vergrößernverkleinern
Der Spanier Alberto Contador hat die Tour de France bereits drei Mal für sich entschieden © getty

Fahrer und Teamoffizielle kritisieren die Pfiffe gegen den dreimaligen Toursieger. Tony Martin spricht von "dummen Menschen".

Les Herbiers - "Unfair", "unangemessen", "dumm".

Die Pfiffe des französischen Publikums für den dopingverdächtigen Titelverteidiger Alberto Contador bei der offiziellen Teampräsentationen der Tour de France (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVE-TICKER) am Donnerstagabend in Puy du Fou sind in weiten Teilen des Fahrerfeldes und bei Teamoffiziellen auf Unverständnis gestoßen.

"Wir sind hier, um Sport zu treiben. Ich finde, das ist eine unfaire Geste", sagte die deutsche Tour-Hoffnung Tony Martin (Cottbus/HTC-Highroad) am Freitag und holte sogar noch weiter aus.

"Es gibt immer dumme Menschen, die keine Ahnung haben, den Mund aufmachen und verallgemeinern müssen", erklärte der 26-Jährige.

Auch Martins Sportdirektor beim amerikanischen Rennstall HTC-Highroad, Rolf Aldag, zeigte sich wenig begeistert, war in seinem Urteil aber weniger deutlich: "Die Pfiffe sind schwer einzuschätzen. Die Frage ist, ob es ein persönliches Problem mit Contador oder der Fakt ist, dass keiner weiß, wo wir stehen."

Voigt zeigt Verständnis

Linus Gerdemann aus Münster (Leopard Trek), Teamkollege von Contadors großem Herausforderer Andy Schleck (Luxemburg), kritisierte das Verhalten der Fans: "Die Reaktion des Publikums war nicht angemessen. Kein Sportler freut sich darüber, ausgepfiffen zu werden."

Tour-Veteran Jens Voigt (Grevesmühlen), der ebenfalls für Leopard Trek an den Start geht, suchte derweil nach einer passenden Erklärung.

"Dass es keinen ungeteilten Jubel geben wird, war zu erwarten. Die Franzosen lieben ihre Tour. Ich glaube, sie fürchten, dass ihr National-Heiligtum beschädigt werden könnte", sagte Voigt.

Dass sich die Antipathien gerade auf den vielbesuchten, engen Bergpässen in tätlichen Angriffen niederschlagen könnten, schloss Voigt dagegen aus: "Auf keinen Fall. Die Leute sind schlau genug, um das richtig einzuschätzen. Es wird nichts passieren."

Viel Beifall für Schleck

Schleck hatte in Puy du Fou überdurschnittlich viel Beifall erhalten.

Die Sympathien sind vor dem Start am Samstag klar verteilt, der Diskussion um die Rivalität zwischen ihm und Contador versucht er aber den Wind aus den Segeln zu nehmen.

"Ich gehe Fragen zu Contador aus dem Weg", sagte Schleck. Man sei im selben Teamhotel und gebe sich ganz normal die Hand: "Wir sind einfach nur Konkurrenten."

Pfeifkonzert bei Präsentation

Contador war bei der Teampräsentation am Donnerstag im Freizeitpark Puy du Fou mit gellenden Pfiffen empfangen worden.

Damit brachten die rund 10.000 Zuschauer ihren Unmut über den Start des dreifachen Tour-de-France-Siegers zum Ausdruck, der im Vorjahr positiv auf Clenbuterol getestet worden war.

Eine endgültige Entscheidung des internationalen Sport-Gerichtshofs CAS steht noch aus. Die Anhörung ist für den 1. bis 3. August angesetzt.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel