vergrößernverkleinern
Wie lange fährt das deutsche Milram-Team noch? © imago

Der Hauptsponsor dreht wohl bei Milram den Hahn zu. Beim letzten deutschen Profi-Team wird man von der Entwicklung überrumpelt.

Von Tobias Schröter und Wolfgang Kleine

Nun droht auch dem letzten deutschen Profi-Radsport-Team das Aus.

Die Nordmilch AG, Hauptgeldgeber des Milram-Teams, plant offenbar nach den jüngsten Imageschäden der Sportart einen schnellstmöglichen Ausstieg aus dem Sponsoring.

"Wir bestätigen, dass das Engagement der Nordmilch AG im Profiradsport derzeit von uns überprüft wird", bestätigt Godja Sönnichsen, Pressesprecherin des Unternehmens, gegenüber Sport1.de. "Über die weitere Entwicklung werden wir die Öffentlichkeit zu gegebenem Zeitpunkt informieren."

Transfers zeigen Unwissen

Eine scheinbar kurzfristige Entwicklung, von der man in der Teamleitung komplett überrascht wurde, wie ein Sprecher gegenüber Sport1.de bestätigte. "Ich habe von Seiten Milrams noch nichts gehört. Fakt ist, dass ich einen Zweijahresvertrag habe und meine Saison weiter so plane wie bisher", sagte Topfahrer Linus Gerdemann.

Dass man in Dortmund keine Vorahnung von den Plänen des nordischen Milchfabrikanten hatte, unterstreichen die jüngsten Transferaktivitäten, die Milram tätigte.

Mit viel Geld und großem Aufwand wurden die Deutschen Gerald Ciolek und Linus Gerdemann geholt, der mit seinem Saubermann-Flair dem Rennstall das dopingbeschmutzte Radsport-Image aufpolieren sollte.

"Keiner schaut mehr hin"

Für die Nordmilch AG hingegen scheint die weitere Investition in den Radsport nicht mehr tragbar.

Die Dopingfälle Kohl und Schumacher schädigten den Ruf weiter, das Aussteigen von "ARD" und "ZDF" aus der Berichterstattung der Tour de France machen den Radsport immer weniger rentabel.

Aufsichtrats-Chef Otto Lattwesen fasste das Dilemma gegenüber der "FAZ" so zusammen: "Wir sind das einzige deutsche Radteam, aber keiner schaut mehr hin."

Auch wirtschaftliche Gründe?

Ebenso könnten finanzielle Schwierigkeiten den Ausschlag zu den Rückzugs-Gedanken der Nordmilch AG gegeben haben.

Milch- und Finanzkrise haben das Unternehmen sicherlich nicht verschont, das Loswerden des Radsport-Ballasts (die Investitionen sollen acht Millionen Euro betragen) wäre da eine willkommene Erleichterung.

Bestätigen wollte man gegenüber Sport1.de keine der Versionen.

"Dazu kann ich keine Auskunft geben, das ist Sache der Rechtsanwälte", so Godja Sönnichsen auf die Frage, ob das schlechte Image des Radsports oder wirtschaftliche Probleme der Grund für das Überdenken seien.

Radsport-Fürsprecher entlassen

Ein weiterer Hinweis auf ein baldiges Ende des letzten deutschen Profi-Teams ist eine Personalie innerhalb der Nordmilch AG.

Das Bremer Unternehmen trennte sich vor kurzem von Martin Mischel, der als Marketing-Boss auch für das Rennstall-Sponsoring zuständig war und als größter Radsport-Fan in der Firma galt.

Damit scheint jeglicher Rückhalt für den Radsport dahin, zumal es im Aufsichtsrat immer schon Vorbehalte gegen das Sponsoring gegeben hatte.

Ein Drittel der zwölf Mitglieder habe Missfallen geäußert, "der Rest ist Mischel gefolgt", so Lattwesen gegenüber der "FAZ".

Zum Forum - Jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel