vergrößernverkleinern
Der belgische Meister Philippe Gilbert fährt für das Team Omega Pharma-Lotto © getty

Gilbert schnappt sich im Finish den Tagessieg bei der ersten Etappe der Tour de France 2011. Zwei Deutsche sind vorn dabei.

Les Herbiers - Philippe Gilbert hat die Auftaktetappe der 98. Tour de France gewonnen, für den Tour-Favoriten Alberto Contador dagegen begann die Frankreich-Radrundfahrt gleich mit einer bitteren Niederlage.

Der Spanier war eines der Opfer eines Massensturzes und verlor am ersten Tag 1:20 Minuten (DATENCENTER: Tour de France 2011).

"Es ist zynisch und bescheuert, zu behaupten, dass so etwas ein Vorteil ist", sagte der 39-Jährige aus Grevesmühlen: "Ich möchte nicht durch den Sturz eines anderen ein Rennen gewinnen. Niemand wünscht dem Gegner ein Unglück."

Allerdings werde es nun `schwer" für Contador, die Tour zum vierten Mal zu gewinnen".

Schleck ist "froh"

Contadors Hauptkonkurrent Andy Schleck (Luxemburg/Leopard Trek) war kurz vor dem Ziel auch in einen Sturz verwickelt, fiel aber innerhalb der 3-Kilometer-Zone und wurde mit der Zeit der ersten Verfolgergruppe gewertet (sechs Sekunden Rückstand).

"Es war zu erwarten, dass es eine nervöse und gefährliche Zielankunft gibt", sagte er: "Ich bin froh, dass ich nicht verletzt bin."

Etwa zehn Kilometer vor dem Ziel hatte ein Massensturz das Peloton geteilt und das Finale maßgeblich beeinflusst; Contador fiel aus der Spitzengruppe und schaffte nicht mehr den Anschluss.

Gilbert nicht zu stoppen

Gilbert (Team Omega Pharma-Lotto) setzte sich nach 191,5 km zwischen der Passage du Gois und dem Mont des Alouettes schließlich im Bergsprint durch.

"Alles ist perfekt gelaufen, es ist unglaublich", sagte der 28-Jährige, der als Favorit in die Etappe gegangen war.

Auf dem langen Schlussanstieg verwies der Belgier, 2011 Sieger der drei Ardennen-Klassiker, Cadel Evans (Australien/BMC Racing) und Thor Hushovd (Norwegen/Garmin-Cervelo) auf die Plätze.

Martin und Klöden stark

Bester Deutscher wurde Andreas Klöden (Mittweida/RadioShack) auf Rang sieben.

Auch Tony Martin (Cottbus/HTC-Highroad) präsentierte sich aufmerksam und erreichte Platz zehn, beide hatten sechs Sekunden Rückstand.

"Es war im Großen und Ganzen in Ordnung. Die Beine sind aber noch nicht optimal", sagte Martin. Auch er beschrieb die Ankunft als risikoreich: "Es war sehr gefährlich. Ich bin froh, nicht in Stürze verwickelt worden zu sein".

Die reinen Sprinter hatten wie erwartet keine Chance, in den Kampf um den Sieg einzugreifen.

Kein Sturz auf der "Straße im Meer"

Tour-Direktor Christian Prudhomme hatte nach der von Zuschauermassen gesäumten Passage du Gois das Rennen kurz vor 13 Uhr offiziell freigegeben.

Auf der legendären "Straße im Meer", die das Festland mit der Ile de Noirmoutier verbindet und zweimal täglich vom Atlantik überspült wird, hatte der Schweizer Alex Zülle 1999 durch einen spektakulären Sturz alle Chancen eingebüßt.

Er verlor damals rund sechs Minuten auf den späteren Gesamtsieger Lance Armstrong, der am Ende den ersten seiner insgesamt sieben Tour-Siege holte. Diesmal blieben alle Fahrer im Sattel - noch.

Drei Außreißer

Die Fluchtgruppe des Tages hatte sich indes schnell gefunden. Schon unmittelbar nach dem scharfen Start der Tour 2011 setzten sich Jeremy Roy (Frankreich/FDJeux), Perrig Quemeneur (Frankreich/Europcar) und Lieuwe Westra (Niederlande/Vacansoleil) ab.

Die Vorsprung der drei Ausreißer wuchs zunächst rasend schnell an und betrug maximal 6:20 Minuten, doch bereits knapp 19 km vor dem Ziel wurden sie vom Feld gestellt.

Bei Kilometer 87 entschied Roy in Avrille immerhin den Zwischensprint des Tages für sich und sammelte 20 Punkte für das Grüne Trikot.

Cavendish nicht zu sehen

Das Peloton kämpfte dahinter vehement um die verbleibenden Zähler. Der Amerikaner Tyler Farrar (Garmin-Cervelo) sicherte sich 13 Punkte.

Deutschlands Top-Sprinter Andre Greipel (Rostock/Omega Pharma-Lotto) folgte und bekam elf Zähler, während sein britischer Dauerrivale Mark Cavendish (HTC-Highroad) wie auch im Finale nicht zu sehen war.

Greipel, der Ambitionen im Kampf um Grün andeutete, hatte zuvor in der neutralisierten Rennphase eine Schrecksekunde, als er zu Fall kam, aber lediglich eine harmlose Wunde am linken Ellbogen erlitt.

Kontrolle bei Quick Step

Am Vorabend des Auftaktes war das Quick-Step-Team des Kölners Gerald Ciolek empfindlich gestört worden. Der Mannschaftsbus des belgischen Rennstalls wurde beschlagnahmt und durchsucht.

Die Überprüfung sei eine Zufallskontrolle der Polizei gewesen und es habe keinen Grund zur Beanstandung gegeben, teilte Quick Step später mit.

Auch bei anderen Teams würden Kontrollen folgen. "Reine Routine, alles in Ordnung", sagte der Sportliche Leiter Wilfried Peeters. In der Nacht durfte der Bus wieder abgeholt werden.

Voigt muss Auto ausweichen

Aufregung gab es auch beim Tour-Veteranen Jens Voigt.

Der 39-Jährige aus Grevesmühlen wäre am Freitag bei der Besichtigung der ersten Zielanfahrt beinahe um seine 14. Tour-Teilnahme gebracht worden, als ihm ein Auto den Weg abschnitt und er nur mit Mühe einen Unfall verhinderte.

Am Sonntag (ab 14.30 Uhr im LIVE-TICKER) wird es erstmals für die Tour-Favoriten interessant. Beim Mannschaftszeitfahren über 23 km in Les Essarts erhält die Gesamtwertung schon am zweiten Tag ein Gesicht und das Gelbe Trikot wird wohl für die folgende Woche fest vergeben.

Der amerikanische Rennstall HTC um Tony Martin geht mit Siegchancen an den Start.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel