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Gustav-Adolf Schur gewann 1955 und 1959 die Friedensfahrt © imago

Gustav-Adolf Schur ist mit 80 Jahren immer noch ein Radsport-Idol. Unsterblich machte ihn ausgerechnet ein zweiter Platz.

Heyrothsberge - Auf dem Rennrad fühlt er sich immer noch am wohlsten.

Und so war es selbstverständlich, dass Gustav-Adolf "Täve" Schur jüngst bei der Präsentation seiner Autobiografie in Berlin auf dem Drahtesel in den Saal fuhr.

Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag, den er am Mittwoch im kleinen Kreis feiert, stellte der größte DDR-Sportler der Geschichte noch einmal seinen Werdegang vor.

Einen Werdegang, der geprägt ist von außerordentlichen sportlichen Erfolgen auf dem Rad, aber auch von alten sozialistischen Werten wie Kollektiv und sportliche Ertüchtigung.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Sich treu geblieben

Schur ist stets seiner Linie treu geblieben, und darin begründet sich wohl auch seine große Beliebtheit in den neuen Bundesländern.

"Wir Ossis können 100 Jahre alt werden, und wir müssen auch 100 Jahre alt werden", sagt "Täve" Schur.

1990 wurde Schur zum größten DDR-Sportler der Geschichte gewählt, nachdem er zuvor schon neun Mal Sportler des Jahres im Osten war. Noch heute ist er in seiner Heimat ein Volksheld, eine Identifikationsfigur.

Die Popularität erkämpfte sich der gelernte Mechaniker in den 50er Jahren, als er alles gewann, was es für einen ostdeutschen Radsportler zu gewinnen gab.

Unsterblich durch Vizeweltmeisterschaft

1955 und 1959 triumphierte er bei der Friedensfahrt, der Tour de France des Ostens. 1958 und 1959 wurde er Straßen-Weltmeister der Amateure.

Doch unsterblich machte ihn seine Vizeweltmeisterschaft 1960: Vor 200.000 Zuschauern auf dem Sachsenring fuhr Schur als Favorit in einer Spitzengruppe mit seinem Freund Bernhard Eckstein und dem belgischen Sprinter Willy Vandenberghen.

Als Eckstein antrat, hielt sich Schur uneigennützig zurück und überließ seinem Freund den Titel.

"Wollte Suppe auch auslöffeln"

Schur war fortan ein Held, mit dem sich natürlich auch die Partei gerne schmückte, als SED-Funktionär saß er von 1958 bis 1990 in der DDR-Volkskammer.

Im vereinten Deutschland gab er sein politisches Comeback und gehörte als PDS-Abgeordneter von 1998 bis 2002 dem Bundestag an. "Ich bin Mitglied geblieben, weil ich die Suppe, die ich mit eingebrockt hatte, auch auslöffeln wollte", erklärte Schur seine politische Motivation.

Heute ist er Vertreter der Linkspartei im Gemeinderat seiner Heimatgemeinde Heyrothsberge vor den Toren Magdeburgs.

Das Rennrad ist nach wie vor ein fester Bestandteil seines Lebens: Jeden Sonntag dreht "Täve" seine Runden und spult im Jahr immer noch beachtliche 4000 Kilometer ab.

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