Eine Komödienstory ohne einen Hinweis auf Wahrheitsgehalt reicht für Contadors Freispruch. Man kann das nicht mehr ernst nehmen.

Der Freispruch von Alberto Contador ist eine gute Nachricht.

Für jeden Schreiber von Abenteuer- und Science-Fiction-Geschichten.

Denn das Urteil des spanischen Radverbands ist eine Aufforderung an alle Radsportler, sich einen solchen in den Mitarbeiterstab zu holen.

Denn als Ausweg aus einem Doping-Verfahren mit überdeutlicher Beweislast reicht es offensichtlich aus, eine gut erzählte Story - gerne mit realsatirischen Elementen - vorzulegen.

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Um Beweise oder auch gar nur einen Hinweis auf den Wahrheitsgehalt braucht man sich nicht zu kümmern.

Um Logiklöcher muss man sich auch nicht scheren. Hauptsache die Grundzüge der Story stimmen.

Auf der einen Seite der Held: Alberto Contador, der "Musterfall an Sauberkeit". Eine positive Erscheinung mit magisch anmutenden Superkräften - etwa der, in der Radsportszene noch nie einen Hinweis auf Doping entdeckt zu haben.

Auf der anderen Seite der Bösewicht: Ein sinistrer Metzger, der Contador ein mit Clenbuterol verseuchtes Steak unterjubelt.

Und es schafft, dafür zu sorgen, dass kein Lebensmittel-Kontrolleur im ganzen Land irgendeinen Hinweis auf dieses illegale Kälbermastmittel findet.

Ganz klar, dass sich da der spanische Verband auf die Seite des Helden stellt und ihn vor dieser bösen Intrige rettet.

Sollte man die ganze Sache mit mehr Ernst kommentieren?

An sich schon, aber was will man noch Ernsthaftes sagen über eine Angelegenheit, die man nicht mehr ernster nehmen kann als die Palim-Palim-Sketche von Didi Hallervorden?

Nur so viel: Wer den Vergleich mit der Affäre Dimitrij Ovtcharov zieht, ist naiv oder stellt sich so.

Denn wo der deutsche Tischtennis-Spieler eine glaubhafte Indizienkette für seine Unschuld knüpfen konnte, hat Contador nicht den Ansatz eines Hinweises auf die Richtigkeit seiner Komödienstory.

Dass ihn der spanische Verband damit durchkommen lässt, ist etwas, für das man sich eine Steigerungsform von Farce einfallen lassen müsste.

Mit dem Segen von Politikern und Medien, die sich offensichtlich keinen Begriff machen, was für ein Bild das im Ausland von der Sportnation Spanien vermittelt. Oder - auch der Verdacht muss aufkommen - einen allzu genauen von der Alternative.

Es liegt am Weltverband UCI (kein großer Hoffnungsträger) und der Anti-Doping-Agentur WADA (ein hoffentlich größerer), alles zu tun um den Witz einzukassieren - um sich nicht selbst gleich mitzudiskreditieren.

Man kann nicht behaupten, dass es dabei darum geht zu verhindern, dass der Radsport seine Glaubwürdigkeit verliert. Das ist eine hoffnungslose Mission geworden.

Und für all diejenigen, die den Sport noch ernst nehmen wollen, längst nicht mehr amüsant.

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