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Cadel Evans (re., mit Alberto Contador) gewann 2011 die Tour de Romandie © getty

Der Australier wehrt auf der 4. Etappe einen Angriff des Spaniers am Schlussanstieg ab. Favorit Philippe Gilbert geht leer aus.

Mur-de-Bretagne - Triumph für Cadel Evans, Ausrufezeichen durch Alberto Contador, Dämpfer für Andy Schleck:

Die vierte Etappe der 98. Tour de France stand ganz im Zeichen der Tour-Favoriten.

Der spanische Titelverteidiger Contador nahm an der Mur de Bretagne seinem luxemburgischen Herausforderer Schleck acht Sekunden ab, während Evans seinen ersten "echten" Etappensieg bei der Frankreich-Radrundfahrt einem Deutschen widmete.

"Marcus Burghardt ist heute meine Held. Ich musste die Arbeit nur noch vollenden", sagte der australische Kapitän des BMC Racing-Teams über den gebürtigen Zschopauer.

Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel im "Alpe d'Huez" der Bretagne hatte Evans einen mechanischen Schaden an seinem Rad. Burghardt ließ sich zu seinem Chef zurückfallen und schleppte ihn unter riesiger Kraftanstrengung zurück ins Peloton.

"Er hat mich wieder nach vorn gebracht", sagte Evans, der bei der Tour 2007 einmal einen Sieg am Grünen Tisch zugesprochen bekommen hatte. Diesmal konnte er schon im Ziel jubeln.

"Ich habe es nicht sehen können"

Die Entscheidung im Finale fiel um eine Reifenbreite. Evans und Contador, der Zweiter wurde, kämpften bis zum Zielstrich um jeden Millimeter.

"Es war so knapp. Ich habe es selbst erst gar nicht sehen können", sagte Evans, der seine bislang eindrucksvolle Tour fortsetzte und durchaus als legitimer Anwärter auf den Tour-Sieg gelten darf.

Das Gelbe Trikot behielt überraschend Straßenweltmeister Thor Hushovd (Norwegen/Garmin-Cervelo), der Sechster wurde (425304DIASHOW: Die Bilder der Tour).

"Andy war eingeschlossen"

Contador setzte im Anstieg ein erstes Zeichen der Stärke nach seinem bisher grandiosen Fehlstart und verkürzte den Rückstand auf Andy Schleck auf 1:30 Minuten - doch der blieb gelassen.

"Das bedeutet nicht viel und hat keinen Einfluss auf die Tour", sagte Schleck. Sein Bruder Frank schob den Zeitverlust auf die Position im Finale: "Andy war eingeschlossen und kam nicht raus."

Tony liegt daneben

Die dritte Rang der Tageswertung ging an Alexander Winokurow (Kasachstan/Astana). Bester Deutscher war auf dem zehnten Platz Andreas Klöden (Mittweida/RadioShack), der sich auf Rang fünf in der Gesamtwertung verbesserte. Tony Martin verlor wie Schleck acht Sekunden und wurde 21.

Für die deutsche Radsport-Hoffnung hat sich der Traum vom Gelb wieder nicht erfüllt.

"Ich habe das Tempo im Anstieg falsch eingeschätzt und war dann zu weit hinten", sagte der gebürtige Cottbuser. HTC-Highroad Sportdirektor Rolf Aldag sagte: "Das war nicht seine Ankunft. Aber Tony hat gezeigt, dass er mit den Besten mithalten kann".

Rojas bleibt in Grün

Contador war bereits zuvor von einem sehr spannenden Ende ausgegangen. "Es wird ein komplizierte Finale an einem ziemlich harten Anstieg", sagte er.

Das Finale des Teilstücks, das in Lorient begann, wurde äußerst schnell gefahren. Auf den teils regennassen Straßen im Department Cote D'Armor blieben Stürze aber aus.

Tagesfavorit Philippe Gilbert (Belgien/Omega Pharma-Lotto), der Ardennen-König dieses Jahres, konnte an seinem 29. Geburtstag als Fünfter seine Ausnahmestellung im Bergaufsprint nicht nachweisen.

Nahezu den gesamten Tag hat seine Mannschaft das Tempo des Pelotons diktiert. Die harte und kilometerlange Arbeit des Teams, an der auch die Deutschen Andre Greipel (Rostock), Sebastian Lang (Sonneberg) und Marcel Sieberg (Castrop-Rauxel) großen Anteil hatten, zahlte sich nicht aus.

Das Geburstagskind konnte sich nicht einmal mit dem Grünen Trikot des Punktbesten trösten. Das behielt der Spanier Jose Joaquin Rojas (Movistar).

Zwei Sonderpreise für Hoogerland

Evans' BMC Racing-Team verrichtete ebenfalls viel Arbeit. Gilbert und der Australier hatten sich im Rennen recht zeitig länger unterhalten und dabei offenbar abgestimmt.

Erneut stand die Ausreißergruppe des Tages sehr früh im Rennen fest. Der Franzose Jeremy Roy (FDJeux), der bereits am Samstag eine Flucht versuchte, initiierte die Attacke 9 km nach dem Start.

Ihm folgten sein Landsmann Blel Kadri (AG2R), der Niederländer Johnny Hoogerland (Vacansoleil) sowie die beiden Spanier Gorka Izagirre (Euskaltel) und Imanol Erviti (Movistar). Hoogerland holte sich unterwegs die beiden Sonderpreise.

Er gewann die Bergwertung der 4. Kategorie und den Zwischensprint. Die Gruppe wehrte sich lange, wurde aber dennoch gestellt. In Greipels Teamkollegen Jürgen van de Walle (Belgien) gab es den ersten, verletzungsbedingten Aussteiger der Tour.

Küstenwind ist unberechenbar

Für die Sprinter war die Mur du Bretagne zu giftig, am fünften Tag der Tour de France könnten sie aber wieder triumphieren. Die flachere der beiden Etappen in der Bretagne startet in Carhaix und endet nach 164,5 Kilometern am Cap Frehel.

Besonders die Mannschaften der ambitionierten Mark Cavendish (Großbritannien/HTC-Highroad) und Greipel werden auf Attacken und Ausreißversuche achten müssen. Im Ziel bietet sich ein Panoramablick auf den Ozean und schroffe, steile Klippen (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile).

Den könnte einer der Sprinter im Erfolgsfall genießen, wenn nicht der unberechenbare Küstenwind alle Pläne zunichte macht und einen Überraschungssieger hervorbringt.

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