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Umstrittenes Erfolgs-Duo: Carlos Sastre mit CSC-Teamchef Bjarne Riis © imago

Sastre hat einen Aufstieg vom Kletterer und Helfer zum Toursieger hinter sich. Stets an seiner Seite: Problemfiguren der Sportart.

Paris - Carlos Sastre verliert nicht viele Worte, dafür lässt er Gesten sprechen.

Als bei seiner Zieldurchfahrt im letzten Zeitfahren sein Toursieg praktisch feststand, bekreuzigte sich der Spanier und zeigte mit dem ausgestreckten Arm in den Himmel.

Den größten Erfolg in seiner Karriere widmete der einstige Edeldomestike und heutige Kapitän des CSC-Teams seinem nach schweren Depressionen an Herzversagen verstorbenen Freund und Rennfahrer-Kollegen Jose Maria Jimenez, mit dessen Schwester Piedi der Radprofi zudem verheiratet ist.

"Er war in meinem Herzen bei mir. Diesen Sieg habe ich auch für ihn errungen", erklärte der 33-Jährige am Abend vor seiner Triumphfahrt am Sonntag auf den Pariser Champs-Elysees.

"Bin ein leiser Mensch"

Über Gefühle wollte Sastre ansonsten nicht sprechen: "Es fällt mir schwer, meine Emotionen auszudrücken. Ich bin eher ein leiser Mensch."

Seine Stärke sei eher das Zuhören, erklärte der Mann im Gelben Trikot - und genau das scheint das Geheimnis seines Erfolgs zu sein: "Ich habe viel von meinen Mannschaftskollegen und unserem Teamchef Bjarne Riis profitiert. Die Kommunikation stimmt und hat mich stark gemacht", betont der Madrilene.

In der Lehre bei Saiz

In seiner zwölfjährigen Profikarriere hat Sastre schon einige Leitfiguren gehabt - nicht alle mit einem einwandfreien Leumund.

So erlebte er seine Lehrjahre im Once-Team des zwielichtigen Manolo Saiz, der 2006 gemeinsam mit Doping-Arzt Fuentes im Mittelpunkt der Puerto-Affäre stand.

"Manolo hat mir beigebracht zu leiden und hart zu trainieren. Er war seiner Zeit zehn Jahre voraus", lobt er seinen langjährigen Mentor, um sich bei allen Fragen nach den Zweifeln an Saiz lieber in Schweigen zu hüllen.

Helfer von Basso

Nach seinem Wechsel von Once zu CSC 2002 wurde Sastre dann vom französischen Rad-Idol Laurent Jalabert geprägt. "Jaja hat mir beigebracht, wirklich Spaß am Radfahren zu haben. Das hat mir sehr geholfen", sagt Sastre.

Später stieg er in dem dänischen Rennstall zum Helfer von Kapitän Ivan Basso auf, der nach seinen Tourplätzen drei (2004) und zwei (2005) vor zwei Jahren als geständiger Fuentes-Kunde gesperrt wurde.

Der Fall des Italieners machte den Aufstieg des Kletterspezialisten Sastre erst möglich.

Schwäche im Zeitfahren

Als Not-Kapitän und Ersatz für den kurzfristig ausgeschlossenen Basso wurde er bei der Tour 2006 Vierter und gelangte durch die nachträgliche Disqualifikation des Siegers Floyd Landis schließlich sogar aufs Podium.

Im letzten Jahr verpasste er erst durch seine Schwäche im Zeitfahren am Ende der Tour als Vierter knapp die Top-Drei.

Vertrauen von Riis

Inzwischen hat er offenkundig auch im Kampf gegen die Uhr dazugelernt und sich das Gelbe Trikot einen Tag vor Paris nicht mehr nehmen lassen. Eine Entwicklung, die er wiederum Riis zuschreibt, der in seinem CSC-Team noch aus beinahe jedem mittelmäßigen Zeitfahrer einen Siegertypen gemacht hat.

Dass auch sein heutiger Teamchef eine Doping-Vergangenheit (EPO beim Toursieg 1996) hat, steht für Sastre auf einem anderen Blatt. Für ihn ist vor allem "das Vertrauen wichtig", dass Riis in ihn gesetzt hat.

"Ich bin sauber"

Und zum Thema Doping hält er dann doch noch einen deutlichen Satz bereit: "Ich bin sauber. Und ich glaube auch, dass der Radsport weitgehend sauber ist."

Die Gegenbeispiele sind ihm in der Vergangenheit wohl dennoch begegnet.

Aber dazu schweigt Sastre.

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