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Floyd Landis fuhr von 2002 bis 2005 mit Lance Armstrong bei US-Postal © getty

Der geständige Doping-Sünder wird erneut von seiner Vergangenheit eingeholt. Sein Manager findet die Angelegenheit "lächerlich".

München/Wellington - Floyd Landis hat die Liebe zum Radsport wiederentdeckt, doch die Sünden der Vergangenheit holen den geständigen Dopingsünder wieder ein.

Der Amerikaner hatte im fernen Neuseeland gerade wieder Gefallen an seinem alten Job gefunden, als aus Frankreich Meldungen über einen bevorstehenden Prozess im Zuge der "Hacker-Affäre" die harmonische Atmosphäre bei der Tour of Southland trübten.

Dem 35 Jahre alten Radprofi, dem der Toursieg 2006 wegen Testosteron-Dopings aberkannt worden war, und seinem Trainer Arnie Baker wird vorgeworfen, sich illegal Zugriff zum Computer des französischen Anti-Doping-Labors in Chatenay-Malabry verschafft zu haben.

Ein genauer Gerichtstermin wurde noch nicht anberaumt. 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle)

Erneuter Prozess droht

Bereits im Januar dieses Jahres war ein internationaler Haftbefehl gegen Landis ausgestellt, aber nicht vollstreckt worden. Neben Landis und Baker soll sechs weiteren Personen der Prozess gemacht werden.

Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD hatte einst Strafanzeige gestellt, weil interne Dokumente des Labors im Zuge des Doping-Prozesses gegen Landis an die Öffentlichkeit gelangt und zur Verteidigung des Amerikaners genutzt worden waren.

Landis hatte nach der Aberkennung seines Toursieges einen millionenschweren Justizmarathon angestrengt, um seine Unschuld zu beweisen - allerdings ohne Erfolg.

Novitzky wieder im Einsatz

Im Mai dieses Jahres legte er schließlich doch ein umfangreiches Doping-Geständnis ab und belastete zugleich Lance Armstrong und weitere Mitglieder des früheren US-Postal-Teams schwer.

Dieses Falles hat sich gar US-Cheffahnder Jeff Novitzky angenommen. Landis hatte behauptet, dass es einst bei US-Postal ein perfekt durchorganisiertes Dopingsystem gegeben habe.

Der Zwei-Meter-Mann, der einst Marion Jones hinter Gitter brachte, arbeitet mit größter Akribie an der Aufdeckung des möglichen Dopinggeflechts im System Armstrong.

Popowitsch muss aussagen

Am Mittwoch musste Armstrongs Teamkollege Jaroslaw Popowitsch vor der Grand Jury in Los Angeles aussagen. Dass der Ukrainer überhaupt vorgeladen wurde, überrascht ein wenig.

Schließlich war Popowitsch erst 2005 zum damaligen US-Postal-Nachfolgerennstall Discovery Channel gestoßen. 2009 und 2010 fuhr er an Armstrongs Seite bei den Teams Astana und RadioShack.

Vor Popowitsch waren unter anderem schon Armstrongs frühere Helfer Tyler Hamilton und Kevin Livingston, Physiologe Allen Lim und der dreimalige Toursieger Greg LeMond, ein erklärter Gegner des Texaners, vorgeladen worden.

Die Aussagen fanden allesamt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Landis kann ruhig schlafen

Landis, der Mann, der all die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte, zeigt sich derweil in Neuseeland, wo er derzeit auf dem vierten Gesamtrang ganz passabel in die Pedale tritt, mit sich und der Welt im Reinen.

"Es ist eine Freude, mit jungen Kerlen zusammenzusein, die Träume und große Ziele haben und morgens vor dem Start noch aufgeregt sind. Das habe ich lange nicht mehr erlebt. Das ist gut für mich und meinen Kopf", sagt Landis, der als Gastfahrer für das Orca-Velo-Merino-Team unterwegs ist.

Nach dem ganzen Chaos der letzten Wochen und Monate seien so viele Dinge verloren gegangen, doch seit seinem Geständnis fühle er sich wie von einer Last befreit.

"Nun kann ich nachts schlafen, das ist gut", so der frühere Phonak-Kapitän.

"Lächerliche Anschuldigungen"

Die unangenehmen Nachrichten aus Frankreich würden daran auch nichts ändern, sagt Landis' Teammanager Wayne Hudson, der die Angelegenheit als "lächerlich" bezeichnet. "Die Anschuldigungen haben keine Substanz. Das Gericht will den Fall nur am Leben halten. Der Haftbefehl wurde nie vollstreckt, also ist er verfallen", meint Hudson.

Die französische Staatsanwaltschaft hatte zunächst die Einstellung des Falles wegen mangelnder Beweise angeordnet.

Das Tribunal Correctionnel in Nanterre, eine Strafkammer für besonders schwere Ordnungswidrigkeiten, hat diese Entscheidung allerdings überstimmt.

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