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Edvald Boasson Hagen feiert bei seiner zweiten Tour den ersten Etappensieg © getty

Der Norweger lässt im Zielsprint alle Konkurrenten stehen. Sein Landsmann verteidigt das Gelbe Trikot. Schleck moniert.

Lisieux - Wikingerfest in der Normandie: Die längste Etappe der 98. Tour de France stand ganz im Zeichen der norwegischen Radprofis.

Der sprintschnelle Edvald Boasson Hagen vom Team Sky holte sich auf dem 226,5 Kilometer langen sechsten Teilstück in Lisieux den ersten Tour-Etappensieg seiner Karriere.

Weltmeister Thor Hushovd (Garmin-Cervelo) wurde am Donnerstag Tagesdritter und verteidigte zum vierten Mal das Gelbe Trikot erfolgreich (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile).

"Es ist wunderschön, hier eine Etappe zu gewinnen, vor allem, wo meine Eltern hier sind, und es ist auch ein großer Tag für Norwegen", sagte Boasson Hagen, der im Zielraum mit der Sonne um die Wette strahlte.

Boassons Team mit wenig Führungsarbeit

Thor Hushovd verteilte derweil ein großes Lob an seine Helfer. "Sie haben es wieder großartig gemacht und hart gearbeitet, um Gelb zu verteidigen".

Im Mannschaftszeitfahren am Sonntag hatte der Routinier das "maillot jaune" erobert und es überraschend sogar am Dienstag beim Anstieg zur M-r de Bretagne behalten können (425304DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Boasson Hagens Teamkollegen um den Bonner Christian Knees hatten den 24-Jährigen, der seine zweite Frankreich-Rundfahrt bestreitet, im Finale perfekt in Position gebracht, vorher aber kaum Führungsarbeit geleistet.

Knees räumte dies ein: "Wir haben nicht viel gemacht", sagte er.

"Ankuft auf den Leib geschneidert"

"Sky hat nichts dafür getan", schimpfte dagegen HTC-Highroad-Sportdirektor Rolf Aldag, "aber Edvald hat es verdient. Er ist jederzeit wieder willkommen". Boasson Hagen stand bis 2009 im HTC-Vorgängerteam Columbia unter Vertrag.

"Die Ankunft war ihm auf den Leib geschneidert", sagte HTC-Berater Zabel über den Tagessieger (DATENCENTER: Ergebnis 6. Etappe).

Das Team Sky zeigte sich erst während der ansteigenden Zielankunft an der Spitze.

Goss scheitert erneut

Viel vorgenommen hatte sich auch HTC-Highroad um Sprintstar Mark Cavendish. Dieser hatte diesmal keine Chance, doch der Australier Matthew Goss kämpfte lange um den Sieg und wurde schließlich Zweiter.

HTC hatte vor dem Finale wieder eine Menge Nachführarbeit geleistet und nicht nur von Sky wenig Unterstützung erfahren. Alles lief auf Goss hinaus, der aber den zweiten Tageserfolg nacheinander verpasste.

"Warum nehmen Mannschaften überhaupt Sprinter mit, wenn sie nicht an den Sieg glauben. Wenn du gewinnen willst, musst du auch das Risiko eingehen, zu verlieren", sagte Aldag.

Gilbert behält Grün

Geschlagen geben musste sich auch der Belgier Philippe Gilbert vom Team Omega Pharma-Lotto, der als Favorit auf den Etappensieg galt. Über Rang sieben tröstete ihn jedoch, dass er das Grüne Trikot des Punktbesten behauptete.

Der Teamkollege des deutschen Top-Sprinters Andre Greipel rechnet damit, es am Freitag abgeben zu müssen, wenn eine klassische Flachetappe ansteht.

"Ich werde es verlieren, aber mein Ziel habe ich bei der Tour schon erreicht. Ich wollte eine Etappe gewinnen", sagte Gilbert, der am Samstag den Tour-Auftakt für sich entschieden hatte.

Klöden weiter bester Deutscher

In der Gesamtwertung gab es keine wesentlichen Veränderungen. Hushovd bleibt bei einer Sekunde Vorsprung vor dem Australier Cadel Evans (BMC Racing).

Andreas Klöden (Mittweida/RadioShack) ist als Fünfter weiterhin bester Deutscher im Klassement, Tony Martin (Cottbus/HTC-Highroad) liegt auf Platz elf.

Bester Deutscher der Etappe wurde der Kölner Gerald Ciolek (Quick Step) auf dem achten Platz.

"Das waren teilweise Feldwege"

Der Luxemburger Andy Schleck, einer der großen Anwärter auf den Tour-Sieg, fand die ausgewählten Passagen durch die Bretagne völlig ungeeignet.

"Solche Straßen gehören nicht in die Tour. Das waren teilweise Feldwege", sagte der Herausforderer des spanischen Titelverteidigers Alberto Contador.

Jacob Fuglsang, Schlecks dänischer Kollege vom Team Leopard Trek twitterte: "Gott sei Dank bin ich noch am Leben und in einem Stück. Das war die dümmste Etappe, die ich je gefahren bin."

Diese Mal kein Sturzfestival

Nachdem schon im ersten Teil der Etappe starker Regen den Fahrern das Leben schwer machte, besserten sich die Bedingungen auch später nicht.

Im Gegensatz zur 5. Etappe, als es ein regelrechtes Sturzfestival gab, wurden die Teams der Tour-Favoriten diesmal verschont. Am Ende schien sogar die Sonne.

Besonders getroffen hatte es am Mittwoch das Team RadioShack von Klöden, die in Janez Brajkovic (Slowenien) einen ihrer vier Kapitäne nach einem schweren Sturz verloren.

Radioshack erneut im Pech

Auch am Donnerstag hatten sie Pech, als Levi Leipheimer (USA) kurz vor dem Ziel zu Fall kam und Zeit verlor.

Klöden hatte noch vor der Etappe gesagt, man dürfe bis zu den Bergen nicht weitere einen Sturz erleiden und noch mehr Zeit verlieren.

"Wir müssen sonst nur noch mehr arbeiten", sagte er.

Für Sprinter wie gemalt

Am Freitag folgt mit den 218 Kilometern von Le Mans nach Chateauroux der bislang leichteste Tagesabschnitt der diesjährigen Tour.

Für die Favoriten ist dies nicht mehr als eine reine Überführungsetappe. Für die Sprinter ist das Terrain dagegen wie gemalt.

Nicht nur beim Zwischensprint rund 25 Kilometer vor dem Ziel werden sie sich duellieren wollen. Mark Cavendish hat besonders gute Erinnerungen an den Zielort.

2008 gewann er hier seine erste Tour-Etappe.

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