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Andreas Klöden war 2004 und 2006 Zweiter in der Gesamtwertung der Tour de France © imago

Die deutschen Top-Ten Favoriten sind schwer gezeichnet. Klöden gibt auf, Martin droht die Ablösung. Einen Lichtblick gibt es.

Saint-Gaudens - Am Ende fehlte Andreas Klöden sogar die Kraft, um alleine vom Rad zu steigen.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht und gestützt von seinen Teambetreuern musste sich der 36-Jährige kurz nach dem Start der 13. Etappe der 98. Tour de France von seinem Arbeitsgerät helfen lassen.

Wie ein Häufchen Elend stieg er in den Teamwagen und registrierte das bittere Ende seines Traums vom Podium in Paris.

Es war jedoch auch der erlösende Abschluss einer schmerzhaften Leidenszeit, die mit seinem schweren Sturz am Sonntag ihren Anfang genommen hatte.

"Es ist jammerschade"

"Am Start war ich eigentlich hochmotiviert, weil ich mir um das Gesamtklassement keine Sorgen mehr machen musste. Ich wollte es langsam angehen lassen, mich erholen und dann vielleicht auf einen Etappensieg in der letzten Woche hinarbeiten", sagte Klöden.

"Aber ich merkte sofort nach dem Start, dass es unmöglich war, noch weiterzumachen. Das Tempo war sehr hoch, und meine Beine hatten einfach keine Kraft mehr. Es ist jammerschade."

Zweiter Sturz am Donnerstag

Auf der neunten Etappe zog sich Klöden bei einem Massensturz eine Verletzung am Rücken zu, die ihn stark beeinträchtigte.

Gegen Klöden schienen sich die Radsport-Götter verschworen zu haben: Von einem erneuten Sturz am Donnerstag (BERICHT) schwer gezeichnet, quälte sich Klöden über die ersten Pyrenäenpässe (428286DIASHOW: Die Bilder der Tour).

"Es gibt eben keine Wunder"

Bandagiert und mit zerrissenem Trikot fuhr er unter Schmerzen dem Ziel entgegen. Immer wieder streckte er sich, um seinen maladen Rücken zu entspannen. Letztlich musste er früh den Kontakt zur Spitze abreißen lassen.

"Es gibt eben keine Wunder", hatte RadioShack-Teamchef Johan Bruyneel, schon im Vorfeld gemutmaßt.

Seine Hoffnung, Klöden könne vielleicht in den Alpen noch einmal etwas versuchen, zerschlug sich am Freitag endgültig.

"Gegen Pech kann man nichts machen. Zweimal bin ich gestürzt, weil andere Fahrer vor mir zuviel Risiko eingegangen sind", sagte Klöden.

Er sei sehr traurig, weil er `wirklich bereit für das Podium" in Paris gewesen sei. Trotzig kündigte er an: `Ich werde zur Tour de France zurückkehren."

Schon der dritte Ausfall

Damit findet die schwarze Serie beim US-Rennstall auch in der zweiten Tour-Woche kein Ende. Klöden ist bereits die dritte Führungsfigur, die RadioShack durch Stürze abhanden gekommen ist.

Auf den ersten Etappen der Frankreich-Rundfahrt hatten bereits Janez Brajkovic (Slowenien) und Chris Horner (USA) das Rennen beenden müssen.

Auch Edelhelfer Jaroslaw Popowitsch (Ukraine) ist mit Fieber ausgefallen.

Doppelt bitter, dass sich Klöden vor seinen Unfällen in Top-Form präsentiert hatte. Nach seinen zweiten Plätzen 2002 und 2004 hatte er wieder gute Aussichten, in Paris auf dem Podium zu stehen.

"Eine Riesenenttäuschung"

Noch dabei, aber dafür nach der ersten Pyrenäenetappe abgeschlagen, ist Hoffnungsträger Tony Martin (DATENCENTER: Die Tour de France).

Nach bisher starken Eindrücken kehrte er schon bei der ersten schweren Bergetappe der Tour am Tourmalet auf den harten Boden der Tatsachen zurück und muss nun sogar um seinen Führungsanspruch bei HTC-Highroad bangen.

"Es ist eine Riesenenttäuschung. Es hat einfach nicht gereicht", sagte der entkräftete Martin nach der Zielankunft in Luz-Ardiden (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile).

Bereits beim Anstieg zum Col du Tourmalet hatte er das Tempo der Besten nicht mehr mitgehen können, im Ziel fehlten ihm über neun Minuten zur Spitze.

"Das muss ich erstmal sacken lassen. Um meine Leistung muss ich nicht drumrumreden", sagte Martin.

Martin fehlt die Kraft

Auch bei der sportlichen Leitung vom Team HTC-Highroad sprach man von einem "rabenschwarzen Tag".

Dazu trug nicht nur Martins Debakel bei, auch der zweite Fahrer mit Fokus aufs Klassement, Peter Velits, verlor nach Sturz und einem technischen Defekt viel Zeit.

Der Slowake präsentierte sich jedoch in besserer Verfassung als Martin und scheint ihm in der teaminternen Hackordnung den Rang abzulaufen.

"Ich habe getan, was ich konnte, um Peter zu unterstützen. Ich bin weiter davon überzeugt, ihn in die Top Ten in Paris zu bringen", twitterte Helfer Tejay van Garderen (USA).

Teamplayer Martin zahlt wohl den Preis für seine aufopferungsvolle Arbeit für Sprinter Mark Cavendish (Großbritannien) während der ersten Tour-Woche.

Bei jeder Sprintankunft hatte er sich in die Führungsarbeit eingeschaltet und dabei wertvolle Kraft investiert. Kraft, die ihm offenbar am Donnerstag fehlte.

Außreißerversuche schlagen fehl

Am Freitag startete Martin auf den ersten 40 Kilometern mehrere Ausreißversuche, konnte sich aber nicht absetzen.

"Es war eindeutig für die anderen, dass ich etwas versuche. Sie haben mich markiert. Sie wissen, dass sie mich nicht so schnell kriegen, wenn ich einmal weg bin", sagte der 26-Jährige.

Über seine Form ist er sich weiterhin nicht im Klaren. "Es wurde nicht so schnell gefahren, für mich war es trotzdem schwer hochzukommen. Ich fühle mich körperlich noch nicht optimal".

Es steckt noch Leben "in dem alten Hund"

Ein Lächeln sah man dagegen im Gesicht von Jens Voigt (Leopard Trek).

Mit seinem Husarenritt über den Col du Tourmalet dezimierte der gebürtige Grevesmühlener das Peloton und hatte damit einen großen Anteil am Punktsieg der mitfavorisierten Schleck-Brüder.

Voigt ist dem Traum, bei seiner womöglich letzten Tour noch einmal im Team des Gesamtsiegers zu stehen, einen Schritt näher gekommen. "Ich bin froh, dass ich zeigen konnte, das da immer noch Leben in dem alten Hund steckt", twitterte Voigt.

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