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Mark Cavendish bejubelt im Ziel seinen ersten Etappensieg bei der Tour 2011 © getty

Nach einem wahren Kraftakt gewinnt der britische Supersprinter seine erste Etappe bei der diesjährigen Tour. Greipel ist chancenlos.

Cap Frehel - Große Klappe, viel dahinter: Der britische Radprofi Mark Cavendish hat seinen forschen Worten Taten folgen lassen und die fünfte Etappe der 98. Tour de France gewonnen (DATENCENTER: Ergebnis 5. Etappe).

Der exzentrische Brite schrieb mit dem ersten Sieg in diesem Jahr Tour-Geschichte. Er ist nun der erfolgreichste Sprinter seit Bestehen der Frankreich-Rundfahrt und unterstrich seinen Ruf als wohl endschnellster Fahrer der Welt.

Im Ziel drückte der 26-Jährige die deutsche Tour-Hoffnung Tony Martin kräftig und bedankte sich bei ihm. "Er war heute großartig", sagte Cavendish, der in der Öffentlichkeit oft arrogant und vorlaut auftritt.

"Eigentlich ist Cav ein ganz Lieber", sagte Martin. Der gebürtige Cottbuser versteht jedoch auch die vorherrschende Meinung (425304DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Sieg mit Ansage

"Er trägt natürlich auch seinen Teil dazu bei, dass er so falsch rüberkommt. Cav ist einer der Fahrer, gegen die man im Duell Probleme hat, aber davon gibt es mehrere."

Seinen ersten Etappensieg der Tour 2011 und insgesamt 16. seit seinem Tour-Debüt 2008 hatte der Brite bereits bei der Teambesprechung am Vormittag angekündigt.

"Alle hatten irgendwie hängende Köpfe", sagte HTC-Berater Erik Zabel, der selbst zwölfmal bei der Tour triumphierte: "Dann kam Cav rein und sagte, ich gewinne heute. Ich brauche euch. Bei so einem Anführer holt jeder noch einmal zehn Prozent mehr heraus".

Gilbert fährt in Grün

Cavendish distanzierte nach 164,5 km zwischen Carhaix und Cap Frehel auch seinen deutschen Dauerrivalen Andre Greipel (Rostock/Omega Pharma-Lotto), der als bester Deutscher auf Rang sechs landete.

Auf Platz zwei kam Greipels Teamkollege Philippe Gilbert (Belgien) vor dem Spanier Jose Joaquin Rojas (Movistar). Rojas verlor zudem das Grüne Trikot des Punktbesten an Gilbert, weil er und der Belgier Tom Boonen im Zwischensprint wegen Behinderung distanziert wurden.

Weltmeister Thor Hushovd (Norwegen/Garmin-Cervelo) behielt das Gelbe Trikot vor dem Australier Cadel Evans (Australien/BMC Racing).

Mutige Atacke von Martin

Andreas Klöden (Mittweida/RadioShack) ist als Fünfter weiterhin bester Deutscher in der Gesamtwertung, Tony Martin liegt auf Platz elf.

Martin hatte den Sieg mit einem taktischen Meisterstück eingeleitet. Der 26-Jährige trat kurz vor der Ein-Kilometer-Marke kräftig an, während der hinter ihm positionierte HTC-Kollege Matthew Goss (Australien) Tempo herausnahm.

"Cav war erst ein bisschen eingebaut, deswegen hat Goss abreißen lassen, damit das Feld Tempo verliert. So konnte sich Mark einordnen. Es ist perfekt aufgegangen", sagte Martin.

Cavendish hatte auch 2010 auf der fünften Etappe seinen ersten Sieg gefeiert und dann noch vier Tagessiege folgen lassen.

Zahlreiche Stürze

"Wenn er Selbstvertrauen hat, kann er eine Serie starten. Darauf bauen wir", sagte Martin.

Die Etappe war aber nicht nur eine Cavendish-Show, sondern auch ein Sturzfestival. Mehrere Top-Fahrer waren betroffen.

Der belgische Superstar Tom Boonen (Quick Step), Kapitän des Kölners Gerald Ciolek, stürzte nach etwa 100 km heftig und quälte sich unter sichtbaren Schmerzen mit großem Rückstand ins Ziel.

Rückschlag für RadioShack

An diesem ursprünglich recht harmlos erscheinenden Tag mussten auch Klödens RadioShack-Rennstall einen schweren Rückschlag hinnehmen.

Der sächsische Rundfahrtspezialist verlor nach einem schweren Sturz den Slowenen Janez Brajkovic, der als einer der vier Kapitäne in die Tour gegangen war. Brajkovic musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden.

Drei Fahrer müssen aufgeben

In den Unfall war neben Brajkovic auch der niederländische Podiumsanwärter Robert Gesink (Rabobank) verwickelt.

Der Kapitän des Hannoveraners Grischa Niermann hatte Schmerzen am rechten Arm und schlug sich das linke Knie auf, fuhr aber weiter. Neben Brajkovic musste auch der Franzose Christophe Kern (Europcar) als insgesamt dritter Fahrer die Tour vorzeitig beenden.

Nur kurz nach Brajkovic kam auch Titelverteidiger Alberto Contador (Spanien/Saxo Bank) zum zweiten Mal bei dieser Tour zu Fall.

Riis schiebt gestürzten Contador an

Contador warf daraufhin sichtlich genervt sein Rad in den Straßengraben. Teamchef Bjarne Riis gab dem 28-Jährigen ein neues Gerät und schob ihn persönlich an.

Am Donnerstag hat die Große Schleife ihr längstes Teilstück zu bieten (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile):

Insgesamt 226,5 Kilometer muss das Peloton auf seinem Weg von Dinan nach Lisieux abspulen. Um Punkte für das Bergtrikot geht es bei insgesamt drei kleineren Anstiegen, zwei davon zählen zur dritten Kategorie.

Die reinen Sprinter werden womöglich in die Röhre schauen. Drei Kilometer vor dem Ziel stellt sich ihnen und dem Rest des Feldes ein Anstieg entgegen.

Kandidaten auf den Etappensieg sind dagegen erneut sprintstarke Allrounder Gilbert, Hushovd oder Matthew Goss (Australien/HTC-Highroad).

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