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Gelbe Tage: Stefan Schumacher (M.) trug zwei Tage das Gelbe Trikot © getty

Für die deutschen Starter endet eine erfolgreiche Tour de France. Das vom Aus bedrohte Gerolsteiner-Team macht Werbung in eigener Sache.

Paris - Zwei Etappensiege, zwei Tage im Gelben Trikot und kämpferisch wie kaum ein anderer im Peloton.

Als Stefan Schumacher nach seinem zweiten Zeitfahrsieg zum insgesamt dritten Mal auf dem Podium stand, hatte er den Tour-Auftritt des Gerolsteiner-Teams endgültig veredelt.

"Das ist absoluter Wahnsinn. Diese drei Wochen übertreffen alle meine Erwartungen", erklärte Teamchef Hans-Michael Holczer. "Schumi" als überragender Zeitfahrer und Bergkönig Bernhard Kohl als Dritter der Gesamtwertung hatten dem Rennstall die mit Abstand beste Frankreich-Rundfahrt seiner Geschichte beschert.

Als erfolgreichster deutscher Tour-Starter seit Jahren sorgte Schumacher für die Highlights der Mannschaft.

Dreiwöchiger Lauf

Erstmals seit Erik Zabels Dreifach-Triumph 2001 gewann ein Deutscher wieder mehr als eine Etappe in der Großen Schleife.

Noch größere Signalwirkung schrieb Holczer jedoch den ersten "gelben Tourtagen" der Equipe im sechsten Jahr bei der Rundfahrt zu. "Nichts wird im Radsport so wahrgenommen, wie dieses Trikot. Wir haben seit unserem Debüt 2003 fünf Jahre geübt, damit es im sechsten Anlauf endlich klappt", sagte der 54-Jährige.

Schumachers Überraschungscoup beim Zeitfahren der vierten Etappe war für die Mineralwasser-Truppe der Startschuss für einen dreiwöchigen Lauf.

Kohl auf dem Podium

"Ich glaube, keiner hat uns zugetraut, als Team so eine Tour zu fahren. Ich habe mit dem Sieg im ersten Zeitfahren den Auftakt gemacht. Das Gelbe Trikot hat uns dann als Mannschaft einen enormen Schub gegeben", sagte der Zweifach-Etappensieger aus Nürtingen.

Gemeinsam mit Kohl bildete er das "erfolgreichste Zimmer" dieser Tour: "Bernhard und ich haben uns gegenseitig hochgepuscht. Wir haben uns ein Zimmer geteilt und sind richtige Kumpels."

Weil neben Schumacher auch Kohl im abschließenden Kampf gegen die Uhr nochmals über sich hinauswuchs, durfte sich die Gerolsteiner-Mannschaft am Ende auch noch über ihren ersten Podestplatz in Paris freuen.

"Nicht mehr viel Zeit"

"Wer jetzt noch nicht erkannt hat, welche Power in diesem Team steckt, wird es nie merken", meinte Holczer mit Blick auf seine bislang noch ergebnislosen Vertragsgespräche mit potentiellen neuen Sponsoren.

Doch die letzten drei Wochen könnten dem Schwaben nun zum Durchbruch verhelfen. "Es gibt auf jeden Fall Bewegung, aber wir haben auch nicht mehr viel Zeit."

Für Schumacher ist indes klar, dass die Mannschaft auch über diese Saison hinaus eine Zukunft hat: "Wenn wir nach dieser Tour keinen Sponsor finden, verstehe ich die Welt nicht mehr. Aber ich bin zuversichtlich, dass es mit der Equipe weitergeht", so der 27-Jährige.

Burghardts Etappensieg

Mit einer erfolgreichen Flucht sorgte unterdessen der gebürtige Sachse Marcus Burghardt vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia für den dritten deutschen Tagessieg.

Bei seiner zweiten Tourteilnahme hatte sich der 25-Jährige lange Zeit in den Dienst seiner Mannschaft gestellt, um am Ende - quasi als Belohnung - grünes Licht für seine Alleinfahrt zu erhalten.

Am Ende eines 150 km langen Husarenritts nach St. Etienne ließ sich der Wahl-Schweizer den größten Erfolg seiner Karriere ("Ich habe mir einen Traum erfüllt") nicht mehr nehmen.

Ciolek im Schatten

Starke Leistungen zeigte auch sein Teamkollege Gerald Ciolek, der als Sprinter in den ersten zwei Tour-Wochen allerdings im Schatten von Columbias Trumpf-Ass Mark Cavendish (Großbritannien) stand.

Die Zukunft des erst 21 Jahre alten Pulheimers liegt daher in einem Wechsel zum Milram-Rennstall, wo der ehemalige U23-Weltmeister die Nachfolge von Routinier Zabel antreten soll.

Das neben Gerolsteiner zweite deutsche Top-Team könnte sich - abhängig von Holczers Sponsoren-Suche - ohnehin zum Sammelbecken für deutsche Radprofis entwickeln.

Gerdemann auf dem Zettel

Neben Ciolek, dessen Wechsel so gut wie perfekt ist, steht auch der in Frankreich verletzungsbedingt fehlende Linus Gerdemann (Freiburg) auf dem Wunschzettel ganz oben.

Das diesjährige Tour-Team um Kapitän Zabel konnte sich dagegen nur selten in Szene setzen. Als bester Fahrer der Mannschaft erreichte der Bonner Christian Knees den 29. Rang der Gesamtwertung.

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