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Lance Armstrong fuhr die Tour de France erstmals 1993 als 21-Jähriger © getty

Entgegen aller Versprechungen ruht das "gläserne" Programm des Lance Armstrong. Der Tour-Rekordsieger sei schwer zu fassen.

Santa Cruz/Teneriffa - Triumphale Rückkehr oder Albtraum für eine ganze Sportart: Rekordsieger Lance Armstrong hat für seine Comeback-Tournee auch den Start bei der Tour de France 2009 angekündigt und stellt die berühmteste Bühne des Radsports damit vor eine neue Zerreißprobe.

Der nie des Dopings überführte, aber stets verdächtige siebenmalige Champion hat die Angst vor Übergriffen gewaltbereiter französischer Radsport-Fans dabei erstmal zur Seite geschoben.

"Die französische Regierung und die Organiatoren haben uns Schutz zugesagt", erklärte Armstrong im Interview mit der französischen Tageszeitung "Le Parisien" und betonte, besonders die neuen Tour-Organisatoren ließen ihn optimistisch in seine erste Rundfahrt seit 2005 gehen.

Keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen

Christian Prudhomme erklärte unterdessen, dass Armstrong keine besonderen Sicherheitsmaßnahmen gefordert habe. Der Tour-Direktor betonte, dass der Volksfestcharakter und die Nähe zu den Fans wesentliche Bestandteile der Tour seien.

Von Armstrongs Rückkehr seien die Veranstalter nicht überrascht worden. "Wir hatten kürzlich die Gelegenheit, mit ihm zu sprechen. Dabei sagte er uns, dass er bei der Tour starten und er das vor allem für seine Stiftung machen wolle", sagte Prudhomme der französischen Nachrichtenagentur "AFP".

Pound wartet auf Antwort

Wenig Begeisterung hatte allerdings schon seine Comeback-Ankündigung im Herbst vier Jahre nach dem letzten Tour-Sieg 2005 ausgelöst.

Der dreimalige Tour-de-France-Gewinner Greg Lemond bezeichnete die Rückkehr schlicht als "Albtraum".

Der frühere WADA-Chef Dick Pound wartet immer noch auf Armstrongs Antwort auf die Frage, "wie sechs seiner Dopingproben positiv auf Epo getestet werden konnten".

"Gläsernes" Programm ruht

Armstrong selbst will sich in Zusammenarbeit mit dem US-Antidoping-Experten Don Catlin künftig als "gläserner Athlet" präsentieren, doch bislang ist in dieser Beziehung noch nicht viel passiert.

"Es ist sehr schwierig zu organisieren", sagte Armstrong am Montag, und Catlin gab zu, Armstrong noch nicht getestet zu haben. "Er ist ein bewegliches Ziel. Mit ihm Schritt zu halten und ihn zu testen verlangt viel Planung. Es hat halt noch nicht alles zusammen gepasst."

Zumindest die nationale Anti-Doping Agentur USADA sowie der Weltverband UCI haben Armstrong aber erwischt und mittlerweile siebenmal getestet.

Der Heidelberger Dopingjäger Werner Franke nennt Armstrongs Ankündigungen dennoch ohnehin "eine reine Show-Aussage. Es gibt sechs positive Befunde von ihm. In jeder anderen Sportart wäre er gesperrt worden. Für mich ist er positiv. Er hat sich der Strafe entzogen."

"Alle feiern gerne Siege"

Vier Jahre nach seinem letzten Erfolg in Paris will sich der einstige Dominator 2009 ganz als Teamplayer geben.

"Ich habe mich verpflichtet, für den besten Fahrer zu fahren", sagte der 37-Jährige, der sich zur Zeit im Training auf der Kanaren-Insel Teneriffa befindet, mit Blick auf seinen Astana-Teamgefährten, den Tour-Sieger von 2007 Alberto Contador aus Spanien.

Neue Erfolge hat Armstrong aber bereits im Visier: "Radsport ist Mannschaftssport. Aber alle feiern auch gerne Siege."

Gerdemann verkneift sich einen Kommentar

Mit seiner Entscheidung für den Frankreich-Start wird Armstrong 2009 erstmals in einem Jahr Giro und Tour in Angriff nehmen.

Was ihn ab dem 4. Juli und dem Start in Monaco erwartet, dürfte auf jeden Fall ein riesiges Medieninteresse sein.

Milram-Profi Linus Gerdemann, der sich zuletzt mit kritischen Äußerungen über das Comeback ("Seine Rückkehr ist nicht unbedingt hilfreich für die Glaubwürdigkeit des Radsports") den Zorn Armstrongs zugezogen hatte, wollte sich diesmal lieber nicht weiter

äußern. "Es ist noch ein halbes Jahr hin. Sehen wir mal, ob er dann am Start ist", sagte Gerdemann.

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