vergrößernverkleinern
Patrik Sinkewitz' größter Erfolg war der Gewinn der Deutschlandtour 2004 © getty

In Patrik Sinkewitz' Blut findet sich ein Wachstumshormon. Ihm blüht eine lebenslange Sperre - Rudolf Scharping spottet.

München - Der Kronzeuge hat offenbar erneut gedopt.

Radprofi Patrik Sinkewitz ist nach einem positiven Dopingtest vom Weltverband UCI am Freitag vorläufig suspendiert worden. Ihm droht als Wiederholungstäter damit eine lebenslange Sperre.

"Wenn jemand so entsetzlich unbelehrbar ist, gehört er aus dem Verkehr gezogen", sagte Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und sprach von einem "hohen Maß an Beklopptheit".

Dem 30-Jährigen Sinkewitz wurde bei einer Wettkampfkontrolle nach dem Grand Prix von Lugano am 27. Februar in der A-Probe ein Wachstumshormon nachgewiesen.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Scharping: "Das System greift"

Scharping verwies auf das funktionierende System der Dopingfahnder: "Die UCI hatte Sinkewitz auf ihrer Überwachungsliste, wie man sieht, zu Recht. Das System greift."

Patrik Sinkewitz war bereits am 8. Juni 2007 positiv auf Testosteron getestet worden, drei Tage nach seinem schweren Sturz im Anschluss der achten Etappe der Tour de France.

Der Fall hatte damals für große Aufregung gesorgt. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zogen sich daraufhin mit sofortiger Wirkung aus der Live-Berichterstattung zurück (DATENCENTER: Radsport 2011).

Unverständnis beim Ex-Chef

Sinkewitz hatte in der Folgezeit ein umfangreiches Geständnis abgelegt und auch über Dopingpraktiken im T-Mobile-Team bis 2006 ausgesagt.

Daraufhin profitierte der frühere Deutschland-Tour-Sieger von der Kronzeugenregelung und wurde ebenso wie sein Kollege Jörg Jaksche nur für ein Jahr gesperrt.

Ex-Profi Rolf Aldag, zur damaligen Zeit Sportlicher Leiter beim Team Telekom, war von der Nachricht am Freitag nicht sonderlich überrascht: "Sinkewitz ist ein Thema für sich. Es gibt Radfahrer, da sage ich: Ich wundere mich nicht mehr."

Weiter sagte Aldag: "Es gibt Leute, die verstehen es nie. Letzten Endes entscheidet der Rennfahrer, ob er verbotene Mittel nimmt."

Neues Testverfahren

Sinkewitz ist der erste Radprofi, der den Dopingfahndern durch ein neues Testverfahren ins Netz ging.

Durchgeführt wurde die Analyse im IOC-Labor in Lausanne. Die Suspendierung bleibt so lange in Kraft, bis eine Anhörung geklärt hat, ob es sich um einen Dopingverstoß handelt.

Sinkewitz kann nun die Öffnung der B-Probe beantragen.

Spießrutenlauf vor dem Comeback

Patrik Sinkewitz hatte am 27. Februar 2009 sein Comeback nach 594 Tagen Rennpause gegeben. Damals fuhr er für das das zweitklassige Team PSK Whirlpool.

Vor seinem Comeback bei PSK hatte Sinkewitz in der Radsportszene einen Spießrutenlauf hinter sich. Da er Kollegen, Ärzte und Teamchefs belastet hatte, galt er im Radsport als Nestbeschmutzer.

Später wechselte er zum italienischen Team ISD. Ex-Profi Jörg Ludewig hatte den Kontakt hergestellt. Bei dem Rennstall arbeitet der frühere Starsprinter Mario Cipollini als PR-Manager.

"Kein Sportler betreibt Doping als Hobby"

Im August erhielt Sinkewitz einen Anschlussvertrag für dieses Jahr. Es war der Lohn für seine guten Leistungen: Bei der Portugal-Rundfahrt 2010 hatte er als Vierter das Podium lediglich um sieben Sekunden verpasst.

Vor seinem Comeback hatte Patrik Sinkewitz erklärt: "Kein Sportler betreibt Doping als Hobby, er wird durch Erfolgsdruck und Angst vor Versagen dazu getrieben."

Die Erkenntnis scheint ihn wieder eingeholt zu haben.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel