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Patrik Sinkewitz' größter Erfolg war der Gewinn der Deutschlandtour 2004 © getty

Ex-Kronzeuge Sinkewitz steht im Kreuzfeuer der Kritik - und taucht ab. Sein Ex-Anwalt zögert. Eine lebenslange Sperre droht.

München - Patrik Sinkewitz ist am Wochenende auf Tauchstation gegangen.

Hatte sich der Doping-Kronzeuge einst öffentlichkeitswirksam als geläuterter Athlet ins rechte Licht gerückt, herrschte nach der neuerlichen positiven Dopingprobe Funkstille.

Auch auf seiner Homepage war der frühere Hoffnungsträger des deutschen Radsports noch in Jubelpose zu sehen, während sich in seinem "Gästebuch" die Schimpftiraden häuften.

"Schon wieder einer, dem man eine Luftpumpe in die Speichen stecken muss", schrieb da etwa ein enttäuschter Fan, ein anderer merkte an: "Dafür sollst du in deinem Leben kein Glück mehr haben." (DATENCENTER: Radsport 2011).

Es droht eine lebenslange Sperre

Das Glück hatte Sinkewitz bereits am 27. Februar verlassen, als er beim GP di Lugano als erster Radprofi positiv auf das Wachstumshormon HGH getestet worden war.

Eine lebenlange Sperre droht dem 30-Jährigen nun als Wiederholungstäter. Kein Wunder, dass in der Radsport-Szene das Kopfschütteln groß war.

"Ich war nicht sein Freund und habe ihm alle Schandtaten der Welt zugetraut, aber so viel Blödheit auf einem Haufen nicht", sagte der frühere Gerolsteiner-Teamchef Hans Michael Holczer.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

"Ganz schlechtes Signal für den Radsport"

Holczer hatte einst selbst in einem Fernseh-Streitgespräch Bekanntschaft mit Sinkewitz gemacht, ähnlich erging es Rolf Aldag als Sportlicher Leiter von T-Mobile.

"Es gibt Leute, die verstehen es nie. Ein Patrik Sinkewitz würde in unserem Team nie einen Platz bekommen, genauso wie Riccardo Ricco."

An eine weitere Karriere ist bei Sinkewitz ohnehin nicht mehr zu denken, so denn die B-Probe das Ergebnis bestätigt. Der Schaden wäre jedenfalls groß, wie Sinkewitz' früherer Anwalt Michael Lehner anmerkt.

"Das wäre ein ganz schlechtes Signal für den Radsport", so der Sportrechtler. Es blieben die Spekulationen, ob es ohne Doping nicht geht oder ob es die Mentalität ist.

Entlassung - im Falle einer Bestätigung

Lehner, der den 30-Jährigen im letzten Verfahren vertreten hatte, wurde vom früheren Deutschland-Toursieger noch nicht kontaktiert.

"Ich weiß auch nicht, ob ich den Fall übernehmen würde. Ich will den Athleten nicht vorverurteilen. Wenn es so wäre, wäre ich auch ziemlich enttäuscht. Schließlich habe ich ihn damals durch die Kronzeugenregelung gepaukt und mich persönlich sehr engagiert", sagte der Anwalt.

So bleibt fraglich, ob Sinkewitz die Öffnung der B-Probe überhaupt beantragen wird. Sein aktuelles Team Farnese Vini-Neri schloss sich der vorläufigen Suspendierung durch die UCI bereits an.

"Wir warten auf die Analyse der B-Probe, um den Athleten im Falle einer Bestätigung zu entlassen", teilte der Rennstall mit.

NADA federführend

Im bevorstehenden Sanktionsverfahren wird erstmals die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) federführend sein.

"Im Endeffekt wird es die NADA machen. Wir haben ein Abkommen mit der NADA beschlossen, dass das Ergebnismanagement rückwirkend zum 1. Januar 2011 an die NADA übertragen wird", sagte Udo Sprenger als Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

Aktuell liegt der Fall beim Weltverband UCI. Sinkewitz hat nun die Möglichkeit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen. Danach wird der Fall an den BDR als zuständigem Verband und schließlich an die NADA weitergeleitet.

"Wir stehen in Kontakt mit dem BDR und werden zu gegebener Zeit das Ergebnismanagement übernehmen", ergänzte NADA-Sprecher Berthold Mertes. Die NADA wäre dann auch die Institution, die eine Strafe beantragen müsste. Das Urteil würde dann die Deutsche Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) treffen.

Sinkewitz profitierte von Kronzeugenregelung

Patrick Sinkewitz war bereits am 8. Juni 2007 positiv auf Testosteron getestet worden.

Der Fall, der während der Tour de France publik wurde, hatte damals für große Aufregung gesorgt. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender zogen sich daraufhin mit sofortiger Wirkung aus der Live-Berichterstattung zurück.

Sinkewitz hatte in der Folgezeit ein umfangreiches Geständnis abgelegt und auch über Dopingpraktiken im T-Mobile-Team bis 2006 ausgesagt.

Daraufhin profitierte der frühere Deutschland-Tour-Sieger von der Kronzeugenregelung und wurde ebenso wie sein Kollege Jörg Jaksche nur für ein Jahr gesperrt.

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