vergrößernverkleinern
Alberto Contador besitzt beim Team Saxo Bank-Sungard einen Vertrag bis Ende 2012 © getty

Der Spanier lädt als Reaktion auf seine Dopingsperre zu einer Pressekonferenz. Doch der Weltverband stoppt den Voreiligen.

München/Madrid - Vier Jahre nach Floyd Landis steht der nächste Tour-König vor dem Thronsturz, doch Alberto Contador bleibt möglicherweise die Höchststrafe erspart.

Der Spanier soll nach seinem positiven Dopingtest während der vergangenen Frankreich-Rundfahrt mit einer Sperre von nur einem Jahr belegt werden.

Diese Sanktion sieht offenbar das Exekutivkomitee des spanischen Radsport-Verbandes RFEC vor. 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle)

"Wenn die Strafe aufrecht erhalten wird, dann verliert er die Tour. Das wäre die minimale Sanktion", sagte Juan Carlos Castano. Der RFEC-Präsident widersprach allerdings Meldungen, wonach die Strafe gegen Contador bereits offiziell kommuniziert worden sei.

Contador will sich vor Presse erklären

Der bestrafte Kletterkönig wusste da selbst offenbar mehr. Sein Sprecher bestätigte die Sperre und kündigte für Freitagnachmittag eine Pressekonferenz in Palma de Mallorca an.

Das rief am Donnerstag den Weltverband UCI auf den Plan, der Irritationen ausräumen wollte.

Die UCI betonte in einer offiziellen Mitteilung, dass gegen Contador eine Sanktion noch nicht offiziell ausgesprochen sei. (Verband lässt Contador hängen)

Zehn Tage Zeit für Einspruch

Der Weltverband bestätigte zwar den Eingang einer RFEC-Information, die allerdings nur ein Element der disziplinarischen Maßnahmen gegen Contador beinhalte. Zu dieser könne sich der Fahrer äußern. (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News)

Für einen Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne bedürfte es aber eines offiziellen Urteils gegen den Tour-Sieger. Sowohl Contador als auch der Weltverband UCI und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA hätten in diesem zehn Tage Zeit, Einspruch einzulegen.

Contador war am zweiten Ruhetag der Tour positiv auf das auch illegal zur Kälbermast verwendete Mittel Clenbuterol getestet worden. Der 28-Jährige bestritt jegliches Doping und verwies auf den Verzehr von kontaminiertem Fleisch.

Contador wie Landis?

Da dem Kletterkönig jedoch die Beweise für seine Theorie fehlen, dürfte ihm der dritte Tour-Sieg aberkannt werden. Contador wäre der zweite Fahrer der Geschichte, der seinen Triumph bei der Großen Schleife wegen Dopings aberkannt bekommt.

2006 fuhr Landis mit einer ordentlichen Dosis Testosteron zum Gesamtsieg, wurde jedoch überführt. Nach einem langen Rechtsstreit wurde Landis aus der Ergebnisliste gestrichen.

Castano glaubt nun in Sachen Contador ebenfalls an eine juristische Fortsetzung. Entweder der Fahrer, die UCI und/oder die WADA würden vor dem Internationalen Sportgerichtshof Einspruch einlegen, meinte der Funktionär. (Contador verliert Haare und Gehalt)

Startdatum der Sperre unklar

Zumindest Contador bleibt auch gar nichts anderes übrig, will er durch die Akzeptanz eines möglichen Urteils seine Schuld nicht indirekt eingestehen.

Contador hatte mehrfach damit gedroht, seine Karriere zu beenden, falls er gesperrt werde. Castano, ein persönlicher Freund und Bewunderer des früheren Giro- und Vuelta-Siegers, hofft, dass es soweit nicht kommt.

Noch ist jedoch unklar, welches Startdatum für eine mögliche Sperre festgelegt wird. Eigentlich müsste es der 26. August 2010 sein, der Tag, an dem das Ergebnis der B-Probe Contador endgültig überführte.

Riis hat ein Problem

Es ist aber durchaus möglich, dass der Spanier argumentiert, er sei seit seinem Tour-Sieg am 25. Juli keine Rennen mehr gefahren, womit die Sperre früher beginnen müsse.

Ein Problem dürfte nun Contadors neuer Teamchef Bjarne Riis bekommen. Der Däne hatte große Pläne mit seinem neuen Kapitän und wollte den Giro, die Tour und die Vuelta innerhalb einer Saison gewinnen.

Nach dem Coup mit Contador hatte sich sogar Hauptsponsor Saxo Bank entschieden, sein Engagement noch ein weiteres Jahr fortzusetzen.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel