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Alberto Contador war bereits 2002 spanischer U 23-Meister im Zeitfahren © getty

Der Spanier bangt um den Toursieg, doch sein Verband macht ihm trotz des nahenden Verfahrens Hoffnung auf ein Happy-End.

München - Dopingsünder Alberto Contador ist am Boden zerstört, doch der spanische Radsport-Boss macht seinem gefallenen Star Hoffnung auf ein Happy End.

"Ich hoffe, dass sich der Fall zugunsten von Contador entscheidet. Ich kenne ihn seit seiner Kindheit. Er stammt aus Madrid, und ich habe gewisse Sympathien für ihn", sagte Carlos Castano im staatlichen "RNE", gleichzeitig schloss Castano Sonderrechte für den Tour-Sieger aus. 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle)

"Es wird für Contador keine bevorzugte Behandlung geben. Die Regeln gelten für alle in gleicher Weise. Wenn Alberto dagegen verstoßen hat, muss er dafür gerade stehen.", sagte Castano der Madrider Sportzeitung "Marca".

Der Verband hat unterdessen die Unterlagen an das Wettkampfkomitee weitergeleitet, das sich nun mit dem Fall befassen wird. "Das sind vier Personen, die unabhängig vom Radsport sind. Das Gremium hat am Mittwoch eine Sitzung, dann sehen wir weiter", sagte Castano.

Valverde lässt grüßen

Nachdem der Weltverband UCI die Angelegenheit am Montag an den spanischen Verband RFEC weitergeleitet hat, droht dem Sport möglicherweise ein neuer Fall Alejandro Valverde.

Contadors Landsmann war durch einen DNA-Abgleichs während der Tour 2008 nachgewiesen worden, dass er Blutbeutel bei Dopingarzt Eufemiano Fuentes gelagert hatte.

Der spanische Verband leitete damals jedoch kein Verfahren ein, sodass Valverde erst zwei Jahre und zahlreiche Siege später vom Internationalen Sportgerichtshof CAS aus dem Verkehr gezogen wurde.

Castanos Aussagen lassen nun einen ähnlichen Verlauf vermuten.

"Es kann alles passieren"

"Es kann alles passieren. Es kann sein, dass das Verfahren eingestellt wird oder dass es bei einer simplen Abmahnung bleibt", sagte der Funktionär. Es könne aber auch eine Sperre von maximal zwei Jahren ausgesprochen werden.

Contador war am zweiten Ruhetag der Tour positiv auf Clenbuterol getestet worden.

Betrachtet man jedoch, wie halbherzig die Spanier in der Vergangenheit mit ihren Dopingsündern umgingen, wäre eine lange Sperre für den dreimaligen Toursieger fast schon erstaunlich.

Immerhin macht Castano Hoffnung auf ein baldiges Ende des Falles: "Wenn wir ein Verfahren eröffnen, kann der Athlet seine Argumente vortragen. Für einen Fall wie diesen haben wir maximal drei Monate Zeit."

Fall könnte vor CAS landen

Die Zeitung "El Mundo" geht dennoch davon aus, dass der Fall Contador wohl in jedem Fall bis vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gebracht wird.

Es sei zu erwarten, dass die Entscheidung des spanischen Radsportverbandes entweder von der Welt-Anti-Doping- Agentur (WADA) oder von Contador angefochten wird, schrieb das Blatt.

Bis der CAS eine Entscheidung fällt, dürfte Contador vermutlich munter weiter in die Pedale treten. Ein Start bei der kommenden Tour ist keinefalls ausgeschlossen.

Contador ist niedergeschlagen

Glaubt man Castano, muss sich Contador erstmal wieder mental aufrappeln.

"Er war niedergeschlagen. Das ist aber normal bei einer solchen Geschichte", sagte er nach einem Treffen mit dem Toursieger: "Ich würde mir wünschen, dass der Fall gut ausgeht. Aber nun muss sich das Wettkampfkomitee der Sache annehmen und eine faire Entscheidung treffen."

Nach Angaben der Zeitung "El País" stützt der Tour-Sieger seine Hoffnung auf einen Freispruch vor allem auf den Fall des Tischtennis-Profis Dimitrij Ovtcharov.

Der deutsche Nationalspieler war ebenfalls positiv auf Clenbuterol getestet, später aber vom Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) freigesprochen worden.

Castano kritisiert UCI

Allerdings kritisierte der RFEC-Präsident vorsorglich schon einmal die geringe Bearbeitungszeit. Man habe von der UCI sechs E-Mails mit umfangreichen Dokumenten erhalten. Man werde es in diesem Zeitraum nicht schaffen, alle Akten zu lesen.

Die Dokumentation sei einfach zu umfangreich.

Die Entscheidung der UCI sei die normale Vorgehensweise. "Nicht normal ist dagegen, dass die UCI drei Monate gebraucht hat, bis sie den Fall uns übertrug", sagte Castano.

Aberkennung des Toursieges droht

Sollte Contador gesperrt werden, dürfte ihm sein dritter Toursieg aberkannt und dem Luxemburger Andy Schleck zugesprochen werden.

Es wäre das zweite Mal nach Floyd Landis 2006, dass die Siegerliste des größten Radrennens der Welt wegen eines Dopingfalls korrigiert werden muss.

Schleck hatte Contador kürzlich überraschend den Rücken gestärkt.

"Ich glaube nicht, dass er etwas gemacht hat, aber ich entscheide das nicht", sagte der 25-Jährige. Er könne nur sagen, dass er auf Contadors Unschuld hoffe und ihm glaube.

Schleck will Sieg nicht

Einen nachträglichen Toursieg will er nicht annehmen: "Ich bin nicht im Gelben Trikot nach Paris gefahren. Ich bin immer noch Zweiter."

Auch sein künftiger Teamchef Bjarne Riis geht davon aus, dass Contador nicht bestraft wird.

"Ich glaube, dass Contador entlastet wird", sagte der Toursieger von 1996 der Zeitung Politiken. Er sei überzeugt, dass Contador ein sauberer Fahrer sei.

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