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Alberto Contador gewann bereits drei Mal die Tour de France © AFP

Vor der 98.Tour de France sorgt der dreimalige Sieger für großen Wirbel. Dem Spanier wird von einem Start vehement abgeraten.

München - Ein Füllhorn an Kritik prasselt auf ihn nieder, doch von einem Start bei der am Samstag beginnenden 98. Tour de France hält das den dreifachen Sieger Alberto Contador nicht ab.

Ob Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), HTC-Highroad Sportdirektor Rolf Aldag, Tour-Direktor Christian Prudhomme oder Radsport-Legende Eddy Merckx:

Alle raten sie dem Titelverteidiger, nicht anzutreten oder beklagen den Umgang mit seinem Dopingfall auf Schärfste.

Contador lässt das kalt, denn nicht nur er rechnet inzwischen mit einem Freispruch.

Unverständnis wegen Verlegung der Anhörung

Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen dabei der Internationale Radsport-Verband UCI, der spanische Radverband RFEC und nicht zuletzt der Internationale Sportgerichtshof CAS.

Dass die Causa Contador nach wie vor in Lausanne vor dem CAS nicht abgehandelt wurde, ist Ausgangspunkt des Ärgers.

Der Entscheid, die Anhörung von Juni auf den 1. bis 3. August zu verlegen und damit nach der Tour 2011 über eine Sperre zu befinden, stieß auf großes Unverständnis.

Der CAS wollte damit beiden Parteien mehr Zeit zur Vorbereitung einräumen.

"Verstehe nicht, was da läuft"

"Es ist schwer nachzuvollziehen und nicht normal. Wir wollten eine schnelle Lösung, das war wohl zu viel verlangt", sagte Prudhomme zuletzt.

Der Tour-Chef sah aber keine Möglichkeit, Contador den Start bei der Frankreich-Rundfahrt (2. Juli bis 24. Juli) zu verwehren.

Es sei sehr ärgerlich, sagte Merckx, der selbst die Tour fünfmal gewann, der französischen Sporttageszeitung "L'Equipe".

"Ich verstehe überhaupt nicht, was da läuft, warum die Experten immer noch ein Dossier studieren müssen, über das sie seit einem Jahr diskutieren." In jedem anderen Sport wäre das schon längst erledigt, so der Belgier.

Beschwichtigungsstrategie der UCI

Die UCI versucht es bislang mit Beschwichtungsstrategien. Man habe Verständnis für die Enttäuschung sowohl in der Radsportgemeinschaft als auch der Öffentlichkeit, hieß es.

"Alberto Contador ist bisher nicht schuldig gesprochen. Die UCI bittet daher, persönliche Meinungen beiseite zu schieben, den Zeitrahmen zu akzeptieren und Contador wie jeden anderen Fahrer zu behandeln, der am Start steht", so die offizielle Aussage.

Gelassener Contador

Contador selbst, der im Juli 2010 positiv auf Clenbuterol gestestet wurde, sieht der Anhörung gelassen entgegen und spricht von großem Vertrauen in seine Anwälte.

Ohnehin redet er lieber davon, dass er sich noch müde vom Giro d'Italia fühlt, aber dennoch hofft, schnell in den Tour-Rhythmus zu finden.

Nichts anderes als seinen vierten Erfolg bei der Großen Schleife beabsichtigt der Fahrer des dänischen Teams Saxo Bank.

Diesen potenziellen Titel sowie den Giro-Sieg 2011 und den Tour-Sieg 2010 würde der Spanier verlieren, wenn der Richterspruch zu seinen Ungunsten ausfällt. Es wäre ein Treppenwitz der Sportgeschichte, müssten drei große Titel annuliert werden.

Aldag erwartet Freispruch

Ein Freispruch Contadors würde diese Schmach ersparen. Ob es das gerechte Urteil wäre, ist eine andere Frage. Rolf Aldag erwartet jedenfalls genau diesen Ausgang.

"Er wird freigesprochen, weil fünf mexikanische Fußballer positiv waren. Und den Fußball will man nicht an die Wand nageln", sagte Aldag.

Beim Gold Cup waren fünf Mexikaner ebenfalls auf Clenbuterol positiv getestet worden, ein Nachtest des eigenen Verbandes fiel negativ aus.

Wie bei Contador wurde der Befund mit verseuchtem Kalbfleisch begründet. Die Theorie mit dem kontaminierten Steak habe ihn nie überzeugt, sagte Eddy Merckx zu Contadors Rechtfertigung.

Systemproblem im Radsport

Aldag machte deutlich, der Verband habe einen Interessenkonflikt und könne daher nicht objektiv urteilen.

Solange nicht unabhängige Institutionen über Dopingfälle entscheiden würden, habe der Radsport ein Systemproblem, fügte er an.

"Wenn ich als Verband den Toursieger als positiv erkläre, kostet das den Sport 30 Millionen Euro, denke ich", sagte Aldag.

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