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Andre Greipel gewann bereits zweimal die Tour Down Under © getty

Andre Greipel erreicht mit seinem Etappensieg den Höhepunkt seiner Karriere. Der Triumph gegen den Erzfeind versüßt den Erfolg.

Lavaur - Kraftstrotzend, erfolgsorientiert und jetzt am Ziel seiner Träume: Jahrelang hat der deutsche Top-Sprinter Andre Greipel auf diesen Moment hingearbeitet, nun ist er wahr geworden.

Wenige Tage vor seinem 29. Geburtstag holte der Radprofi vom belgischen Team Omega Pharma-Lotto am Dienstag bei der 98. Tour de France seinen ersten Etappensieg.

"Wahnsinn, ich bin gerade der glücklichste Mensch auf der Welt", sagte Greipel nach seinem Triumph auf der 10. Etappe. (Bericht: Greipel siegt im Hass-Duell)

Die Rivalität mit seinem früheren Teamkollegen Mark Cavendish (HTC-Highroad) verlieh dem Erfolg zusätzliche Bedeutung.

Aggressiv statt nett

Den Briten zu schlagen, der als weltbester Sprinter gilt, lässt Greipel selbst in den Kreis der Elite vorstoßen.

Dabei sagte man dem Deutschen nach, er sei zu weich, um sich bei der Tour durchsetzen zu können. (DATENCENTER: Ergebnis 10. Etappe).

"Vielleicht bin ich wirklich zu nett", sagt er: "Aber auf dem Rad habe ich gelernt, aggressiver zu sein. Das brauchst du einfach."

Siegesfeier mit Kissenschlacht

Dass Greipel nicht nur nett, sondern auch humorvoll sein kann, zeigt er auf seiner persönlichen Internetseite.(428286DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Täglich stellt er witzige Postkarten aus seinem "ersten Frankreich-Urlaub" ein.

Nach seinem Sieg in Carmaux schrieb er: "Heute Abend zur Feier des Tages, Kissenschlacht in Zimmer 16". Außerdem berichtete Greipel, wie er schon mal die Badewanne für Zimmerkollege Marcel Sieberg bis 23 Uhr blockiert.

Warten auf die Tour-Chance

Im Alter von zehn Jahren begann Greipel mit dem Radsport, in Rostock bei Peter Sager, dem er noch heute eng verbunden ist.

2005 bestritt Greipel beim Team Wiesenhof seine ersten größeren Profirennen. 2006 nach seinem Wechsel zu T-Mobile entwickelte er sich nach und nach zum Siegfahrer und zur Nummer eins der deutschen Sprinter.

Er gewann Etappen beim Giro d'Italia und der Vuelta. Seinen Tour-Traum konnte Greipel sich dort jedoch nie erfüllen. (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile)

Cavendish-Verbalattacken

Mark Cavendish wurde ihm stets vorgezogen, und zu allem Überfluss diskreditierte dieser die Erfolge des Deutschen.

Greipel könne nur "beschissene kleinen Rennen" gewinnen, sagte der extrovierte Brite einmal. Diese Haltung hat Cavendish inzwischen abgelegt, er respektiert Greipel als Konkurrent so wie Greipel die Triumphe Cavendishs wertschätzt. (Hintergrund: Greipel tobt: "sind kein Team)

Es ist ein sportliches Duell geworden, in dem der gelernte Bürokaufmann Greipel diesmal die Oberhand behalten hat. Auf der 11. Etappe (Bericht) rückte Cavendish die Rangordnung erst einmal wieder zurecht.

Tierischer Spitzname

Es heißt, Greipel habe aus dem Stand den kraftvollsten Antritt aller Fahrer im Peloton. Wegen seiner muskulösen Statur bekam er den Spitznamen Gorilla.

Ganz zahm wird der Kraftprotz im Kreise der Familie. Für die selbstgemachten Kartoffelpuffer von Oma Liesbeth lässt er alles stehen und liegen, seine Frau Kristina und seine beiden Töchter sind für ihn das Wichtigste im Leben.

Daran kann auch ein Tour-Etappensieg nichts ändern.

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