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Rolf Aldag startete insgesamt zehnmal bei der Tour de France © getty

Der Teamchef von HTC-Highroad spricht vor dem Tour-Auftakt über die Chancen von Tony Martin und rät ihm zum Indurain-Stil.

München - HTC-Highroad-Sportdirektor Rolf Aldag wünscht sich für die am Samstag beginnende 98. Tour de France (2. Juli bis 24. Juli) nichts sehnlicher als einmal Gelb.

"Mindestens einmal das Gelbe Trikot, das wäre der Traum", sagte Aldag.

Für den amerikanischen Rad-Rennstall, dessen Fortbestand derzeit offen ist, stehen ansonsten zunächst Etappensiege im Vordergrund.

Eine Spitzenposition im Klassement soll der deutsche Hoffnungsträger Tony Martin einfahren.

Platz in den Top Ten

Martin muss dieses Jahr Farbe bekennen.

"Wenn er ernsthaft Klassementfahrer sein will, dann muss man es jetzt auch angehen", sagte Aldag, der dem gebürtigen Cottbuser aber ohne Weiteres den avisierten Platz unter den ersten Zehn zutraut.

"Er ist gut in Schuss."

Martin wie Indurain

Die Schlüssel dazu werden seine Leistungen im Hochgebirge sowie seine Zeitfahrkünste sein.

Die Qualitäten im Kampf gegen die Uhr kann Martin aber erst bei der vorletzten Etappe in Grenoble ausspielen.

"Er muss in einer Rolle wie früher Miguel Indurain fahren. Nur dranbleiben und die Ruhe bewahren. Wenn er am Berg mal zehn Sekunden verliert, holt er die im Zeitfahren locker raus", so Aldag.

"Schritt für Schritt"

Die Rettung des deutschen Radsports solle von Martin dennoch nicht sofort erwartet werden.

"Man muss sich Schritt für Schritt da herantasten."

Es mache keinen Sinn, eine Prognose abzugeben, was in drei Jahren sei, auch wenn Aldag eine Idee davon habe.

Abwarten bis Etappe 12

Tony Martin sei gereift, habe sich als Mensch entwickelt und die Kapitänsrolle bei HTC angenommen.

"Er kriegt alle Unterstützung, alle Optionen, um im Klassement zu fahren", sagte Aldag.

Nach der 12. Etappe, wenn in den Pyrenäen in Luz Ardiden die erste Hochgebirgsankunft ansteht, wisse man, wo man stehe.

Zugpferd Cavendish

Eine gute Tour wäre für das HTC-Team, wenn mehr als zwei Etappensiege herauskämen.

Dabei werde nicht nur auf Sprinterstar Mark Cavendish (Großbritannien) gesetzt, auch der schnelle Australier Matt Goss spiele eine wesentliche Rolle.

"SInd unter besten Fünf der Welt"

Im deutschen Radsport erkennt Aldag trotz der anhaltenden Krise und der belasteten Vergangenheit großes Potenzial.

"Talentmäßig sind wir unter den ersten Fünf in der Welt", sagte der 42-Jährige.

Sollte sich wieder ein Investor finden, der bereit sei, ein Top-Team in Deutschland aufzubauen, könnte man sehr schnell in die Spitze vorstoßen.

"Wir würden in zwei Jahren zu den drei besten Teams der Welt gehören. Die Typen dafür haben wir."

"Kommen kurz hinter Kenia"

Einige der weltbesten Nachwuchsfahrer kämen derzeit aus Deutschland, gerade in der Sprinterfraktion.

Da könne man fast ein innerdeutsches Duell aufziehen mit Marcel Kittel, Andre Greipel und John Degenkolb.

Mit ihnen wäre auch der Stellenwert des Profiradsports in Deutschland wieder zu verbessern. Derzeit liege man bei den letzten Fünf der Welt.

"Da kommen wir wahrscheinlich kurz hinter Kenia", sagte Aldag.

Das Aus für HTC droht

Zunächst aber muss Aldag um die Zukunft des eigenen Rennstalls fürchten, dem zum Saisonende das Aus droht.

Bis zum zweiten Ruhetag der Tour will Teamchef Bob Stapleton möglichst Gewissenheit haben.

Erst einmal aber hält die Suche nach einem neuen Hauptsponsor an.

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