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Jelle Vanendert fährt seit 2010 für das Omega-Pharma-Lotto-Team © getty

Die Schleck-Brüder dominieren die 14. Etappe der Tour de France, die der Belgier Jelle Vanendert gewinnt. Voeckler verteidigt Gelb.

Plateau de Beille - Angriffe der Schleck-Brüder, Paraden von Alberto Contador und eine erneute herbe Schlappe für Tony Martin: (428286DIASHOW: Die Bilder der Tour)

Die 14. Etappe der 98. Tour de France hat auf dem Plateau de Beille noch keine Entscheidung über den Gesamtsieg gebracht, die Ausgangsposition des spanischen Titelverteidigers Contador aber auch nicht verbessert. (DATENCENTER: Die Tour de France)

Beim Tagessieg des Belgiers Jelle Vanendert (Omega Pharma-Lotto) verlor zudem der deutsche Hoffnungsträger Martin endgültig seine Kapitänsrolle beim Team HTC-Highroad.

Während der Cottbuser mit mehr als 17 Minuten Rückstand ins Ziel fuhr, feierten die Franzosen schon überschwänglich ihren Landsmann Thomas Voeckler (Europcar), der überraschend souverän das Gelbe Trikot verteidigte.

Schlecks dominieren

Die Luxemburger Andy und Frank Schleck (Leopard Trek) deuteten am Samstag mit mehreren Attacken erneut ihre Stärke an, doch das letzte Risiko gingen sie nicht ein.

Nach 168,5 km gelang es nur Andy, auf den letzten Metern noch zwei Sekunden Zeit auf die Konkurrenz zu gewinnen. Contador (Saxo Bank) dagegen parierte zwar die meisten Angriffe, doch selbst ging der 28-Jährige nicht in die Offensive.

Erneut in hervorragender Verfassung präsentierte sich der Australier Cadel Evans (BMC Racing), der weiter die beste Ausgangslage aller Sieganwärter im Gesamtklassement hat.

Auch der Italiener Ivan Basso (Liquigas) überzeugte mit offensiver Fahrweise.

Voeckler verteidigt Gelb

Die Tour-Geschichte muss jedoch ein wenig umgeschrieben werden. Bisher konnten sich alle Etappensieger auf dem Plateau de Beille später im "maillot jaune" auf der Champs Elysees feiern lassen.

Für Vanendert, der seinen ersten Tour-Etappensieg holte, wird dies nicht gelten. Er hat 12:06 Minuten Rückstand auf Voeckler.

Auf der letzten Pyrenäenetappe zeigte der Teamkollege des deutschen Top-Sprinters Andre Greipel jedoch eine überragende Vorstellung und ließ im Schlussanstieg die taktierenden Favoriten stehen.

Auf Platz zwei kam der Luz-Ardiden-Sieger Samuel Sanchez (Spanien/Euskaltel) vor Andy Schleck.

Contador hält Anschluss

In den ersten Kilometern hinauf zum Plateau beäugten die Schlecks Contador noch. (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile)

10,5 km vor dem Ziel zuckte Andy das erste Mal, wenige hundert Meter danach zum zweiten Mal und Contador war erstmals kurz distanziert.

Das Spielchen setzte sich fort, doch der dreimalige Tour-Sieger ließ sich nicht abschütteln.

Leopard-Team übernimmt Kommando

Die Ankündigung der Schlecks, eher defensiv durch die Pyrenäen zu fahren, hat sich am Samstag aber als Täuschung erwiesen.

Schon mehr als 70 km vor dem Ziel übernahm die Leopard-Equipe das Kommando.

Im Col d'Agnes schraubten zunächst unter anderem der Australier Stuart O'Grady und der Schweizer Fabian Cancellara das Tempo nach oben.

Die deutschen Teamkollegen der Schleck-Brüder, Jens Voigt und Linus Gerdemann, gehörten zusammen mit 22 anderen Fahrern zu einer großen Spitzengruppe. Auch dies war ein taktischer Schachzug.

Voigt stürzt zweimal

Voigt zeigte dabei erneut seinen unbändigen Kampfgeist. In der Abfahrt vom Port de Lers stürzte der deutsche Routinier zweimal, rappelte sich aber wieder auf und leistete schließlich im Hauptfeld noch ein wertvollen Beitrag zum guten Abschneiden seiner Kapitäne.

Als Gerdemann und Voigt die Tour-Favoriten noch zogen, war Tony Martin bereits nicht mehr zu sehen.

Der 26-Jährige musste zeitig abreißen lassen und kam letztlich als 75. mit 17:03 Minuten Rückstand ins Ziel.

Erfahrene Ausreißergruppe

Unter den Ausreißern befanden sich neben den beiden Deutschen in den Franzosen Sandy Casar, Sylvain Chavanel und Anthony Charteau, dem Briten David Millar sowie dem Sieger der neunten Etappe, Luis-Leon Sanchez, weitere prominente Profis.

Casar, Millar und der Franzose Julien El Fares lösten sich in der Abfahrt vom Col de la Core von ihren Begleitern.

Millar fiel später zurück, dafür schlossen Voigt und sechs weitere Fahrer im Col d'Agnes wieder auf. Chavanel und Gerdemann schafften es dann auch noch.

Vor dem Schlussanstieg waren dann 16 Fahrer beisammen, Casar wehrte sich bis zur 6-km-Marke gegen die Verfolger.

Sprintetappe am Sonntag

Wer von den Sprintern nach den Pyrenäen noch Kraft hat, wird sich am Sonntag in Montpellier ganz vorne zeigen wollen.

Doch ob auch die Teams der schnellen Männer noch die Energie besitzen, das Feld zusammenzuhalten, ist auf 15. Etappe die wohl entscheidende Frage.

Vor Paris ist das 193 km lange Teilstück, das in Limoux beginnt, jedenfalls die letzte Chance.

Andre Greipel könnte sich einen Tag nach seinem 29. Geburtstag selbst noch ein Geschenk machen.

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