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Andy Schleck (r.) wurde 2010 bei der Tour Zweiter hinter Contador (l.) © getty

Nach dem Missgeschick 2010 zählt für den Luxemburger dieses Jahr nur der Tour-Sieg. Gegen Contador sieht er sich im Vorteil.

Les Herbiers - Am Port de Bales setzte Andy Schleck zum Angriff an.

Als sich bei der Tour de France 2010 die Vorentscheidung um den Gesamtsieg abzeichenete, passierte die Katastrophe: Beim Schalten sprang die Kette von Schlecks Fahrrad.

Titelverteidiger Alberto Contador nutzte die Gunst der Stunde, entriss Schleck das Gelbe Trikot - und gab es nicht mehr her.

Nun brennt der 26-jährige Luxemburger auf die Revanche.

39 Sekunden verlor Schleck 2010 am Tag der 15. Etappe, 39 Sekunden betrug sein Rückstand in Paris.

"Das hatte nicht viel Klasse. Er hat sich dafür entschuldigt. Ich habe es ihm verziehen, aber ich habe es nicht vergessen", sagt Schleck.

Kurs kommt Schleck entgegen

Die Voraussetzungen auf den ersehnten Erfolg sind günstig. Der sehr gebirgige Kurs mit nur einem kurzen Zeitfahren auf der vorletzten Etappe kommt Schleck entgegen.

Auch das ungeliebte Kopfsteinpflaster, auf dem Bruder Frank auf der dritten Etappe des vergangenen Jahres schwer stürzte und daraufhin die Tour vorzeitig beenden musste, fehlt im Programm.

"Habe einen Vorteil"

Einen Vorteil sieht Schleck auch in der Verfassung seines Teams, in dem auch Linus Gerdemann (Münster) und Jens Voigt (Grevesmühlen) stehen.

"Von uns ist keiner den Giro gefahren. So gesehen habe ich einen Vorteil. Das glaube ich nicht nur, davon bin ich fest überzeugt", sagte Schleck.

Contador hat die Power

Contadors Kollegen vom Team Saxo Bank dagegen - so Schlecks Hypothese - könnten aufgrund der Giro-Teilnahme im Mai die Kräfte in den schweren Bergetappen ausgehen.

"So wie ich das sehe, hat Contador vielleicht die Power, nach dem Giro auch die Tour zu gewinnen. Ich glaube aber nicht, dass seine Teamkollegen das Tempo mitgehen können", sagte Schleck und ergänzte:

"Er wird da sein. Aber ich denke, er ist zu schlagen."

Erstes Kräftemessen Pyrenäen

Mit einem ersten Kräftemessen rechnet Schleck ab der 12. Etappe in den Pyrenäen.

"Es ist kein Geheimnis, dass die Tour erst in Luz Ardiden so richtig losgehen wird", sagte Schleck.

Die endgültige Entscheidung über den Tour-Sieg werde bei der Bergankunft auf dem Col du Galibier fallen.

Doping-Vorwurf als Bremsklotz

Wie stark sich Contador dabei präsentieren wird, bleibt abzuwarten. Seine sportliche Ausnahmestellung ist unstrittig.

Erst bei der Italien-Rundfahrt düpierte er die Konkurrenz mit über sechs Minuten Vorsprung in der Gesamtwertung.

Ein Ballast, der sich schnell als Bremsklotz erweisen könnte, ist jedoch die anhaltende Diskussion um seinen positiven Dopingtest (Clenbuterol) bei der Tour 2010.

Die im Juni angesetzte Anhörung vor dem CAS war in den August verlegt worden.

Hoffnung auch bei Anderen

Ein etwaiger Leistungseinbruch Contadors würde nicht nur Schleck in die Karten spielen.

Auch eine Vielzahl amibtionierter Fahrer, die sich Hoffnungen auf die Spitzenplätze machen, würde profitieren.

Etwa der Niederländer Robert Gesink, der in die Kapitänsrolle des Teams Rabobank hineingewachsen ist und seinen sechsten Platz aus dem Vorjahr verbessern will.

Auch der Italiener Ivan Basso (Liquigas) hat seine Saison voll auf die Tour ausgerichtet. Nach der mäßigen Tour-Leistung 2010 verzichtete er in diesem Jahr auf einen Start beim Giro d'Italia.

Mit dem Australier Cadel Evans (BMC), dem Briten Bradley Wiggins, Samuel Sanchenz aus Spanien (Euskaltel) und Jürgen Van den Broeck (Belgien), dem Kapitän des Teams Omega Pharma-Lotto, reihen sich weitere prominente Namen in die Liste der Favoriten ein.

Martin will in die Top Ten

Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem Cottbuser Tony Martin (HTC-Highroad), der seine starken Leistungen aus dem Frühjahr bestätigen und sich einen Platz unter den besten Zehn erobern will (Bericht)

In den Kampf um den Gesamtsieg wird Martin wohl nicht eingreifen können, dennoch hofft er auf zumindest einen Tag im "Maillot Jaune":

"Es wäre die Erfüllung eines ganz großen Traums", sagte er.

Starke Konkurrenz für Klöden

Auch Andreas Klöden aus Mittweida (Radio Shack), Zweiter der Tour 2004 und 2006, geht erneut mit Ambitionen auf einen Spitzenplatz ins Rennen.

In Chris Horner, Levi Leipheimer (beide USA) und Janez Brajkovic (Slowenien) hat Klöden jedoch starke Konkurrenz aus den eigenen Reihen.

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