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Anwalt Michael Lehner und sein Mandant Stefan Schumacher © imago

Schumacher kämpft vor Gericht ums Comeback. Sein Anwalt Lehner äußert sich bei Sport1.de zur Lage und den persönlichen Zwiespalt.

Von Wolfgang Kleine

München/Heidelberg - Stefan Schumacher kämpft an mehreren Fronten. Nach zwei positiven Doping-Proben bei der Tour de France ist der zweimalige Etappensieger in Richtung USA abgetaucht.

In seiner Heimatstadt Nürtingen wird der frühere Gerolsteiner-Radprofi nicht mehr so gern gesehen.

Dazu kämpft er vor Gericht. Dort will der 27-Jährige sein Comeback trotz drohender Sperre erzwingen. Unterstützung erfährt Schumacher von dem Heidelberger Rechtsanwalt Michael Lehner.

Spagat zwischen zwei Fällen

Der anerkannte Anwalt in Sportrechtsfragen macht hier allerdings einen Spagat. Öffentlich hat er sich als Anti-Doping-Kämpfer gepriesen.

Im Fall Jan Ullrich (Strafanzeige gegen Ullrich) sah sich Lehner eher in der Rolle des Anklägers. Im Fall Stefan Schumacher, dem durch das Pariser Labor die Einnahme des EPO-Mittels CERA nachgewiesen wurde, sieht er trotz der erdrückenden Beweise keine Schuld seines Mandanten. Lehner moniert Verfahrensfehler.

Lehner äußert sich im zweiteiligen Sport1.de-Interview über die juristischen Unterschiede der Fälle, sein Selbstverständnis, die Vorwürfe gegenüber dem Dopingkontroll-Labor und seine persönliche Einschätzung im Fall Schumacher .

Sport1.de: Wie ist derzeit die Situation von Stefan Schumacher?

Michael Lehner: Wir warten momentan weiterhin auf die Beantwortung eines umfassenden Fragenkatalogs, den ich an die zuständige Stelle, die französische Anti-Doping-Agentur AFLD, geschickt habe. Der Katalog liegt aber auch bereits seit zwei Wochen vor. Die Zweifel bestehen für mich deshalb, weil Stefan Schumacher sagt: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich habe nicht gedopt!"

Sport1.de: Was wollen Sie tun?

Lehner: Ich möchte die A-Probe hinterfragen bzw. deren Nachkontrolle. Die A-Probe war ja negativ. Dann wurden Nachkontrollen gemacht. Und dann sind wohl drei weitere Behälter im Labor in Frankreich aufgetaucht. Zusätzlich zu der versiegelten A-Probe, wie sie entnommen wurde. Das sind insgesamt vier Fragen. Und die möchte ich erstmal sehen, bevor ich weiter entscheide. Es wurde auch die Öffnung der B-Probe beantragt. Bis jetzt liegt nur die A-Probe vor. Da ging es bereits hin und her. Und die AFLD rührt sich bisher nicht. Ich habe bis heute nichts gehört.

Sport1.de: Liegt es denn einzig und alleine daran, dass sich die AFLD nicht rührt? Denn Stefan Schumacher droht ja schließlich auch eine sportrechtliche Sanktion.

Lehner: Eigentlich weniger. Wir haben eine merkwürdige Zuständigkeitskonstellation. Die AFLD ist bei der Tour de France als staatlicher, offizieller Berater zuständig gewesen. Eigentlich wäre ja der BDR mit dem Sanktionsverfahren zuständig gewesen. Der hält sich allerdings bedeckt nach dem Motto "Wir gucken erstmal was die Franzosen machen und dann sehen wir mal weiter". Das heißt: es gibt also keine sportlichrechtlichen Sanktionen. Weder eine Suspendierung, noch eine Verfahrenseinleitung. Beim BDR hatte man da anfangs auch anders überlegt und dann sehr spontan auf die Presseberichte reagiert. Wenn da nichts weiter läuft und Stefan Schumacher seine Lizenz für 2009 beantragt, was er auch tun wird, dann muss er die auch kriegen.

Sport1.de: Glauben Sie denn persönlich an die völlige Unschuld von Stefan Schumacher? Ist das der Grund dafür, dass Sie ihn verteidigen?

Lehner: Juristisch gesehen ist die Frage unzulässig. Weil ich Rechtsanwalt bin. Bei meiner Arbeitsgrundlage habe ich nichts zu glauben. Ich sage Ihnen aber, dass ich Stefan Schumacher schon lange vertrete. Schon seit Jahren. Ich bin überzeugt und das belegen auch Fakten, dass während der WM 2007 nichts da war. Und das ist jetzt ein neuer Fall. Und da gibt es bei mir keinen Glauben und keine Überzeugung. Für mich geht's darum, ob ich begründete Zweifel habe, ob ich rechtlich arbeiten kann. Und das kann ich bis jetzt.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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