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Lance Armstrong gewann zwischen 1999 und 2005 sieben mal in Serie die Tour de France © imago

In Afghanistan gibt sich Lance Armstrong volksnah und will seinen Ruf aufpolieren. Doping-Ermittler Novitzky lässt nicht locker.

Kabul/München - Fernab der Heimat fühlt sich Lance Armstrong derzeit am wohlsten.

Dick eingepackt in eine Militärjacke, den Helm auf dem Kopf und die Sonnebrille auf der Nase lässt sich der siebenmalige Tour-Sieger von amerikanischen Soldaten in Afghanistan feiern.

Für den teilverrenteten Radsport-Star ist der Truppenbesuch eine willkommene Abwechslung, um sein Image aufzubessern - denn in der Heimat jagt ihn immer noch Doping-Ermittler Jeff Novitzky. 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle)

"Es war total intensiv. Ich mache das nicht sehr häufig, es ist ziemlich verrückt", sagte Armstrong nach einer Schießeinlage.

Volksnah in Afghanistan

Der 39-Jährige probierte sich an einer Kalaschnikow, einer MK48 und einer M4 - Afghanistan als Schlaraffenland für einen wahren Texaner.

Mit den Komikern Lewis Black und Kathleen Madigan hatte Armstrong zuvor die Hubschrauber-Hangar der Operationsbasis Fenty im Osten des Landes besichtigt.

Bereitwillig gab der RadioShack-Kapitän Autogramme, posierte für Fotos und nahm eine Ehrenmedaille in Empfang.

Und Armstrong, ganz der PR-Mann, feiert sich für seinen vorweihnachtlichen Ausflug in den Irak und nach Afghanistan auf der Kurznachrichtenplattform Twitter selbst.

"Acht Meilen mit der Truppe gerannt" oder "Neun Meilen durch den Staub von Kandahar" ist da zu lesen. In Bagram ließ sich Armstrong in einem Zelt von Tausenden feiern: "Das hat gerockt. Es ist uns eine Ehre, hier zu sein."

PR-Kampagne gegen Doping-Ermittlung

Armstrong schafft sich selbst die positiven Schlagzeilen, die ihm durch die Ermittlungen von Novitzky verwehrt bleiben.

Der verfolgt eifrig seine Mission, Armstrong und dem früheren US-Postal-Rennstall wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung und Korruption vor Gericht zu stellen.

Mit fünf Mitgliedern seiner Behörde war Novitzky Mitte November nach Europa gereist. In Frankreich, Italien und Belgien sammelten die Ermittler Informationen, um ihre mögliche Klage zu untermauern.

"Durchforstet alle Abfalleimer in Europa"

"Er durchforstet alle Abfalleimer in Europa. Und manchmal findet man auch Sachen in den Abfalleimern", sagte ein beteiligter Polizist.

Novitzky unterhielt sich lange und intensiv mit den europäischen Dopingjägern. "Wir müssen Informationen austauschen, weil dieses Phänomen nicht alleine bezwungen werden kann. Diese Schlacht wird nicht in den Medien gewonnen", sagte der italienische Staatsanwalt Benedetto Roberti und verteilte damit gleich einen Seitenhieb an Armstrong.

Armstrong greift seinerseits Novitzky an

Denn Armstrong und sein gewiefter Anwalt Mark Fabiani hatten öffentlich gegen Novitzkys Europareise als eine Verschwendung von amerikanischen Steuergeldern getönt.

Genauso laut wie sie vorher Floyd Landis in Misskredit bringen wollten, der mit seinem Geständnis die Ermittlungen erst ins Rollen gebracht hatte.

Im Irak und in Afghanistan gibt sich Armstrong volksnah und seine PR-Berater sind clever genug, den Besuch zu seinen Gunsten auszuschlachten.

Im Kampf um seinen Ruf nimmt Armstrong jede positive Nachricht mit, die er nur kriegen kann. Letztlich entscheidet aber nicht das amerikanische Volk, sondern die Justiz über seine Zukunft.

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