war am vergangenen Freitag vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) freigesprochen worden, da eine negative Haarprobe sowie geringe Clenbuterol-Funde bei vier weiteren Spielern die Fleisch-Theorie stützten. 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle)

Bei Contadors Proben gibt es allerdings auch Hinweise auf eine Bluttransfusion.

Contador lehnt UCI-Angebot ab

Das Kölner Anti-Dopinglabor fand offenbar Spuren von Weichmachern, die etwa Blutbeutel geschmeidig halten sollen. Allerdings ist das Nachweisverfahren für Weichmacher noch nicht von der WADA anerkannt.

Ursprünglich hatte die UCI Contador einen Deal angeboten. Der Spanier sollte eine Sperre von drei Monaten akzeptieren, die in der wettkampffreien Zeit im Winter abgesessen werden sollte.

Contador lehnte das Angebot mit dem Hinweis ab, er habe nicht gedopt und werde somit auch keine Sperre akzeptieren.

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