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Thomas Voeckler ist seit 2000 Profi und fährt seit 2003 bei der Tour de France mit © getty

Der Europcar-Kapitän rettet das Gelbe Trikot über die Pyrenäen. Die Franzosen träumen vom ersten Tour-Sieg seit 1985.

Montpellier - Bestaunt, bewundert, bejubelt: Der Franzose Thomas Voeckler sorgt bei der 98. Tour de France für einige Verblüffung. (DATENCENTER: Die Tour de France) .

Seine Landsleute feiern ihren Nationalhelden derweil ungehemmt. Voeckler trägt nach den Pyrenäen sensationell noch immer das Gelbe Trikot. (428286DIASHOW: Die Bilder der Tour).

Der 32-Jährige kam sowohl am Donnerstag in Luz-Ardiden als auch auf dem Plateau de Beille mit den Tour-Favoriten ins Ziel. "Es ist kaum zu glauben, es ist wie ein Traum", sagte Voeckler am Samstag.

"In Gelb nach Paris"

"Voeckler in Gelb nach Paris" war deshalb schon mal auf einem Transparent zu lesen.

Dass der gebürtige Elsässer tatsächlich dazu in der Lage ist, scheint eigentlich undenkbar.

Drei schwere Etappen in den Alpen stehen noch bevor, danach folgt das Einzelzeitfahren in Grenoble.

Genügend Gründe, um zu erwarten, dass Voeckler das "maillot jaune" verliert.

Zwei Etappensiege

Der 32-Jährige ist bekannt für seinen Kampfgeist und seinen offensiven Fahrstil.

Mit zwei Tour-Etappensiegen (2009, 2010) schmückte Voeckler so seine Vita, doch als Meister des Hochgebirges kannte man ihn bisher nicht.

"Ich bin in der besten Form meiner Karriere", sagt er zwar, doch seine Situation beurteilt Voeckler recht nüchtern: "Es könnte sein, dass ich für die Anstrengungen bezahlen muss. Normalerweise kann ich nicht folgen, wenn die Favoriten attackieren", sagte er am Donnerstag.

Favoriten zollen Respekt

Deren Respekt hat Voeckler sich inzwischen erarbeitet, der Franzose wird ernst genommen.

"Voeckler ist keine Überraschung", sagte der Luxemburger Andy Schleck sogar. "Das Gelbe macht ihn nur noch besser".

Sein Bruder Frank, mit dem er sich die Kapitänsrolle bei Leopard Trek teilt, fügte hinzu: "Er ist ein großartiger Fahrer, der jede Menge Leidenschaft hat."

Auch Titelverteidiger Alberto Contador (Saxo Bank) hat Lob übrig. "Bis jetzt ist er unglaublich", sagte der Spanier, der aber einen Einbruch Voecklers in den Alpen nicht ausschließt: "Wenn er explodiert, dann kann er viel Zeit verlieren." (423786DIASHOW: Die Etappen-Profile)

Virenque als Ansporn

Falls Voeckler die Alpenetappen einigermaßen schadlos übersteht, winkt ihm der erste Podiumsplatz für einen Franzosen seit 1997.

Damals wurde Richard Virenque hinter dem deutschen Tour-Sieger Jan Ullrich Zweiter.

Der Traum vom französischen Tour-Sieg dürfte aber spätestens beim Zeitfahren vorüber sein.

Französischer Tour-Sieg ist lange her

Der Bretone Bernard Hinault war der letzte Fahrer der Grande Nation, der sich in Gelb auf den Champs Elysees feiern lassen durfte.

1985 war das - vor 26 Jahren, für die stolzen Franzosen mehr als eine Ewigkeit.

Es ist deshalb wohl auch die große Sehnsucht, einen der ihren auf dem Podium in Paris zu sehen, die den Jubel um Voeckler derart überschwappen lässt.

Armstrong hält Voeckler-Triumph möglich

Seine Landsleute hatte er bereits 2004 als noch nahezu unbekannter Fahrer verzaubert. Damals erkämpfte er sich erstmals Gelb und behielt es zehn Tage, bevor es ihm Tourminator Lance Armstrong entriss.

"Ich bin besser als damals, aber auch mit den Beinen von heute hätte ich Armstrong nicht folgen können", sagte Voeckler.

Der Amerikaner wagte via Twitter vor der Ankunft auf dem Plateau de Beille eine mutige Prognose. "Wenn er heute mit den Favoriten ankommt, dann kann er die Tour gewinnen", meinte der umstrittene siebenmalige Champion. Der Beweis steht nun an.

Erstes Fahrrad mit 13 Jahren

Thomas Voeckler bekam mit 13 Jahren sein erstes Fahrrad, damals lebte er auf der Insel Martinique. Dorthin war die Familie ausgewandert.

Mit 17 kehrte Voeckler nach Frankreich zurück, das Profidebüt folgte 2000 beim Team Bonjour. Bis heute blieb er der Mannschaft, die nun Europcar heißt, treu.

Seinem Bekenntnis zum Team war es überhaupt erst zu verdanken, dass sein Chef Jean-Rene Bernaudeau vor der Saison den Autoverleiher als neuen Sponsor gewann.

Seit 9. Etappe in Gelb

Bei der Tour 2011 eroberte Voeckler Gelb auf der unglückseligen 9. Etappe nach Saint-Flour (Bericht), als es einen folgenschweren Massensturz und den skandalösen Vorfall mit einem TV-Fahrzeug gab.

Auch Voeckler wurde von dem Auto touchiert, aber er hatte Glück und malt seither die Träume der Franzosen in den buntesten Farben.

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