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Alberto Contador begann seine Profikarriere 2003 beim spanischen Team ONCE. © getty

Seine Dopingprobe wird dem Tour-Sieger zum Verhängnis. Die UCI fordert ein Verfahren. Nun ist der spanische Verband am Zug.

München/Nyon - Toursieger Alberto Contador droht der Sturz vom Radsport-Thron.

Der Weltverband UCI schenkt der Verteidigungsstrategie des Spaniers im Zuge der positiven Dopingprobe während der Tour de France offenbar keinen Glauben und fordert die Einleitung eines Disziplinarverfahrens.

Damit drohen Contador eine zweijährige Sperre und die Aberkennung des Toursieges. 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle)

Der 27-Jährige war am zweiten Ruhetag der Tour (21. Juli) positiv auf Clenbuterol getestet worden. Der Spanier hatte die positive Probe, die nur geringe Spuren der verbotenen Substanz aufgewiesen hatte, mit verunreinigtem Fleisch zu erklären versucht.

Die UCI hatte daraufhin eine vorläufige Sperre gegen Contador ausgesprochen und in Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) den Fall zur genaueren Untersuchung an Wissenschaftler weitergereicht.

Spanischer Verband ist gefordert

"Am Ende einer langen und sorgfältigen Untersuchung, die von hochqualifizierten WADA-Experten durchgeführt wurde, und unter Berücksichtigung aller Informationen, ist die UCI zu dem Schluss gekommen, dass ein Disziplinarverfahren gegen Contador eröffnet werden sollte", hieß es in einer UCI-Pressemitteilung.

Bei der UCI sehen sie nun den spanischen Verband gefordert.

"Die UCI hat heute den spanischen Radsport-Verband dazu aufgefordert, der in diesem Fall die Zuständigkeit hat. Es liegt nun in der Verantwortung des Verbandes zu entscheiden, ob Alberto Contador gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen hat", so der weitere Wortlaut der Mitteilung.

Indizien sprechen gegen Contador

Sollte sich die RFEC weigern, ein Disziplinarverfahren einzuleiten, könnten die UCI oder die WADA vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch einlegen.

Etliche Experten hatten als Erklärung für den positiven Test eine möglicherweise kurz vorher durchgeführte Eigenbluttransfusion ins Spiel gebracht.

So soll in einer von Contadors Proben ein zehnfach erhöhter Wert von Blutweichmachern festgestellt worden sein, was oftmals als Indiz für eine Bluttransfusion aus einem Plastikbeutel sprechen soll.

Dem widersprach in Montreal der Wissenschaftliche WADA-Direktor Olivier Rabin, der außerdem nicht bestätigen wollte, dass in Contadors Proben tatsächlich ein Blutweichmacher gefunden wurde.

Pressesprecher gelassen

Das Contador-Lager wollte die Entscheidung der UCI nicht überbewerten.

"Das ist das normale Prozedere, wobei wir gehofft haben, dass der spanische Verband über den Fall entscheiden wird", sagte der Pressesprecher des Madrilenen: "Contador wird alle Dokumente zur Verfügung stellen und demonstrieren, dass es verunreinigtes Essen war."

Kehrtwende der UCI

Während die UCI kurz nach Bekanntwerden des Dopingfalls zunächst noch Partei für den Spanier ergriffen hatte, reagiert die WADA sehr skeptisch auf Contadors Unschuldsbeteuerungen.

"Diese Version haben wir schon in vielen Fällen gehört, das ist nichts Neues", sagte der WADA-Generaldirektor David Howman: "Die Frage ist: Kann Contador diese Behauptung beweisen? Ich fürchte, das wird ziemlich schwierig."

Der Spanier hatte zuletzt mit einem Rücktritt kokettiert.

Wird Toursieg aberkannt?

Sollte Contador nun tatsächlich gesperrt werden, würde der Luxemburger Andy Schleck wohl den Toursieg zugesprochen bekommen.

Es wäre das zweite Mal nach Floyd Landis im Jahr 2006, dass einem Toursieger nachträglich der Titel aberkannt wird.

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