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Alberto Contador gewann als erst fünfter Fahrer alle drei großen Rundfahrten © getty

Der dopingverdächtige Spanier geht das anspruchsvolle Profil der Rundfahrt als Favorit an. Die Deutschen setzen auf Etappensiege.

Turin - Alberto Contador. Er ist der Mann, den es zu schlagen gilt beim Giro d'Italia 2011, den viele Experten als schwerste Italien-Rundfahrt der Geschichte bezeichen.

Der Spanier, bei der Tour de France 2010 dreimal positiv auf Clenbuterol getestet, könnte allerdings zu einem Sieger auf Zeit werden - auf sehr kurze Zeit, denn im Juni verkündet der Internationale Sportgerichtshof CAS sein Urteil.

Contador drohen zwei Jahre Sperre und die Aberkennung aller Siege seit Juli 2010 (DATENCENTER: Radsport 2011).

Doch bis es so weit ist, darf sich der kleine Spanier unbekümmert in den Pelotons tummeln.

Italien feiert Geburtstag

So eben auch beim Giro, mit dessen Prolog am Samstag Italien den 150. Jahrestag seiner Gründung als moderner Staat feiert. Ein Mannschafts-Zeitfahren über 19,3 Kilometer in der einstigen Hauptstadt Turin ist der Auftakt zu 3524, 5 Kilometern mit acht Hochgebirgsetappen, sechs Bergankünften und nur fünf flachen Teilstücken für die Sprinter.

Damit ist das Profil des Giro deutlich anspruchsvoller als das der Tour de France mit ihren sechs Berg- und neun Flachetappen.

Der Küste entlang zum Ätna

Von Turin geht es am Sonntag an der Küste entlang Richtung Sizilien, wo am Ende der ersten Woche der Ätna befahren wird.

An der Ostküste führt der Weg zurück nach Norden in die Alpen und die Dolomiten, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen durchquert werden. Hier, sagt Contador, werde der Giro entschieden.

Konkurrenz dünn gesät

Kaum vorstellbar, dass die Konkurrenz dem Kapitän des Saxo-Bank-Teams, der den Giro bereits 2008 gewann, im Hochgebirge ernsthaft Paroli bieten kann.

Zum Kreis der Anwärter auf eine vordere Platzierung zählen unter anderem Lampre-Kapitän Michele Scarponi und der amtierende Vuelta-Sieger Vincenzo Nibali vom Team Liquigas. Sie könnten sich nach den 21 Etappen im Ziel am 29. Mai in Mailand das Siegertreppchen mit Contador teilen.

Wegmann hofft auf Etappensieg

Wohl keiner der sechs deutschen Fahrer wird im Gesamtklassement des Giro 2011 eine Rolle spielen.

Fabian Wegmann vom Team Leopard, 2004 der Bergkönig der Italien-Rundfahrt, hofft aber auf einen Etappensieg (Frankfurt: Degenkolb verdirbt Wegmann-Hattrick).

"Gerade die ersten Teilstücke kommen mir vom Profil her sehr entgegen, da werde ich immer wieder mein Glück versuchen", sagte der 30-Jährige im Gespräch mit "Eurosport" und kritisierte das Profil der Rundfahrt: "Der Giro will eben irgendwie mit der Tour mithalten, aber solche Extreme sind eher nicht der richtige Weg. Zumindest Überraschungssieger wird es nicht geben."

Martin und Greipel nicht dabei

Neben Wegmann wollen vor allem die Sprinter Danilo Hondo (Lampre) und Gerald Ciolek (Quick Step) ihr Glück auf den frühen Flachetappen suchen, um dann auf dem Weg ins Hochgebirge auszusteigen und sich gezielt auf die Tour de France vorzubereiten.

Ähnlich wird es vermutlich Starsprinter Mark Cavendish (HTC Highroad) halten. Deutschlands Spitzenfahrer Tony Martin und Andre Greipel verzichten auf einen Start beim Giro.

Verdächtigter Ballan aus dem Team genommen

Ex-Weltmeister Alessandro Ballan fehlt ebenfalls, wenn auch nicht freiwillig. Der US-Radrennstall BMC hat Ballan und dessen italienischen Landsmann Mauro Santambrogio aus seinem Giro-Aufgebot gestrichen.

Im Zuge der neuen Doping-Untersuchungen in Italien ermittelt Chefankläger Ettore Torri auch gegen die beiden früheren Fahrer des Lampre-Teams.

Ballan, der 2007 die Flandern-Rundfahrt gewann und 2008 Weltmeister wurde, wird eine Eigenbluttransfusion vor dem Giro 2009 vorgeworfen, an dem der heute 31-Jährige allerdings gar nicht teilgenommen hatte.

UCI ruft "No Needle"-Politik aus

Der Weltverband UCI und der italienische Radsportverband haben sich unterdessen kurz vor dem Start des Giro auf ein härteres Vorgehen im Anti-Dopingkampf geeinigt.

Während der italienische Verband die Dopingsperren bei Erstvergehen von zwei auf vier Jahre verdoppelte, verbietet die UCI alle Injektionen, "auch von Zuckerpräparaten oder Vitaminen".

Teams und Fahrern, die gegen die "No Needle"-Politik ohne zwingende medizinische Gründe verstoßen, drohen Geldstrafen von bis zu 100.000 Schweizer Franken (78.400 Euro) beziehungsweise Sperren von bis zu sechs Monaten.

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