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Rolf Aldag gab am 24. Mai 2007 zu, jahrelang gedopt zu haben © imago

HTC-Sportdirektor Aldag glaubt an einen Contador-Freispruch - wegen gedopter Fußballer. Das Anti-Doping-Programm versage hier.

München - Rolf Aldag, Sportdirektor des Radrennstalls HTC-Highroad, hat kein Verständnis dafür, dass Titelverteidiger Alberto Contador bei der 98. Tour de France (2. Juli bis 24. Juli) am Start steht.

"Wir haben eine Substanz, die auf der Liste steht, und wir haben eine positive A- und B-Probe. Da ist mir absolut unerklärlich, wieso Contador nicht gesperrt wird", sagte Aldag.

Contador wurde bei der Tour 2010 positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet, die finale Entscheidung über eine Sperre fällt nach monatelangem Hin und Her jedoch erst Anfang August - also nach der Frankreich-Rundfahrt - vor dem internationalen Sportgerichtshof in Lausanne.

Contador, dem der Verlust seines letztjährigen Sieges droht, hat großes Vertrauen in seine Anwälte und sieht der Anhörung inzwischen gelassen entgegen.

Aldag erwartet Freispruch Contadors

Nach Ansicht Aldags versagt in diesem Fall das Anti-Doping-Programm im Radsport.

"Das Problem ist, dass man das System hinterfragen muss. Entweder es gibt dort einen Fehler, dann muss man ihn eingestehen und darf den Fahrer nicht weiter beschädigen. Oder es gibt den Fehler nicht, dann muss man aber auch das Reglement anwenden", sagte der 42-Jährige.

Es dürfe sich aber nicht wie bei Contador über Jahre hinziehen. Inzwischen erwartet der Ex-Radprofi einen Freispruch des Spaniers.

"Ich glaube, jetzt kommt er raus, weil fünf mexikanische Fußballer positiv auf Clenbuterol waren. Das ist meine persönliche Meinung", so Aldag.

"Das kostet den Sport 30 Millionen"

Den Fußball werde man nicht an die Wand nageln, glaubt Aldag, der auch in diesem Fall Freisprüche erwartet.

Beim Gold-Cup in den USA waren im Juni positive Dopingproben bei fünf Nationalspielern Mexikos bekannt geworden, die wie bei Contador auf verseuchtes Fleisch zurückgeführt wurden. Ein Nachtest des nationalen Verbandes war dann negativ ausgefallen.

Problematisch sei nach wie vor, dass keine unabhängige Organisation mit dem Anti-Doping-Kampf betraut werde.

"Wenn ich als Verband den Toursieger für positiv erkläre, kostet das den Sport 30 Millionen Euro, denke ich", sagte Aldag. Es müsse eine Institution lösen, die nicht beeinflussbar sei und kein wirtschaftliches Interesse habe.

Keine Ausnahmen bei HTC

In seinem Team HTC-Highroad vertraue man den Fahren nicht blind und behalte Sachen unter Kontrolle.

"Dann hat man eine einigermaßen realistische Chance", sagte Aldag. Es sei zwar utopisch zu sagen, der Sport sei komplett sauber, aber man werde bei HTC bei einem Verdacht sofort handeln.

"Wir haben Verträge, wo wir auch handeln können, die muss man im Zweifelsfall vor Gericht durchfechten. Wir müssen dran glauben, dass es möglich ist, auf allerhöchstem Niveau mitzuhalten."

"Das wird immer auf mir lasten"

Sollte aber der Tag kommen, an dem Aldag die Überzeugung habe, es gehe nicht ohne Doping, würde er seinen Abschied erklären: "Das Allerletzte, was ich machen werde in meinem Leben, ist, vor einem Rennfahrer zu stehen und zu sagen: Wenn du nicht dopst, hast du keine Chance mehr."

Seine persönliche Dopingbeichte am 24. Mai 2007 sei "im positiven Sinne" befreiend gewesen, und bei seiner eigenen Mannschaft versuche er nun zu zeigen, dass es andere Wege gebe.

"Aber wir können die Vergangenheit nicht ändern. Mit dem, was war, und wie ich Fans enttäuscht habe - das wird immer auf mir lasten. Ich verstehe Leute, die mir distanziert gegenübertreten."

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