vergrößernverkleinern
Der Col du Galibier wurde in der Geschichte der Tour bislang 31mal überquert © imago

Die Frankreich-Rundfahrt hat es auch 2011 in sich. Gleich zweimal geht es über den Galibier. Die Kletterer scheinen im Vorteil.

Paris - Der Ehrenplatz in der ersten Reihe des Palais des Congres blieb leer, und trotzdem drehte sich bei der feierlichen Präsentation der Tour de France 2011 alles um Alberto Contador.

Im Schatten des großen Doping-Skandals um den dreimaligen Tour-Champion hob sich in Paris der Vorhang für die 98. Frankreich-Rundfahrt.

Eine Strecke, die ganz auf einen Zweikampf zwischen den beiden großen Rivalen Contador und Andy Schleck ausgerichtet ist. Ob es zu diesem Duell überhaupt kommen wird, müssen wieder einmal die Sportgerichte entscheiden.

Prudhomme ungeduldig

"Wir warten auf die Entscheidung des Radsport-Weltverbandes und der Welt-Anti-Doping-Agentur. Wir hoffen, dass wir nicht zu lange warten müssen", mahnte Tourchef Christian Prudhomme.

Offiziell wollte er sich kein Urteil über die mögliche Schuld Contadors, bei dem in einer Dopingprobe am zweiten Ruhetag der Tour geringe Spuren von Clenbuterol gefunden worden waren, bilden:

"Verdächtig heißt nicht schuldig. Es wäre unverantwortlich, die Entscheidung der UCI und WADA nicht abzuwarten."

Ein schnelles Ende der Affäre wünscht sich auch der Tour-Zweite Schleck: "Ich hoffe, dass es in den nächsten Wochen eine Entscheidung gibt - für den Radsport, für ihn, für uns."

McQuaid warnt

Das könnte noch dauern. "Ich weiß nicht, wie lange. Das ist ein komplizierter Prozess", erklärte UCI-Präsident Pat McQuaid.

Er ergänzte: "Im Sinne der Fairness gegenüber allen, Contador, der Tour und dem Radsport insgesamt, müssen wir ins Detail gehen. Wie auch immer die Entscheidung aussehen mag, es muss die richtige sein. "

Prudhomme sieht Fortschritte

So strahlte beim Rückblick auf die Tour 2010 der Spanier, der auf eine persönliche Anwesenheit in Paris verzichtet hatte, auf der Leinwand im Gelben Trikot.

Auf eine Modifizierung des Films wie vor vier Jahren beim Dopingfall Floyd Landis wurde bewusst verzichtet. (DATENCENTER: DieTour 2010)

Prudhomme war darum bemüht, das Thema Contador kleinzuhalten, und lobte stattdessen die Fortschritte im Anti-Doping-Kampf. Der Radsport habe Pionierarbeit geleistet und mache mehr als jede andere Sportart.

Auch Petacchi fehlt

Der Radsport hat aber auch die meisten Dopingfälle vorzuweisen.

Und weil dies so ist, fehlte neben Contador auch gleich der Mann in Grün.

Sprinterkönig Alessandro Petacchi schwänzte ebenfalls die Veranstaltung, der Italiener sieht sich derzeit in seiner Heimat einmal mehr Dopingvorwürfen ausgesetzt.

Kletterspezialisten im Vorteil

So stand Andy Schleck ein wenig verloren auf der großen Bühne neben dem Entwurf der Route 2011.

Die dürfte dem Luxemburger gefallen haben.

Vier Bergankünfte und nur zwei kurze Zeitfahren, eins davon ein Mannschaftszeitfahren, kommen dem Kletterspezialisten wie auch Contador entgegen.

Zweimal über den Galibier

Der Showdown findet auf dem Col du Galibier statt.

Der 2645 m hohe Alpenriese, der vor 100 Jahren erstmals im Tour-Programm stand, muss gleich zweimal gemeistert werden. Am 21. Juli findet erstmals in der Tour-Geschichte eine Bergankunft auf dem Galibier statt, einen Tag später geht es auf dem Weg nach Alpe d'Huez nochmal über den Anstieg der höchsten Kategorie.

Am Galibier verlor Jan Ullrich 1998 die Tour, als er sich nach einem "Hungerast" einen Rückstand von mehreren Minuten einhandelte. 274254(DIASHOW: Jan Ullrichs Karriere)

Gefährliche erste Etappe

Gestartet wird die Tour auf der Atlantikinsel Ile de Noirmoutier, und der Auftakt hat es gleich in sich.

Anstelle eines Prologs steht eine Etappe über 191 km zum Mont des Alouettes auf dem Programm. Dabei werden die Fahrer direkt nach dem Start auf die Probe gestellt, wenn es über die 4,5 km lange Passage du Gois geht.

Weiterer tragischer Ort für Ullrich

Auf dem Kopfsteinpflaster-Abschnitt, der Noirmoutier mit dem Festland verbindet und zweimal am Tag vom Meer überflutet wird, droht eine Rutschpartie wie 1999, als es einen Massensturz gab und der spätere Gesamtzweite Alex Zülle gut sechs Minuten verlor.

Auch an Noirmoutier hat Ullrich keine guten Erinnerungen. Beim Auftaktzeitfahren 2005 wurde er von Lance Armstrong sogar eingeholt und musste seine Hoffnungen auf den Toursieg fast schon begraben.

Zeitfahren in Grenoble

Auf der zweiten Etappe folgt bereits das Mannschaftszeitfahren über 23 km rund um Les Essarts.

Anschließend geht es auf dem 3471 km langen Weg nach Paris entgegen dem Uhrzeigersinn zunächst in die Pyrenäen.

Dort warten in Luz-Ardiden und auf dem Plateau de Beille die ersten beiden Bergankünfte, bevor in den Alpen und spätestens am vorletzten Tag beim Zeitfahren in Grenoble die Entscheidung fällt.

Krakau will die Tour

Unterdessen wurde bekannt, dass sich die polnische Stadt Krakau um die Ausrichtung des Starts der Tour 2012 beworben hat.

Krakau erwartet im Kampf um den Zuschlag große Konkurrenz.

Als Favorit gilt Lüttich, außerdem haben sich Barcelona, Salzburg, die Region Tirol, das Emirat Katar und weitere ausländische Städte um die Ausrichtung des Grand Depart 2012 beworben.

Der Etappenplan 2011:

1. Etappe (Samstag, 2. Juli): Passage du Gois - Mont des Alouettes (191 km)

2. Etappe (Sonntag, 3. Juli): Mannschaftszeitfahren in Les Essarts (23 km)

3. Etappe (Montag, 4. Juli): Olonne-sur-Mer - Redon (198 km)

4. Etappe (Dienstag, 5. Juli): Lorient - Mur-de-Bretagne (172 km)

5. Etappe (Mittwoch, 6. Juli): Carhaix - Cap Frehel (158 km)

6. Etappe (Donnerstag, 7. Juli): Dinan - Lisieux (226 km)

7. Etappe (Freitag, 8. Juli): Le Mans - Chateauroux (215 km)

8. Etappe (Samstag, 9. Juli): Aigurande - Super-Besse Sancy (190 km)

9. Etappe (Sonntag, 10. Juli): Issoire - Saint Flour (208 km)

Ruhetag (Montag, 11. Juli): in Le Lioran Cantal

10. Etappe (Dienstag, 12. Juli): Aurillac - Carmaux (161 km)

11. Etappe (Mittwoch, 13. Juli): Blaye-les-Mines - Lavaur (168 km)

12. Etappe (Donnerstag, 14. Juli): Cugnaux - Luz Ardiden (209 km)

13. Etappe (Freitag, 15. Juli): Pau - Lourdes (156 km)

14. Etappe (Samstag, 16. Juli): Saint-Gaudens - Plateau-de-Beille (168 km)

15. Etappe (Sonntag, 17. Juli): Limoux - Montpellier (187 km)

Ruhetag (Montag, 18. Juli) im Departement de la Drome

16. Etappe (Dienstag, 19. Juli): Saint-Paul-Trois-Chateaux - Gap (163 km)

17. Etappe (Mittwoch, 20. Juli): Gap - Pinerolo/Italien (179 km)

18. Etappe (Donnerstag, 21. Juli): Pinerolo/Italien - Galibier/Serre Chevalier (189 km)

19. Etappe (Freitag, 22. Juli): Modane - Alpe d'Huez (109 km)

20. Etappe (Samstag, 23. Juli): Einzelzeitfahren in Grenoble (41 km)

21. Etappe (Sonntag, 24. Juli): Creteil - Paris Champs-Elysees (160 km)

Gesamtlänge: 3471 km

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel