vergrößernverkleinern
Lance Armstrong gewann bisher als einziger Fahrer die Tour de France siebenmal © getty

Mike Anderson belastet den mehrfachen Tour-Sieger und vergleicht ihn mit George W. Bush. Armstrong zeigt sich angespannt.

München - Sein internationales Abschiedsrennen beendete Lance Armstrong im grauen Mittelfeld, doch nach neuen Dopinganschuldigungen fand sich der einstige Patron des Radsports im Rampenlicht wieder.

"Er wird wohl ein Symbol für jahrzehntelange Korruption im Radsport werden", sagte Armstrongs früherer Mechaniker Mike Anderson der "Sunday Star-Times" aus Neuseeland. Die Aussagen seines früheren Wegbegleiters dürften Armstrong die Tour Down Under endgültig verdorben haben.

Anderson hatte bereits den US-Drogenfahnder Jeff Novitzky bei seinen Ermittlungen gegen Armstrong unterstützt und vor einem Geschworenengericht ausgesagt, das darüber entscheiden soll, ob gegen den Texaner Anklage erhoben wird.

Daran hat Anderson jedoch keinen Zweifel: "Novitzky übernimmt keinen Fall, den er nicht gewinnt. Er stellt keine überflüssigen Ermittlungen an. Ich denke nicht, dass die Sache gut für Lance Armstrong ausgeht."

Nahm Armstrong Androstendion?

Der Mechaniker behauptet, Armstrong habe ihn einst gebeten, in seiner Wohnung in Spanien sämtliche Habseligkeiten seiner Ex-Frau Kristin zu entfernen, weil er mit seiner neuen Liebe Sheryl Crow auf dem Weg dahin war.

Bei der Aktion habe Anderson einen Karton mit der Aufschrift "Andro" gefunden, was gemeinhin als Abkürzung für das Steroid Androstendion benutzt wird. Armstrong hat stets bestritten, je Dopingmittel genommen zu haben 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle).

Halbwahrheiten über Armstrong

Laut Anderson kann man diesen Worten jedoch keinen Glauben schenken, er vergleicht Armstrong sogar mit dem früheren US-Präsidenten George W. Bush.

"Wir hören die gleichen Lügen immer wieder, bis sie zu Wahrheiten werden. Es klingt wie die Worte von George W. Bush über Massenvernichtungswaffen im Irak", sagte Anderson.

Die Medienberater von Bush und Armstrong haben laut Anderson ihre Büros im selben Gebäude im US-Bundesstaat Texas. Die Öffentlichkeit glaube aber die verbreiteten Halbwahrheiten, weil Armstrong den Krebs besiegt habe.

"Wenn jemand selbst oder ein Familienmitglied Krebs hat, ist man eben leichtgläubiger, weil man Hoffnung sucht", sagte Anderson.

Armstrong zeigt Nerven

Bereits während der Tour Down Under, die Armstrong 6:42 Minuten hinter Gesamtsieger Cameron Meyer als 67. beendete, hatte das US-Magazin "Sports Illustrated" mit neuen Doping-Enthüllungen aufgewartet.

Armstrong soll demnach bis 2009 mit dem Dopingarzt Michele Ferrari zusammengearbeitet und in den 90er Jahren das Medikament HemAssist genommen haben. Das Mittel, das sich noch in der Entwicklungsphase befand, hatte in Versuchen bei Tieren eine erhöhte Sauerstoff-Transportkapazität bewirkt.

Armstrong hatte auf die Anschuldigungen ungewohnt dünnhäutig reagiert und sogar einen Reporter angeraunzt, ob er denn dumm sei. Er habe zu dem Thema nichts zu sagen. Armstrongs Laune war spürbar schlecht. (DATENCENTER: Der Rennkalender 2011)

Großzügige Spende für Flutopfer

Dabei hatte der 39-Jährige alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinen Ruf aufzupolieren, der durch das Geständnis seines früheren Teamkollegen Floyd Landis erheblichen Schaden genommen hatte.

Armstrong gab sich in Down Under charmant, plauderte gelöst über seine Karriere und seine Verdienste für den Sport.

Außerdem spendete er aus eigener Tasche 50.000 US-Dollar für die Flutopfer von Queensland. Wenn Armstrong künftig durch weitere Zeugenaussagen belastet wird, wird er sein Geld wohl allerdings eher für gute Anwälte als für Menschen in Not ausgeben.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel