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Der Spanier Alberto Contador gewann 2008 die Giro d'Italia © AFP

Der Dopingsünder packt bei Saxo Bank seine Koffer. Der Verband verweigert die Gefolgschaft. Ex-Kollege Etxebarria greift ihn an.

Madrid - Frustriert, wütend und enttäuscht packte Alberto Contador am Wochenende seine Koffer und verabschiedete sich aus dem Saxo-Bank-Trainingslager auf Mallorca.

Der dreimalige Toursieger kehrte nach Madrid zurück, wo in den nächsten Tagen viel Gesprächsbedarf mit seinen Anwälten herrscht 126156(DIASHOW: Spektakuläre Dopingfälle).

Justizmarathon statt Murcia-Rundfahrt heißt es wohl in Zukunft, nachdem der spanische Radsport-Verband RFEC mitgeteilt hatte, den Kletterkönig im Zuge seiner positiven Dopingprobe auf Clenbuterol für ein Jahr sperren zu wollen (Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: die SPORT1 News).

Der eigene Verband, der Contador jahrelang hofiert hatte, verweigert offenbar unter dem Druck der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und des Radsport-Weltverbandes UCI dem Kletterkönig die Gefolgschaft (Verband lässt Contador hängen).

Kritik von Etxebarria

Und auch sonst bröckelt in Spanien der Rückhalt. So musste sich Contador ("Bin ein Vorbild an Sauberkeit") ausgerechnet von seinem früheren Teamkollegen und Landsmann David Etxebarria harsche Kritik gefallen lassen.

"Weine nicht, wenn du vorher geschwiegen hast", teilte Etxebarria via Twitter dem Madrilenen mit.

"Du sagst, dass du nicht an das Anti-Doping-System glaubst, obwohl du dadurch eine Tour gewonnen hast", ergänzte der zweimalige Tour-Etappensieger mit Blick auf Contadors ersten Titel bei der Frankreich-Rundfahrt 2007, als der Däne Michael Rasmussen vier Tage vor dem Ende in Führung liegend aus dem Rennen genommen worden war.

Rasmussen hatte in der Vorbereitung mehrfach falsche Angaben über seine Aufenthaltsorte gemacht.

Glück für Contador

Etxebarria kann den Aufschrei Contadors nicht verstehen. Schließlich habe Contador auch geschwiegen, als seine Teamkollegen im Zuge der Operacion Puerto vor viereinhalb Jahren am Pranger gestanden hatte.

Etxebarria, der ebenfalls auf der Kundenliste von Dopingarzt Eufemiano Fuentes aufgeführt war, beendete danach seine Karriere.

Beide waren 2006 für das Liberty-Seguros-Team gefahren. Auch der Name Contadors mit den Initialien AC hatte damals auf der Fuentes-Liste gestanden, ehe er nachträglich gelöscht worden war.

Contador kam so schadlos aus der Affäre heraus und gewann anschließend dreimal die Tour.

Titel-Verlust droht

Der Sieg 2010 dürfte ihm aber aberkannt werden, sollte die Sperre beschlossene Sache sein.

Der 28-Jährige war am zweiten Ruhetag der Tour positiv auf Clenbuterol getestet worden. Contador hatte dies mit dem Verzehr von kontaminiertem Fleisch zu erklären versucht.

Der Madrilene will die Sperre auf keinen Fall akzeptieren.

"Es geht um meine Ehre"

In Kürze wollen die Spanier ihr Urteil verkünden. Dann haben der Fahrer, die UCI und die WADA zehn Tage Zeit für die Einreichung einer Berufung beim internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne.

Dass dies ein langwieriger Prozess ist und womöglich in einer Erhöhung der Strafe von einem auf zwei Jahre endet, ist Contador egal.

"Es geht nicht ums Geld, es geht um meine Ehre", sagte der Radprofi. Ähnlich hatte sich vor geraumer Zeit bereits Contadors Landsmann Alejandro Valverde geäußert, am Ende hatte er von beidem nicht mehr viel.

Bei Spanien-Rundfahrt willkommen

Immerhin halten noch die Organisatoren der Spanien-Rundfahrt zu Contador. Er sei jederzeit willkommen, sagte Vuelta-Chef Javier Guillen.

Für 2011 sieht es aber schlecht aus. Die Vuelta beginnt diesmal eine Woche früher am 20. August. Sollte die einjährige Sperre aber Bestand haben, wäre Contador erst am 24. August wieder startberechtigt.

Doch Auswege haben die Spanier beim leidigen Doping-Thema noch immer gefunden. Fuentes lässt schön grüßen.

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