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Hamilton (l.) und Armstrong fuhren von 1999 bis 2001 beide für das US Postal Team © getty

Armstrongs ehemaliger Teamkollege unterstellt dem Weltverband, über Dopingvergehen des Amerikaners hinweggesehen zu haben.

Los Angeles/München - Der Radsport-Weltverband UCI soll eine positive Dopingprobe des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong von der Tour de Suisse 2001 verheimlicht haben.

Das behauptete Armstrongs früherer Teamkollege Tyler Hamilton in der Sendung "60 Minutes" im US-Sender "CBS".

"Ich weiß, dass er einen positiven Test hatte. Er hat es mir mal ganz nebenbei erzählt und wirkte dabei total entspannt. Er hat sogar darüber gelacht", sagte der zweimal des Dopings überführte Zeitfahr-Olympiasieger von 2004.

Der Verband soll das Testergebnis seinerzeit bewusst nicht öffentlich gemacht haben.

UCI bestreitet Vorwürfe

"Ich kenne nicht alle Details, aber Leute aus Lances Team und Leute von der anderen Seite, ich glaube Leute aus dem Verband, haben einen Weg gefunden, darüber hinwegzusehen. Das hat Lance mir erzählt", sagte Hamilton weiter.

CBS führte als Beleg die Aussage eines Schweizer Laborleiters an die amerikanische Bundespolizei FBI an, wonach ein UCI-Mitglied dem fraglichen Test keine Konsequenzen folgen lassen wollte und stattdessen nur ein Treffen mit Armstrong anberaumte.

UCI weist Beschuldigung zurück

Die UCI teilte jedoch mit, dass es von 2001 bis 2003 keinen positiven Test von Armstrong gegeben habe: "Und die Wahrscheinlichkeit einer Vertuschung ist gleich Null."

Dessen Anwalt Mark Fabiani warf "CBS" einen "Mangel an journalistischer Fairness" und "Sensationsberichterstattung" vor.

Weltverband "tief geschockt"

Der Weltverband wies in einer schriftlichen Stellungnahme "tief geschockt" alle Vorwürfte kategorisch von sich: "Die UCI kann nur ihre Empörung ausdrücken angesichts des letzten Versuchs eines Fahrers, der nicht gezögert hatte, das Vertrauen der Radsport-Anhänger zu missbrauchen, den Sport zu beschädigen."

Die UCI bekräftigte gleichzeitig, dass es niemals auch nur einen positiven Dopingtest bei Armstrong gegeben habe.

Hincapie angeblich Augenzeuge

Am Wochenende war neben Hamilton auch Armstrongs langjähriger Teamkollege George Hincapie mit neuen Dopingvorwürfen gegen den Texaner zitiert worden.

Hincapie soll laut dem TV-Sender bei den Ermittlungsbehörden ausgesagt haben, Augenzeuge der Dopingpraktiken Armstrongs gewesen zu sein.

Hincapie dementiert Aussage

Hincapie dementierte die Aussagen jedoch über Twitter:

"Ich kann nichts kommentieren, was mit den laufenden Ermittlungen zu tun hat. Ich kann nur sagen, dass ich nicht mit CBS gesprochen habe. Ich habe keine Ahnung, woher die ihre Informationen haben."

CBS wollte die Quelle nicht nennen.

Armstrong stritt sämtliche Anschuldigungen auf seiner Internetseite energisch ab: "Wir sind zuversichtlich, dass die Aussagen, die Hincapie gemacht haben soll, falsch und die Berichte unwahr sind."

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