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Der Rostocker Eric Baumann fuhr 2004 bis 2007 für das Team T-Mobile © imago

Nach dem Milram-Aus ist das Heppner-Team die Nummer 1 im deutschen Radsport und will 2012 zur Tour de France - dank IT-Geldern.

Amsterdam - Ein Erfolgsmodell a la Hoffenheim soll Deutschland wieder einen Platz auf der Radsport-Landkarte sichern.

Nach dem Aus des Teams Milram will der momentan noch zweitklassige Radrennstall NetApp in naher Zukunft die klaffende Lücke schließen. Mit dem milliardenschweren IT-Unternehmen im Rücken soll bereits im nächsten Jahr der Aufstieg zum ProTeam und damit auch die Tour-Teilnahme gelingen.

"Wir haben ein klares Ziel, und das lautet ProTour. Wir haben sämtliche Maßnahmen ergriffen, um das Team erfolgreich zu machen. Wir haben von Anfang an ein professionelles Umfeld geschaffen", sagte Teammanager Ralph Denk am Dienstag bei der Mannschaftsvorstellung am Europasitz in Amsterdam.

"Wollen eigene Geschichte schreiben"

Gleich in der Premieren-Saison war der Equipe um Sportdirektor Jens Heppner der Aufstieg zum Professional Continental Team geglückt, doch die zweite Liga des Radsports soll nur Durchgangsstation sein.

Der Geldgeber weiß jedenfalls, wie es geht. NetApp, das einen Jahresumsatz von vier Milliarden aufweist, war einst als Trikotsponsor von 1899 Hoffenheim mit den Kraichgauern bis in die Bundesliga durchmarschiert.

Ähnliche Ziele hat auch NetApp-Europachef Andreas König: "Das ist unsere Philosophie. Wir wollen etwas aufbauen und uns nicht irgendwo einkaufen. Wir wollen unsere eigene Geschichte schreiben. Vielleicht können wir in unserer Form wieder so einen Hype wie zu Telekom-Zeiten erzeugen."

McEwen knapp verpasst

Bis dahin ist es noch weit, am Geld soll das Unterfangen aber nicht scheitern. "Wir werden das Budget zur Verfügung stellen, um den Weg in Richtung ProTour zu beschreiten", versprach König.

NetApp stand im Dezember sogar dicht vor der Verpflichtung des Australiers Robbie McEwen, immerhin zweimal Gewinner des Grünen Trikots. Man sei aber einen halben Tag zu spät gekommen, so König: "Im nächsten Jahr werden wir Zugpferde dazunehmen."

Die Tour ist noch weit weg

Der Start war jedenfalls verheißungsvoll. Mit sechs Siegen und 30 Top-Ten-Platzierungen 2010 war der Aufstieg die logische Folge. Daran wollen Heppner und Co. in diesem Jahr anknüpfen (DATENCENTER: Der Rennkalender 2011).

"Wir wollen dieses Jahr noch erfolgreicher sein und das Team an die Weltspitze heranführen", sagte der mehrmalige Tour-Teilnehmer. In Richtung Frankreich will er aber noch nicht schielen. Für die Tour brauche das Team noch zwei Jahre.

Baumann als Zugpferd

17 Fahrer stehen im NetApp-Team, meist junge und noch entwicklungsfähige Leute wie David Hesselbarth (Altötting), Daniel Schorn (Österreich) oder Leopold König (Tschechien). Das bekannteste Gesicht dürfte der frühere T-Mobile-Profi Eric Baumann (Rostock) sein.

Gesundes Wachstum lautet die Marschroute. Eine klare Linie verfolgt das Team auch im Anti-Doping-Kampf. Jeder Fahrer musste DNA-Proben abgeben, die Ärzte der Athleten können notfalls von der Schweigepflicht entbunden werden.

Premiere bei Mallorca-Challenge

Null Toleranz gibt der Sponsor vor. "Wenn ein Fahrer positiv ist, stellen wir unser Engagement ein", sagte König, der Radsport als lohnenswertes Langzeitprojekt ansieht - trotz aller Skandale: "Deutschland macht Dinge extrem gründlich. In dem Fall haben wir den Radsport auch gründlich in den Tod geredet." 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle)

Bis 2012 läuft vorerst der Vertrag, derzeit laufen aber bereits Gespräche für 2013 und 2014. In diesem Jahr findet der erste Renneinsatz bei der Mallorca-Challenge im Februar statt. Highlights im Rennkalender sind die Starts bei allen großen deutschen Rennen sowie die Teilnahme an der Kalifornien-Rundfahrt.

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