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Stefan Schumacher wurde 2007 Dritter bei der WM in Stuttgart © imago

Schumacher kämpft vor Gericht ums Comeback. Sein Anwalt Lehner äußert sich bei Sport1.de. Zweiter Teil des Interviews.

Sport1.de: Es ist ja so, dass der Teamkollege Bernhard Kohl die CERA-Einnahme gestanden hat.

Lehner: Klar. Diese Frage wird natürlich häufig gestellt. Kohl sagt ja selbst, dass er lange vor der Tour de France etwas genommen hat und dass Reste da gewesen seien. Und das ist ein Vorgang, der mit Stefan Schumacher gar nichts zu tun hat.

Sport1.de: Unterscheiden Sie auch möglicherweise die Qualität der Kontrollen zwischen der bei Stefan Schumacher und der bei Bernhard Kohl? Denken Sie, dass es in der reinen chemischen Analyse unterschiedliche Interpretationen gibt?

Lehner: Möglicherweise. Das weiß ich nicht. Diese Techniken funktionieren vielleicht in 90 Prozent der Fälle und in zehn Prozent nicht. Wenn man mal eine Zahl nennt. Es ist aber noch nichts belegt, was auch eine meiner Fragen an die AFLD ist. Aber eigentlich ist es so, dass ist meine Kritik, sind diese Tests noch nicht richtig ausgeforscht. Die können funktionieren. Das bestreite ich nicht. Es können richtige, positive Ergebnisse dabei herauskommen. Aber es bleiben Zweifel.

Sport1.de: In der Vergangenheit waren Sie immer sehr offensiv. Wenn es beispielsweise um Jan Ullrich und dessen Verbindungen zu Dr. Fuentes ging, haben Sie sich als Doping-Gegner positioniert. Jetzt sieht es plötzlich ganz anders aus. Hat sich in Ihrer grundsätzlichen Einstellung etwas geändert?

Lehner: Ich bin ganz offensiv kontra Doping! Sie sehen auch an der Vertretung von Patrik Sinkewitz (Sinkewitz-Comeback auf Mallorca) und Jörg Jaksche, dass es in der Konstellation der Beratung unterschiedliche Wege gibt. Ich bin aber genau so offensiv kontra Doping, wie ich aber auch für ein ausgewogenes Rechtssystem bin, in dem sich jeder wiederfindet.

Sport1.de: Wann engagieren Sie sich?

Lehner: Wenn ich sehe, dass Rechte von Athleten verletzt werden, dann bin ich Athleten-Anwalt und kämpfe für die Rechte. Auch ein Stefan Schumacher muss bei der Rechtsfindung verteidigt werden. Und da ist es oft so, beim Sportrecht und bei den Verbänden, dass da nach Gusto nach irgendwelchen Ergebnissen entschieden wird. Und der Einsatz, dass alles in einem rechtssicheren System abläuft, dient letztendlich auch dem Anti-Doping-Kampf, dem man dann vertraut.

Sport1.de: Wo sehen Sie den entscheidenden Unterschied zwischen dem Fall Jan Ullrich und Stefan Schumacher?

Lehner: Bei Herrn Ullrich kenne ich die ganzen Akten und bin persönlich überzeugt, dass er bei Fuentes war. Da gibt es Schlüsse, die man ziehen kann. Ich habe ihm auch öffentlich zugerufen "Jan hör auf!" Das ist aber auch ein ganz anderer Sachverhalt.

Sport1.de: Was macht Stefan Schumacher im Moment?

Lehner: Er ist im Moment unterwegs. Ich hab ihn seit zwei Wochen nicht mehr gesehen.

Sport1.de: Bei Floyd Landis war es so, dass er reflexartig seine Unschuld mit Fehlern in den Untersuchungen rechtfertigte. Wie ist das hier bei Stefan Schumacher?

Lehner: Ob Reflex oder nicht. Stefan Schumacher hat mir gesagt, dass er unschuldig ist. Und das ist meine Arbeitsgrundlage. Darauf baue ich auf.

Sport1.de: Sind Sie davon überzeugt, dass Stefan Schumacher 2009 wieder Rennen fahren wird?

Lehner: Ich wünsche es ihm. Ich würde es ihm gönnen, weil ich ihn als fairen Sportsmann kennengelernt habe. Und ich wünsche es dem deutschen Radsport, weil er ein guter Fahrer ist.

Hier geht's zurück zum 1. Teil des Interviews

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