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Das Team Leopard betrauert den Unfalltod seines Fahrers Wouter Weylandt © getty

Die 4. Etappe wird zur emotionalen Gedenkfahrt für den verunglückten Belgier. Seine geschockten Teamkollegen reisen danach ab.

Livorno - Als die Fahrer des Leopard-Teams mit Tränen in den Augen geschlossen über die Ziellinie rollten, läuteten in Livorno die Glocken.

Mit den trauernden Teamkollegen des tödlichen verunglückten Belgiers Wouter Weylandt (Bericht) an der Spitze beendeten die sichtlich mitgenommenen Radprofis eine Etappe, die in die Geschichte des Giro d'Italia eingehen wird.

Tränen, Schweigen und Bestürzung statt des üblichen Spektakels bestimmten am Dienstag das Bild in der italienischen Küstenstadt.

Wegmann: "Finde keine Worte"

"Ich bin schockiert und es ist für mich einfach unfassbar. Ich finde keine Worte, um meine Gefühle über Wouters Tod auszudrücken", meinte Fabian Wegmann, der die letzten Meter Arm in Arm mit seinen sieben verbliebenen Teamkollegen absolvierte.

Der 30-Jährige aus Münster hatte beim Giro das Zimmer mit dem verunglückten Belgier geteilt: "Wouter war ein Freund."

Noch am Dienstagabend beschloss das gesamte Team, aus dem Giro auszusteigen. "Wir haben großen Respekt vor dem Giro und dem Radsport, aber wir können unter diesen Umständen einfach nicht weiterfahren. Wir sind Profis, aber wir glauben, dass dies die richtige Entscheidung ist", sagte Wegmann.

Etappe neutralisiert

"Das war für uns alle keine normale Etappe. Wir widmen Wouter diesen Tag, wir sind nur ihm zu Ehren gefahren", sagte der italienische Meister Giovanni Visconti stellvertretend für das gesamte Feld: "Wir wollten die Trauer mit der Radsportfamilie teilen. Nur deshalb sind wir heute gefahren."

Die vierte Etappe war zuvor neutralisiert worden und ging nicht in die Gesamtwertung ein. Jedes Team führte jeweils für zehn Kilometer das Feld an, zudem gab es wie schon am Montag keine Siegerehrung, die Fahrer trugen Trauerflor. (DATENCENTER: Radsport 2011)

Schweigeminute zu Beginn

Begonnen hatte die traurige Etappe mit einer Schweigeminute, die wohl keiner der Beteiligten so schnell vergessen wird. Im Hafen von Genua spielte eine Militärkapelle einen Trauermarsch, ehe Fahrer, Zuschauer und Offizielle zum Teil mit Tränen in den Augen des Toten gedachten.

Anschließend ging es für den von Weylandts Leopard-Team angeführten Tross in Richtung Livorno, am Straßenrand erinnerten immer wieder Fans mit Weylandts Rückennummer "108" in den Händen und riesigen Trikots an den 26-Jährigen.

Familie besucht Unglücksstelle

Weylandts Vater hatte zuvor die Mannschaft gebeten, weiter zu fahren.

Anschließend besuchte die Familie die Unglücksstelle am Bocco-Pass. Die Eltern des Belgiers und seine schwangere Freundin Anne-Sophie, die im September das gemeinsame Kind erwartet, legten am Straßenrand Blumen nieder.

Die Angehörigen waren noch am Montagabend wenige Stunden nach der traurigen Nachricht nach Mailand geflogen.

"Was mache ich hier überhaupt?"

"Das ist ein unglaubliches Unglück. Er war ein Freund von uns allen", sagte Ex-Sprintstar Mario Cipollini: "Diese Nachricht ist so unglaublich traurig. Aber das ist der Sport. Wir wissen, dass wir Risiken auf uns nehmen."

Stefano Garzelli stellte gar die Sinnfrage: "Ich habe drei Kinder. Da denkt man sich schon: 'Was mache ich hier überhaupt?'"

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