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Erik Zabel (l., mit Leif Lampater) steigt als Berater beim Team Columbia ein © imago

Kurz nach dem Karriere-Ende schnuppert Erik Zabel schon in seinen neuen Job rein - und kehrt dabei zurück zu den Wurzeln.

Palma de Mallorca - Gut gelaunt radelt Erik Zabel über die Urlaubsinsel Mallorca.

Hier ein Flachs mit Kumpel Rolf Aldag, da ein Ratschlag an den jungen Andre Greipel.

Es fällt kaum auf, dass der Altmeister im Dress des Columbia-Konkurrenten Milram unterwegs ist.

Alte Rivalitäten spielen für Zabel ohnehin keine Rolle. Er blickt lieber nach vorn, will Neuland betreten. Im nächsten Jahr wird er als Sprinter-Berater Teil eines Experiments beim T-Mobile-Nachfolger Columbia.

"Eine Bereicherung für das Team"

"Ich kenne ihn ewig lang, mir kommt das natürlich entgegen. Er ist eine Bereicherung für das Team", sagt Aldag.

Sein alter Wegbegleiter Zabel soll sein taktisches Wissen aus 16 Jahren Profi-Radsport und über 200 Siegen an die junge Sprinter-Garde um den Briten Mark Cavendish und den Rostocker Greipel weitergeben. Das Pilot-Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt, Zabel agiert als Teilzeitkraft.

Geld spielt keine Rolle

Mit verschränkten Armen, die Sonnenbrille lässig über die Wollmütze geschoben, steht Zabel in der Wintersonne der Mittelmeer-Insel und steckt mit Columbia-Boss Bob Stapleton die Ziele ab. Der Milliardär will aus seinen talentierten Jungstars mit Zabels Hilfe das Optimale rausholen.

"Sie sollen sich nicht nach dem Prinzip 'learning by doing' entwickeln. Sie sollen Fehler vermeiden", erklärt Aldag die Vision seines Chefs.

Zabel hält sich auf Mallorca fit für seine letzten Auftritte bei Sechstagerennen. Es geht ihm jedoch auch darum, einen Platz im Radsport zu finden. Geld spielt für den gebürtigen Berliner dabei keine Rolle, sondern eher die Liebe zu seinem Sport.

Rückkehr zu den Wurzeln

Für den sechsmaligen Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France ist die Anstellung bei Columbia eine Rückkehr zu den Wurzeln. Für die Vorgänger-Rennställe Telekom und T-Mobile trat Zabel von 1993 bis 2005 in die Pedale. Nach seinem Doping-Geständnis ließ er bei Milram die Karriere ausklingen. Nun ist er wieder zu Hause.

Neben aller Freude steckt hinter der Anstellung bei Stapleton ein knallhartes Geschäft. Mit modernsten Mitteln soll Zabel dem viermaligen Tour-Etappensieger Cavendish zu weiteren Großtaten verhelfen. Dazu zählen die genaue Streckenbesichtigung von Zielgeraden und penible Videoanalysen.

Premiere bei Mailand - San Remo

Das Engagement des Altmeisters soll sich erstmals bei seinem Lieblingsrennen Mailand-San Remo auszahlen, das Zabel selbst viermal gewann. "Da weiß er beim letzten Berg natürlich am besten, wie man sich bei einem bestimmten Wind verhalten muss oder welchen Gang man treten sollte", sagt Aldag.

Gewinnt Cavendish den Klassiker wirklich, werden sich Aldag und Zabel jubelnd in den Armen liegen. Ganz wie in alten Zeiten.

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