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Der Amerikaner Greg LeMond wurde 1983 und 1989 Weltmeister auf der Straße © getty

Mit über 30 Kugeln im Körper feiert Greg LeMond Geburtstag. Nach einem "bittersüßen Opfers" räumte er mit einem Mythos auf.

München - Greg LeMonds Weg als Radsport-Legende war vorgezeichnet. Nachweislich. Schließlich steht es so geschrieben.

Auf einem kleinen Notizzettel brachte der Amerikaner mit 17 Jahren seine sporlichen Ziele zu Papier.

Der wichtigste Aspekt des Vier-Punkte-Plans: Mit 25 die Tour de France gewinnen. Utopie? Vermessenheit? Für LeMond ein Wunsch, den er sich mit dem Tour-Sieg 1986 im Alter von 25 Jahren und 31 Tagen erfüllte.

"Ich habe die Liste damals nach einem Sommertrip in Europa geschrieben. In Amerika gab es den Mythos, dass wir nicht mit den Europäern mithalten konnten. Nachdem ich dort einige Rennen gewinnen konnte, sagte mir die Logik aber: Warum nicht auch vom Sieg bei der Tour de France träumen", sagte LeMond.

"Bittersüßes Opfer" für Hinault

Dabei hätte der Kalifornier seine hochgesteckten Ziele sogar noch früher erreichen können.

1985 als Führungspersönlichkeit ins Team des Franzosen Bernard Hinault gewechselt, musste er sich trotz Siegchancen den Teamvorgaben unterordnen. Beim Pyrenäenanstieg nach Luz Ardiden wartete er auf den schwächelnden Franzosen und zog ihn den Berg hinauf.

Ein "bittersüßes Opfer", durch das es für LeMond am Ende nur zu Platz zwei reichte.

Sieg, auch dank Hinault

Hinault, der seinen fünften Tour-Erfolg feierte, verprach sich zu revanchieren: "Ich werde noch ein Jahr dranhängen, um einem meiner Teamkollegen zum Sieg zu verhelfen. Es soll Greg LeMond sein."

Er hielt Wort und leistete mit seiner Arbeit entscheidenen Beitrag zum ersten Sieg eines Nicht-Europäers beim bedeutsamsten Radrennen der Welt.

Über 30 Kugeln im Körper

Dem historischen Triumph folgte an Ostern 1987 der Schock: LeMond wurde bei einem Jagdunfall in seiner Heimat von der Schrotflinte seines Schwagers in den Rücken getroffen.

"Ich dachte, ich würde sterben", sagte LeMond. Er überlebte wie durch ein Wunder - doch noch heute stecken über 30 Kugeln in seinem Körper, drei davon in seinem Herzen, fünf in der Leber.

Auf seiner Homepage sucht er einen Spezialisten, der ihm helfen kann: "Wenn jemand einen Weg kennt, sie zu entfernen, lasst es mich wissen."

Seine Sorge ist nicht unbegründet, schließlich führen die Projektile zu einer fortdauernden Bleivergiftung.

Tour-Sieg ohne Etappen-Gewinn

In den Augen vieler Experten war LeMonds Karriere nach dem Unglück beendet, in seinem Kopf bastelte der Amerikaner jedoch bereits an einer neuen Liste.

Oberstes Ziel: Die Rückkehr in den Sattel. Das Comeback gelang.

1989 siegte LeMond bei der knappsten Entscheidung der Tour-Geschichte mit acht Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Laurent Fignon. Ein Jahr später brachte er das Kunststück fertig, das Rennen ohne einen einzigen Etappensieg zu gewinnen.

Diesem und dem Rekord-Sieg als erster Nicht-Europäer hat es LeMond zu verdanken, dass man ihn in Frankreich "Le Monster" nennt.

"Es war der pure, blinde Glaube, der mich durchgebracht hat", sagt LeMond.

LeMond ist Armstrong-Kritiker

Auf seinem aktuellen Zettel steht neben dem Vertrieb seiner eigenen Rennrad-Serie vor allem die Familie. Auf der großen Bühne des Weltradsports tritt LeMond nur noch selten in Erscheinung.

Wenn, dann vor allem als Kritiker seines Landsmanns, des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers Lance Armstrong, dessen legendäre Siege bis heute von Dopinggerüchten getrübt sind.

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