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Thor Hushovd gelang nach Edvald Boasson Hagen der zweite norwegische Etappensieg © getty

Der Norweger fängt Ausreißer Roy kurz vor dem Ziel ab und entscheidet die 13. Etappe für sich. Voeckler behält das Gelbe Trikot.

Lourdes - Aus für Andreas Klöden, Waffenstillstand bei den Favoriten, Jubel beim Weltmeister.

Während die 13. Etappe der 98. Tour de France das Ende der Hoffnungen für den deutschen Rundfahrtspezialisten brachte, durfte sich Thor Hushovd über seinen ersten eigenen Tagessieg in diesem Jahr freuen.

Der 33 Jahre alte Norweger vom Team Garmin-Cervelo krönte nach 152, 5 km im Wallfahrtsort Lourdes eine spektakuläre Aufholjagd und holte seinen insgesamt neunten Tour-Tageserfolg. Im Gegesatz zu Hushovd verhielten sich die Anwärter auf den Gesamtsieg ruhig. (DATENCENTER: Die Tour de France)

"Der beste Moment meiner Karriere"

"Das ist der beste Moment meiner Karriere. Im Regenbogentrikot nach der Fahrt über den Aubisque auf diese Art zu gewinnen, ist einfach unglaublich", sagte Hushovd. "Ich war gestern sehr müde und habe Kraft gespart, das hat sich heute ausgezahlt".

Hushovd, der mit seinem Team bereits das Mannschaftszeitfahren der zweite Etappe gewonnen hatte und danach sieben Tage das Gelbe Trikot trug, verwies die Franzosen David Moncoutie (Cofidis) und Jeremy Roy (FDJeux) auf die nächsten Plätze.

Roy wurde dabei zum tragischen Helden des Tages. Der 28-Jährige sah nach einem zunächst erfolgreichen Ausreißversuch lange wie der sichere Sieger aus, bevor Hushovd ihn etwa zwei Kilometer von dem Ziel doch noch überholte. (428286DIASHOW: Die Bilder der Tour)

Enormer Kraftaufwand von Hushovd

Zunächst schien Roy die Gunst der Stunde zu nutzen. Der bisherige Tour-Ausreißerkönig hatte im Anstieg zum Aubisque seine letzten Begleiter abgeschüttelt und war dann etwa 50 Kilometer lang einsam dem Ziel entgegengefahren.

Aber Hushovd, der auf dem Aubisque fast zwei Minuten Rückstand hatte, schaffte mit enormem Kraftaufwand das scheinbar Unmögliche. Als kleines Trostpflaster übernahm Roy zumindest das Bergtrikot von Spanier Samuel Sanchez (Euskaltel).

Die Grande Nation wartet damit bei der Tour 2011 weiterhin auf den ersten Tageserfolg eines ihrer Landsleute.

Das Peloton mit allen Tour-Favoriten und dem deutschen Hoffnungsträger Tony Martin überquerte mit einem Rückstand von 7:37 Minuten die Ziellinie. Der Franzose Thomas Voeckler (Europcar) verteidigte das "maillot jaune" ein weiteres Mal.

Contador hält sich zurück

Die Anwärter auf den Gesamtsieg um den spanischen Titelverteidiger Alberto Contador (Saxo Bank) und die luxemburgischen Schleck-Brüder Andy und Frank hielten sich am Freitag zurück.

Weder die Kapitäne des Teams Leopard Trek noch der dreimalige Tour-Sieger riskierten am Col du Aubisque eine Attacke. Der Gipfel der einzigen Höchstschwierigkeit des Tages lag über 40 km vor dem Ziel und damit zu weit entfernt für einen lohnenswerten Angriff.

Vor der letzten Pyrenäen-Etappe am Samstag zum Plateau de Beille wurden die Kräfte geschont.

(423786DIASHOW: Die Etappen-Profile)

Klöden muss aufgeben

Für Klöden war das größte Radrennen der Welt dagegen vorzeitig zu Ende. Der 36-Jährige musste wegen anhaltender Rückenschmerzen etwa 40 km nach dem Start in Pau aufgeben.

Der Kapitän des amerikanischen Rennstalls RadioShack war bereits am letzten Sonntag schwer gestürzt und hatte sich dabei starke Prellungen zugezogen.

Bei der ersten Pyrenäenetappe nach Luz-Ardiden kam Klöden am Donnerstag in der Abfahrt vom Hourquette d'Ancizan erneut zu Fall und erreichte das Ziel mit fast neun Minuten Rückstand.

Auf der 13. Etappe war Klöden schon frühzeitig aus dem Feld zurückgefallen. Der gebürtige Sachse konnte nach seiner Aufgabe nicht mehr selbstständig vom Rad steigen, so groß waren die Schmerzen.

Klöden ist der erste Deutsche, der die Tour 2011 vor dem Ziel in Paris verlassen muss. Zwölf deutscher Fahrer hatten die Grand Boucle aufgenommen.

Aubisque spaltet die Gruppe

Das Rennen wurde zunächst von insgesamt zehn "Flüchtlingen" bestimmt. In Alessandro Petacchi (Italien/Lampre), Edvald Boasson Hagen (Norwegen/Sky), Moncoutie, Roy und dem späteren Tagessieger Hushovd waren einige bekannte Namen darunter.

Hinauf zum Aubisque fiel die Gruppe jedoch auseinander und Roy, der bei der Tour 2011 bereits häufig angegriffen hatte, machte sich auf den Weg. Hushovd verhinderte aber den größten Erfolg in der Karriere des Franzosen.

Geht es nach der Tour-Historie, wird schon am Samstag über den Gesamtsieg entschieden. Bisher konnten sich alle Etappensieger auf dem Plateau de Beille im Anschluss im "maillot jaune" auf der Champs Elysees feiern lassen.

Bevor aber auf der 168,5 Kilometer langen Strecke, die in Saint-Gaudens beginnt, der Schlussanstieg zur Ski-Hochburg erfolgt, haben Titelverteidiger Contador und der Rest des Pelotons bereits fünf Bergwertungen in den Beinen. Das Teilstück ist die letzte Etappe in den Pyrenäen.

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