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Alexander Winokurow gewann 2010 die 13. Etappe der Tour de France © getty

Der Mitfavorit muss die Tour nach dem Sturz gegen einen Baum beenden. Nun droht dem Kasachen das jähe Karriere-Ende.

Saint-Flour - Aggressiv, offensiv, aber auch höchst umstritten: Der kasachische Radprofi Alexander Winokurow ist eine schillernde Figur im Peloton.

Seine Karriere begann in Frankreich, nun hat sie hier wohl auch ihr plötzliches Ende gefunden. Winokurow hat die 98. Tour de France nach einem folgenschweren Sturz auf der 9. Etappe aufgeben müssen. (BERICHT: Auto-Rammstoß überschattet Voecklers Gelbfahrt)

Nach etwa 100 km des Teilstücks nach Saint-Flour war er in der Abfahrt vom Col du Pas de Peyrol einen kurzen Abhang runtergestürzt und gegen einen Baum geprallt.

Am Sonntag endeten seine Hoffnungen so abrupt wie in der ersten Woche der Tour auch die einiger anderer Spitzenfahrer. Noch am Samstag hatte "Wino" kurz vor einem Tagessieg gestanden.

Operation in der Nacht

"Ich habe nicht geglaubt, dass die Tour für mich so dramatisch enden könnte", sagte Winokurow nach seinem Sturz, bei dem er nach Angaben seines Teams Astana einen Bruch des rechten Oberschenkelkopfes erlitten hat.

Noch in der Nacht von Sonntag auf Montag wurde der 37-Jährige in einem Pariser Krankenhaus operiert. Die Operation sei gut verlaufen, teilte Astana mit.(428286DIASHOW: Die Bilder der Tour)

"Es ist eine riesige Enttäuschung. Ich bin so am Boden zerstört. Aber ich versuche mich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können", hatte Winokurow vor der OP mitteilen lassen.

Lehrjahre an Ullrichs Seite

Fünf Jahre lang, von 2000 bis 2005, fuhr der Kasache im deutschen Team Telekom.

An der Seite des einzigen deutschen Tour-Gewinners Jan Ullrich wuchs er selbst zum Siegfahrer heran. Winokurow sei in den Rennen zu aggressiv und offensiv, um große Erfolge zu feiern, hatte es zuvor stets geheißen.

Olympisches Silber 2000

2003 konnte er das Image abstreifen, als er Tour-Dritter wurde. Ullrich fuhr inzwischen bei Bianchi.

Damals gewann Winokurow, der seine Profi-Laufbahn 1998 beim französischen Rennstall Casino begonnen hatte, seine erste Etappe beim größten Radrennen der Welt, es wurden insgesamt vier. (DATENCENTER: Ergebnis 9. Etappe)

2000 holte er hinter Ullrich die Silbermedaille im olympischen Straßenrennen von Sydney.

Umstrittenes Astana-Team

Im denkwürdigen Jahr 2006 fuhr Winokurow für das spanische Team Liberty Seguros. Der Hauptsponsor stieg aber im Zuge des Skandals um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes aus.

Daraufhin initiierte Winokurow mit Hilfe des kasachischen Premierministers das Team Astana, um seine Teilnahme an der Tour zu sichern. Astana wurde allerdings vor der Grand Boucle zu einem Startverzicht aufgefordert. (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile) .

Die Mannschaft weigerte sich zunächst. Nachdem aber am Tag vor dem Grand Depart eine Liste mit den im Fuentes-Fall verdächtigten Profis veröffentlicht worden war, wurden auch fünf Kollegen Winokurows ausgeschlossen.

Nur vier Fahrer waren verblieben, zu wenige um anzutreten.

Rücktritt nach Doping-Sperre

Im Jahr 2007 wollte Winokurow dann den Gesamtsieg bei der Tour. Nach der 13. und 15. Etappe wurde ihm jedoch Fremdblutdoping nachgewiesen, man nahm ihn sofort aus dem Rennen.

Beide Etappen hatte Winokurow gewonnen, in der Gesamtwertung war er da bereits ohne Chance.

Der Kasache weigerte sich, seine Schuld einzugestehen. "Das ist nicht meine Art, Rad zu fahren", hatte er damals gesagt. Infolge einer ausgesprochenen, Sperre erklärte Winokurow im Dezember 2007 seinen Rücktritt.

Im Sommer 2009 kündigte der umstrittene Blondschopf sein Comeback an. Bei seiner Rückkehr zur Tour 2010 sicherte er sich den Sieg auf der 13. Etappe. Dieses Jahr wollte er sich eindrucksvoll verabschieden. Das hat er nun in der Tat getan, aber nicht auf die Weise, die er selbst sich gewünscht hatte.

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